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Full text of "Lieder der Lappen, gesammelt and tr. von O. Donner"

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LIEDER DER 

LAPPEN, 
GESAMMELT 
[AND TR.] VON 
0. DONNER 

Lappen 



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3 6f -e . 2. 



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LIEDER DER LAPPEN 



GESAMMELT VON 



O. D O N N E R~ 




IIELS1NGF0RS, 

BUCHDRLCKEREI DER FINNISCHEN LlTTERATUR-0 F.8EM.8CHAFT. 

18 76. 



An 



ELIAS LÖNNROT 

den hochverdienten wiedererwecker des 
finnischen Volksliedes. 



Das an entsagungen so überreiche leben der nomaden in den 
frostigen einöden Lapplands verleiht ihnen nicht viel ruhe sich den 
glücklichen träumen der dichtkunst hinzugeben: der harte kämpf um's 
dasein gibt den gedanken fast ihren ganzen inhalt. Daher spiegeln 



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auch die nachfolgenden lieder, die einzigen die bis jetzt gesammelt 
wurden, überhaupt nur ein gering enttrickeltes geistesleben wieder. 
Für Dich, der Du in den blumengärten des finnischen volksgedichtes 
so wohlbewandert bist, hat wohl doch auch das dürftige haidekraut 
seinen frischen waldduft. Nimm es daher wohlwollend in empfang. 

Du weisst es wohl, es macht auf poetischen werth keinen hohen 
anspruch. Als etnografische Schilderung, als ein bild dessen, wie sich 
die gesinnt' ii i des menschen in so dürftigen und schweren Verhältnis- 
sen gestaltet, dürfte diese Sammlung doch für die kulturgeschichte der 
finnischen Völker von bedeutung sein. Meinen tiefsten dank für das 
interesse welches Du ihr erwiesen hat, besonders aber für die finni- 
sche Übersetzung der „Sonnensöhne. u 

Sei es mir erlaubt hier meine dankbarkeit auch denen auszu- 
sprechen, welche durch ihre mittheilungen und sonstige Unterstützung 
die arbeit ermöglicht haben. In liebevollem gedächtniss hat der alte 
JFjeüner in Sorsele die erinncrungen aus der kindheit — vom 
an fang unseres Jahrhunderts — aufbewahrt. Ausser ihm wären sie 
wahrscheinlich schon längst aus dem betvusstsein des Volkes verschwun- 
den. Mögen sie dem alten als ein von ihm errichtetes denkmal der 
väter erscheinen. 

Mehrere lieder gab mir auf dem Sterbebett der jetzt hingeschie- 
dene Jakob Fellman in Lappajärvi zur benuUung, andere theüte 
mir J. U. Grönlund in Stockholm freundlichst mit. Bei der über- 
setzung waren besonders Ar pastor Joh. Mörtsell in Maid, A. 
Laiti in Vesijärvi, J. Krohn uud A. Genetz hieselbst durch die 
finnische Übersetzung mehrerer lieder freundschaftlichst behülflich. Ih- 
nen allen bitte ich meinen aufrichtigen dank aussprechen zu dürfen. 

Die liederproben die man in russisch- Lappland gesammelt hat 
lassen vermuthen, dass solche in beträchtlicher anzahl noch unter den 
läppen vorhanden sind. Möge es jemand gelingen solche von höhe- 
rem poetischen werth zusammenzubringen und damit zu erweisen, dass 
die läppen einst von ähnlichen gefühlen belebt wurden wie die ver- 
wandten Völker. 

Helsingfors, januar 1876. 

Oft. *. 



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1. Frühere Publikationen lappischer gediente. — Fjellner. — 

Sorsele. 

2. Epische lieder: Päiven parne', Pissan Passan pardne, Päiven 

neita und Kassa inuödda. 
8. Verschiedene arten der lappischen poesie: epos, märchen und 
thierfabel. — Sprichwörter und rathsei. 

4. Lyrische poesie. 

5. Metrum. 

6. Alter. — Form der lieder bei den Syrjänen und Mordwi- 

nen. — Gemeinschaftlicher inärchenstoff. — Göttervorstel- 
lungen. 

7. Die epischen lieder. 

8. Kleinere gediente. 



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I. 



Frühere Publikationen lappischer gedichte. — Biographie 

Fjellners. — Sorsele. 

Obwohl die Lappen und ihr eigenthümliches leben auf 
den schneefeldern des nordens schon fast dreihundert jähre 
der gegenständ lebendiger Schilderungen von in- und aus- 
ländem gewesen ist, so war doch ganz natürlich die mehr 
äusserliche seite dieses lebens für die fremden die am meis- 
ten fesselnde. Wohl gab man auch kürzere notizen über die 
spräche und ihre Verwandtschaft; die erste vollständige gram- 
matik, die von P. Fiellström über den süd-schwedischen dia- 
lekt herausgegebene, erschien doch erst 1738. Etwas mehr 
haben missionäre und verschiedene reisende von den heidni- 
schen religions Vorstellungen der läppen erzählet; eine ausführ- 
liche darstellung ihrer mytologie gab doch erst der um die 
kenntniss des lappischen Volkes verdiente prof. J. A. Friis in 
Christiania 1871, der zugleich in demselben buche eine grosse 
anzahl lappischer mährchen und erzählungen, aus den ver- 
schiedensten gegenden Lapplands, in norwegischer Überset- 
zung veröffentlichte. Bis dahin waren solche meistenteils 
nur gelegentlich mitgetheilt worden. Die erste Sammlung gei- 
stes produkte in lappischer spräche, welche aus dem eige- 
nen bewusstsein des volkes hervorgegangen waren, ist die 
von Friis 1856 publicirte Sammlung lappischer mährchen und 
sagen, 41 an der zahl, die er als „sprachproben" herausgab l . 

Diese gleichgültigkeit in betreff eines genuinen aus- 
drucks der lappischen denk- und Sinnesart in eigener spräche 

I* /. A. Friis, Lappiskc sprogprover. En samling af lappiske 
eventyr, ordsprog og gaader, med ordbog. Christiania 1856. 

1 



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I 



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ist um so eigentümlicher, als man schon seit dem beginne 
des siebzehnten jahrhunderts angefangen hatte bücher zum 
gebrauch für geistliche und missionäre in lappischer spräche 
zu drucken und daher wohl, schon der sprachkenntniss we- 
gen, auch genuiner texte hätte bedürfen sollen. Der werth 
der volkstümlichen erzählungen wurde aber ziemlich geringe 
geschätzt, besonders da sie meistens in prosaischer form mit- 
getheilt wurden. Dass es aber auch lieder unter den läp- 
pen existire, hatten schon mehrere Verfasser behauptet und 
Scheffer theilte sowohl in original als Übersetzung zwei lyri- 
sche gediente mit, die einzigen, welche bis in die jüngste 
zeit bekannt waren 1 . Sjögren erzählt 2 , dass die läppen in 
Sodankylä lieder haben, in denen die durch zauber vollführ- 
ten grossthaten ihrer vorfahren in vergangenen Zeiten be- 
sungen werden, und er spricht sich bei dieser gelegenheit 
dahin aus, dass eine vollständige Sammlung solcher lieder 
sehr wichtig wäre für die beurtheilung der eigentlichen art 
des nordischen heidenthums. In demselben kirchspiele So- 
dankylä zeichnete er nebst verschiedenen anderen auch ein 
lappisches lied auf, das die bewerbung eines armen jungen 
russischen läppen um ein schwedisches lappenmädchen in 
der nachbarschaft beschreibt (1. c. seite 221). Wohin diese 
lieder verkommen sind, ist nicht bekannt; unter seinen nach- 
gelassenen papieren in der bibliotek der Petersburger aka- 
demie sind sie nicht zu finden, wie mir der hr staatsrath 
Wiedemann gütigst mitgetheilt hat. 

Dieser indirekten aufforderung zur Sammlung lappischer 
volksgedichte scheinen keine weiteren bemühungen gefolgt 
zu haben. Es erschien aber 1849 in der schwedischen Zeit- 
schrift „Läsning för folket", jahrgang XV und folgende, eine 
reihe interessanter Schilderungen über den schwedischen Lapp- 
mark und dessen bewohner von dem jetzt mehr als 90 jäh- 
rigen pastor J. A. Linder in Umeä, und schon im ersten 
theile seines aufsatses (jahrg. XV s. 341 ff.) theilte er in 

1. Schefer, Lapponia. Francofurti 1G73, s. 282. 

2. J. A. Sjögren, Aufzeichnungen über die gemeinden in Kemi- 
Lappmark. Gesain. Schriften I, 189. 



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schwedischer Ubersetzung einen auszug eines lappischen ge- 
fachtes über Peivcn parnch, die sonnensöhne, mit; er hatte 
dies von einem pastor Fjellner bekommen. Das in dieser 
weise veröffentlichte epos ging in die tagespresse über 1 , 
und aus dieser führte es W. Schott in deutscher spräche 
in A. Erman's Archiv für wissenschaftliche künde von Russ- 
land B. XII ss. 54—61, Berlin 1853, ein. Viele jähre ver- 
flossen ohne dass man ein wort Uber das gedieht, geschweige 
denn das original erfuhr; es schien wie vergessen. Friis 
druckte es wieder ab in seiner mytologie 2 nach der fassung 
in Läsning fbr folket; später wurde es von Dr Bertram dem 
deutschen publikum wieder vorgeführt 3 , freilich aber in einer 
gestalt, die sehr wenig den ursprunglichen ton und die schlichte 
darstellungs weise des lappischen liedes wiederspiegelte. Auch 
eine englische Übersetzung erschien, wie es scheint nach der 
letztgenannten deutschen bearbeitung gemacht 4 . 

In seiner ausführlichen darstellung der lappländischen 
Verhältnisse: Om Lappland och Lapparne, foreträdesvis de 
svenske. Ethnografiska studier af Gustaf von Düben. Stock- 
holm 1873, ein reichhaltiges Sammelwerk mit benutzung al- 
ler Schriften, die bisher über diesen gegenständ veröffent- 
licht worden sind, eignet der Verfasser ein ganzes capitel 
ss. 318—347 der lappischen poesie und ihrer musik. Mit 
recht bemerkt er, dass diese seite ihres culturlebens von 
den meisten ihrer schilderer beinahe völlig vernachlässigt 
worden ist Dies geschah aber, weil man beinahe nichts 
davon wusste. v. Düben gelang es, nach der mündlichen 
erzählung des pastors A. Fjellner in Sorsele, welchem der 
verf. in Läsning for folket die erste mittheilung über die 

1. Post- och Inrikes Tidningar in Stockholm, Helsingfors Mor- 
gonblad N:o 84 jahrg. 1850, S:t Petersburger Zeitung. 

2. /. A. Friii, Lappisk Mythologi, eventyr og folksagn. Chri- 
stiania 1871, s. 169 ff. 

3. Ptivath Parneh, Die Sonnensohne. Nach bruchstücken einer 
epischen volkssage aus Lappland, von Dr Bertram. Helsingfors 1872. 

4. Peivash Parneh, the sons of the Sun-god. Translated to Eng- 
lish by Mr Weatherby, in Colburns New Monthly. Siehe die Zeit- 
schrift „Academy", 17 jan. 1874, s. 61. „ 



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Päiven parneh verdankte, nicht nur eine vollständige Über- 
setzung dieses gedientes zu geben, sondern auch ein ganz 
neues episches gedieht: der söhn Pissa Passa's nebst meh- 
reren lyrischen gedienten, mythischen erzählungen und thier- 
fabeln mitzutheilen. Einen theil dieser verdankte er dem 
herrn Commerzienrath J. U. Grönlund in Stockholm, der aus 
Lappland gebürtig ist. Diese gesänge und lieder gaben einen 
sehr schätzenswerthen und wichtigen beitrag zur kenntniss 
der geistigen entwicklung der läppen. Für seine zwecke, 
die etnographische Schilderung des Volkes, hatte der Verfas- 
ser gewiss genug gethan, denn er füllte die noch dastehende 
lücke in der beschreibung ihres geisteslebens. Für die be- 
urtheilung der frage über die entstehung des lappischen und 
finnischen volksgedichts aber war es unumgänglich nothwendig, 
dass man auch die originale mit einander vergleichen konnte. 
Nach der angäbe von Dübens war pastor Fj ellner der einzige 
in ganz Lappland, der jetzt noch diese lieder kenne. Er sei 
aber beinahe 80 jähre alt und blind, könne sie daher nicht 
mehr niederschreiben. Ich entschloss mich daher im sommer 
1874 zu einer reise um den pastor zu treffen; reiste über 
Umea nach Lycksele, von dort theils zu fuss theils mit boo- 
ten nach Sorsele, wo der schon von jähren gebeugte blinde 
sänger mit liebevoller Hingebung an die sache tage lang die 
meisten von allen der gesänge mir dictirte, die ich unten 
im original mitgetheilt habe. Schon in seiner jugend hatte er 
mehreres nach dem vortrage anderer niedergeschrieben; das 
meiste aber war so fragmentarisch und lückenhaft, dass auch 
ein guter kenner der dortigen dialekte es nicht verstehen 
konnte. Die Orthographie war äusserst willkürlich und in- 
konsequent, so dass wir uns oft lange bemühen mussten, 
ehe ich das richtige wort herauszulesen vermochte. In mei- 
ner aufzeichnung folgte ich streng Fjellners ausspräche; die 
inkonsequenzen der rechtschreibung, welche dadurch ent- 
standen sind, wollte ich weder dem schwedischen bücher- 
lappischen njoch der aussage anderer zu gute verändern. 
Nach einem aufenthalte in Sorsele von anderthalb wochen 
reiste ich Uber Mala nach Norsjö mit boot und zu fuss, etwa 



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13 bis 14 schwedische meilen, und von dort mit harren 
nach Skelleftel 

Da es von nicht geringem gewicht ist den lebensver- 
lauf des mannes kennen zu lernen, der schon seit mehreren 
jähren der einzige gewesen ist, welcher von den älteren ge- 
sängen etwas gewusst hat, so theile ich hier einige biogra- 
phische notizen über ihn mit, die ich theils ihm selbst, theils 
v. Düben verdanke. 

Anders Fjellne/ wurde in einer kalten herbstnacht am 
18 Sept. 1795, unter freiem himmel, auf den schneebedeck- 
ten bergfeldern des Rüta fjäll zwischen Votta und Säl fjäll 
in Herjedal, nicht weit von der Norwegischen grenze, gebo- 
ren, und in einer „kalten quelle" gewaschen; der platz wird 
zum kirchspiel Hede gerechnet. Seine eitern waren herum- 
ziehende rennthierlappen. Als aber der vater schon 1804 
starb, wurde der lebhafte jüngling von einem entfernteren 
verwandten in die schule nach Östersund in Jämtland ge- 
sandt. Von dort kam er ins gymnasium zu Hernösand und 
nach vollendeter Studienzeit bezog er die Universität Upsala 
1818. Schon in der schule hatte er den namen Fjellner 
angenommen, weil er auf einem ßäll (hohen berge) geboren 
war, sowie auch andere, die lappischer herkunft waren, na- 
men angenomen hatten, welche mit fjäll zusammengesetzt 
sind: Fjellström, Fjellman. Während aller seiner Studien jähre 
verbrachte er die ferien in der heimat unter verwandten, 
indem er ein vollständiges nomadenleben führte. Hier hörte 
er oft alte leute in den langen Winterabenden die lieder der 
vorzeit recitiren und mährchen und sagen erzählen, oder 
man gab den gefühlen luft in ausdrucksvollen liedern, vuole' 
welche die verschiedenartigsten Stimmungen des herzens in 
wort und melodie wiederspiegelten. Diese vuole' sang man 
gewöhnlich nur im freien. Unter den besten Sängern erin- 
nerte sich Fjellner noch eines Serri Jü, Anders Nilsson, Per 
Mihte und auf dem norwegischen gebiete des weibes Sakris 
Olofsons, aus der familie Kant und Stolt. Der verkehr zwi- 
schen Norwegen und Schweden war nämlich in dieser grenz- 
gegend sehr lebhaft, besonders zogen die lappländer oft hin 



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und wieder; die kunst des erzählens und singens war bei 
ihnen überall verbreitet. 

Im jähre 1820 verliess er die Universität und verbrachte 
viele jähre als missionär unter den läppen im nördlichen 
Schweden, die meiste zeit auf weiten reisen zubringend. So 
finden wir ihn 1821 als vikariirender missionär bei dem mit 
den Verhältnissen Lapplands so sehr vertrauten pastors L. L. 
Lsestadius in Karesuando, einem der nördlichsten kirchspiele 
im schwedischen Lappmark. Vom jähr 1828 verbrachte er 
als adjunctus pastoris einige zeit in Juktasjärvi, woselbst er 
dann bleibend seine wohnung hatte von 1831 — 1842. Im 
letztgenannten jähre zog er mit weib, zwei kindern und 11 
rennthieren, ganz in derselben weise wie die läppen im win- 
ter wohnstätte wechseln, nach Sorsele, wo er seitdem als 
pastor gelebt hat. Dieses kirchspiel gehört zu dem Wester- 
botnischen Lappmark, welches einen flächenraum von 364 
qv. meilen umfasst, mit einwohnerzahl von 18,495 personen. 
Die meisten dieser kommen wohl auf den der kttste näher 
liegenden landstrich; wie aber die schwedische colonisation 
rasch vorwärts drängt, während die lappische bevölkerung 
entweder sich vermindert oder bei derselben zahl bleibt, ist 
daraus zu ersehen, dass die bevölkerung innerhalb derselben 
grenzen sich im jähre 1789 nur auf 1,027 personen belief, 
die allermeisten davon läppen. Von den eben genannten 
18,495 einwohnern im jähr 1873 waren aber nur 1,147 läp- 
pen, und von diesen kamen auf Sorsele kirchspiel nur 267 
läppen gegen 1,331 Schweden; nach P. Laestadius (Journal II, 
435) war die zahl der Lappen in Sorsele 323 im jähr 1790 
und 360 im jähr 1832. Wie sich die cultur des bodens in 
80 jähren gehoben hat, erhellt daraus, dass der werth des 
besteuerten landes im jähr 1790 auf 49 ty, s. g. mantal ge- 
schätzt wurde, im jähr 1873 dagegen auf 225 %. Je mehr 
sich aber die cultur verbreitet, je weiter sich die schwedi- 
schen ansiedier gegen norden und gegen die norwegische 
grenze hin verbreiten, um so sicherer verschwinden auch 
allmälich die läppen. Die kinder lernen schon jetzt zum 
grossen theile schwedisch und gehen in die schwedische be- 



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völkerung auf, ganz wie die Wermländischen finnen schon, 
was die spräche betrifft, nur in den entfernsten ecken ihrer 
wälder sich ihrer muttersprache bedienen. Es kann wohl 
nicht mehr als ein oder höchstens ein paar jahrhunderte 
dauern, bevor das lappische volk in Schweden, das jetzt 
auf etwa 7,000 einwohner geschätzt wird, durch verbesserte 
kommunikationen und Unterrichtsanstalten vollständig in das 
schwedische aufgenommen sein wird. 



IL 

Die epischen lieder der Lappen: Päiven parne. — Pissan 
Passan pardne. — Päiven neita. — Kassa muödda. 

Bis v. Düben in seiner verdienstvollen abhandlung über 
die läppen so viele gedichte in Übersetzung mittheilte, wusste 
man nichts von solchen in metrischer form, ausser dem schon 
erwähnten gedichte Päiven parne. Er publicirte nun in sei- 
nem buche, wie schon oben hervorgehoben wurde, nach Fjell- 
ners Übersetzung nicht nur diesen gesang, sondern auch den 
oben erwähnten gesang vom söhn Pis§a Pas§a's, und noch 
einen dritten: Peijen neida, die tochter der sonne, die doch 
grösstenteils in prosaischer form erzählt wird. Von den s. g. 
Stalu-sagen hat er den metrischen Kassa maodda, dickpelz, 
und andere prosaische, eine thierfabel vom lachs und roth- 
fisch, einige neuere lyrische lieder und kurze epigrammati- 
sche Sprüche. Wir werden sie alle näher besprechen. 

Das epische gedieht Päiven pärne\ die sonnensöhne, des- 
sen früherer Publikationen wir oben gedacht haben, ist von 
Düben vollständig mitgetheilt unter dem neuen titel: Peivc- 
bartwn suongah jehtanasain maajisn, die Werbungen des son- 
nensohnes im lande der riesen. Bei einem vergleich des tex- 
tes mit dem des früher mitgetheilten, findet man, dass der 
wesentliche Inhalt derselbe ist, nur hat v. Düben alles, wie 
es im lappischen original ist, metrisch wiedergegeben; auch 



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fehlten früher die anfangsverze. Nach Fjellners früherer an- 
gäbe ist das gedieht im Tornio Lappmark (Jukkasjärvi) nach 
dem vortrage des läppen Leuhnje aufgezeichnet worden. Mir 
erzählte er, dass man das lied sowohl in Jukkasjärvi als 
in Herjedal gesungen; am letzteren orte hätten es die schon 
genannten Serri Jü und Stikris Olofsons weib gekannt l . 
Die letzten fünf Zeilen betrachtet er als später hinzugekom- 
men, was auch aus der angäbe bei Linder hervorzugehen 
scheint, dass man sie nur in Tornio lappmark gekannt habe. 

Der von mir unten gegebene text ist nach dem vortrage 
Fjellners genau nach seiner ausspräche aufzeichnet. Ich hatte 
dabei zugleich vor mir eine andere aufzeichnung, die er vor 
vielen jähren selbst gemacht hatte; einige der Varianten stam- 
men aus dieser quelle oder sind hinzugefügt auf seine be- 
merkung: man hat auch so gesungen. Die mit G. bezeich- 
neten entnam ich einer handschrift, welche der herr Com- 
merzienrath J. U. Grönlund in Stockholm mir gütigst mit- 
theilte. Auch sie ist von Fjellner im anfang der vierziger jäh- 
ren geschrieben, in dem südlichen, weicheren dialekt; sie folgt, 
wie die vorhergehende der norwegisch-schwedischen ortografie, 
welche besonders die vokallaute sehr mangelhaft wiedergibt. 

Der held des gedientes heisst Kalla-sprössling, er und 
sein ganzes geschlecht stammt von der sonnen tochter. Sie 
erfanden die Schneeschuhe, sie jagten und zähmten hirsche, 
welche sich in der Cassiopa*a treffen und Uberhaupt stehen sie 
mit allem was zu ihrem jagd- und nomadenleben gehört in 
nächster beziehung zu den himmlischen dingen. Jupiter wird 
der glänzende hirsch genannt, Venus die färben wechselnde 
hirschkuh, und die planeten werden als junge hirschböcke be- 
zeichnet, die während der brunstzeit äus der heerde vertrieben 
worden sind. Der grosse bär ist ihr bogen, der Siebenstern 
eine njalla, eine vorrathskammer der Kallasöhne 2 . Selbst sind 

1. Linder erzählt, dass Fjellner nach eigener angäbe diese sage 
in gebundener rede habe vortragen hören, und zwar in den drei mund- 
arten von Herjedal, Sorsele und Jukkasjärvi, d. h. in den äussersten 
und mittleren theilen des schwedischen Lappmarks. 

2. Vgl. von Düben, om Lappland s. 322 note 2. 



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sie auch Sternbilder: Orion ist einer, Sirius heisst Kalla 
pardne, und verschiedene andere, wie äks kuö, käls kuö, kums 
ku£, jumpik werden als Päiwe pärne' sonnensöhne betrachtet. 
Was den namen Kalla betrifft, bemerkt Schott, dass es eigent- 
lich ein bejahrter oder verheiratheter mann bedeutet, könnte 
aber möglicherweise mit dem finnischen Kaleva, der Stamm- 
vater der finnischen heroen, einen Zusammenhang haben; da- 
bei sei nicht zu vergessen, dass die finnen den Orion Kale- 
van raiekka schwert des Kaleva nennen *. 

Das zweite epische gedieht ist PiSSan PaSäan pardne 
der söhn Pissa Passa's. Aus den ersten Zeilen geht es her- 
vor, dass der vater Pissa, die mutter Passa hiess; im fort- 
gange des liedes werden doch beide namen dem vater allein 
gegeben. Das lied ist sehr eigentümlich, v. Düben sagt 
darüber: „Durch das ganze geht deutlich ein lappischer 
hauch. Die ideen sind, wenn man die lange rede des Näi- 
den wegnimmt, rein lappisch; so auch die Situationen. Die 
details mit dem zwiekampf, den Sekundanten und todtengrä- 
bern samrat dem Kaiden, als herausforderer, sind vollstän- 
dig neu und fremd; etwas entsprechendes habe ich nirgends 
gefunden" 2 . Ohne zweifei ist das gedieht sehr alt, wenn 
man es auch nicht mit Fjellner nach der Urheimat der läp- 
pen in Asien versetzt. Es ist aus diesem gründe schon ganz 
berechtigt, wenn Düben v. 54 varrek und krappuk mit sporn- 
schuhe übersetzt, weit sie einfach nur dies bedeuten, und 
nichts mit eisen zu thun haben; das wort heim hat er aus 
mangel eines besseren Wortes gebraucht. In den strofen 83 
und 124 hat er doch eisen panzer beibehalten, weil es von 
gewicht ist, da der held ihn es in die brüst seines feindes 
drückt und er daher wohl aus eisen sein muss. Es ist aber 
zu bemerken, dass eine Variante an beiden stellen, statt das 
wortes eisen, säte sarkkab hat, welches einfach kriegshemd 



DieFassung des gedientes, welche von Düben in Über- 
setzung mittheilt, stimmt ziemlich genau mit einem original, 

I. A. Ermans Archiv für wiss. künde von Russland, XIII, 4. 
'i, v. Düben, s. 329. 




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welches Fjellner selbst noch besitzt und das er vor mehre- 
ren jähren seinem damaligen gehülfen, dem jetzigen pastor 
in Malä Johannes Mörtsell, dictirt hat. Der text, den er 
mir im vergangenen sommer dictirte und den ich unten mit- 
getheilt habe, weicht von jenem nur in einzelnen ausdrücken 
sehr unerheblich ab, wie aus den anmerkungen zu ersehen 
ist. Nach meiner rückkehr von Sorsele blieb ich zwei tage 
in Malä, wo ich gelegenheit hatte den ganzen text des P. P. 
mit herrn Mörtsell durchzugehen, wobei er mir freundlichst 
viele nützliche aufklärungen gab. Diese gestalt des liedes 
stammt nach Kellner aus dem nördlichen Lappmark, eine 
viel kürzere hat er aber schon in seiner jugend in Herjedal 
aufgezeichnet Sie kam auch unter seinen papieren vor un- 
ter dem namen PiSSan PaSSan ahje der söhn P. P. Lei- 
der war aber diese handschrift so schlecht geschrieben und 
nach einer so willkürlichen ortografie, dass darin kein Zu- 
sammenhang mehr zu finden war; auch Mörtsell, obwohl 
in schwedisch-lappischen sehr bewandert, konnte eine ab- 
schrift, die ich mitgenommen, nur theilweise verstehen. Ich 
hebe daraus folgende hauptpunkte hervor: Nachdem der 
mann tod ist, flieht sein weib von wald zu wald (vulga ba~ 
tera tzemem tzememest). Endlich bekommt sie einen söhn, 
welcher, gross gewachsen, seine mutter fragt: etnem, gokte 
mu atjen njemme mutter, wie ist der name meines vaters? 
Auf die antwort, dass er keinen namen habe, erwiedert er: 
imen lern tnonno muoriste gedkiste tjettjclcm (wohl £uocelam) 
ich bin doch nicht aus bäumen und steinen hervorgegangen. 
Nachdem die mutter auf seine bitte (etnem, daita monnen 
lajpem) ihm ein brod gebacken hat, zwingt er sie seine frage 
zu beantworten, das brod in die hand drückend: etnem, sardna 
mu atjen nimmem 1 mutter, sage mir des vaters namen. Nun 
erfährt er seine herkunft und dass der stalu des schwarzen 
bergrückens (tjehpes asen) den vater getödtet hat, ;#r ; fährt 
sie fort: alle me pardnem dohka vuelke gehe nicht hin, mein 



1. Nach Mörtsell's angäbe kommt diese form in Äsele und süd 
licher vor, statt des gewönlichen namma. 



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söhn. Er geht doch und tritt hinein in Hasman's (?) hütte: 
Hasmannen kätan tjanga. Der stalu gibt seinen dienern be- 
fehl den gast zu ihm zu rufen; der jüngling kommt, er fin- 
det den alten beim einschneiden der eigenthums zeichen in 
die rennthierohren. Sie begrüssen sich gegenseitig, und in- 
dem der alte vergeblich den ankommenden mit seinen pfei- 
fen zu treffen sucht, gibt er die aus dem vollständigeren ge- 
dieht bekannten antworten (PiUan Passem banine!) auf die 
fragen des jungen beiden. Hier schliesst das manuscript mit 
einigen unlesbaren Wörtern. Das wichtigste an diesem frag- 
ment ist, dass nicht allein die nach der meinung Fjellners 
auf Asien hindeutenden Ortsnamen (Altait, Baikkala pelit, 
Lana, Ammart und Öuköan oive) mit keinem worte genannt 
werden, sondern auch die stattliche ausforderung durch den 
naida, die Sekundanten und den todtengräber wegfallen; ja 
die überaus lange, mit christlichen Sentenzen geschmückte, 
rede des naida in dem längeren gedieht fehlt gänzlich. Wenn 
man auch mit v. Düben zugibt, dass die ausforderungsscene 
echt lappisch ist und vortrefflich mit dem inhalt des ganzen 
übereinstimmt, so scheint doch diese zweite Variante so viel 
zu beweisen, dass man das übrige, d. h. die verdächtigen 
namen und die rede als später eingeschobene zusätze be- 
trachten rauss. Entweder wird man diese Schlussfolgerung 
ziehen oder auch annehmen müssen, dass das lied früher 
einen mehr mytischen inhalt gehabt, aus welchem sich all- 
mälich die gegenwärtige auffassung entwickelt habe. Die be- 
treffenden episoden stehen auch in sehr lockerem Zusammen- 
hang mit dem übrigen inhalt. Diese bemerkung gilt auch 
die bei v. 64 vorkommenden strofen von Hüreskuöe und II- 
mara£ce; sie stören sehr empfindlich den gang der erzäh- 
lung und fehlen in dem manuscript aus Herjedal. Weil das 
fragment von so ausserordentlichem gewicht für die beur- 
theilung dieses interessanten liedes ist, so rage ich es hier 
vollständig bei, genau so geschrieben wie es in Fjellner's 
handschrift vorkommt; in klammem stelle ich einige konjek- 
turen daneben. 



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12 



P. ?• alge. 

Stalo P. P. alge luotera ja itz dem nielem kojneb vuo- 
sitze vulga batera tzemem tzememest. Algem fihkije dej ne 
fontere. Gosse stora sjadta. Olle mosme gösse ge don tse- 
pesse osonn valze olla. Njorte dueikte inanninne tetzeUe. 
Aktelzem gätan pucklelle fjerte (virtti) smavelle. Vuejna 
ferte adnee. Ahtjem. etnem ätnei. A. etnemse gihchie: Et- 
nem gokte mu Atjen njemme? E. I ma namme do mige. 
Ahtjet. Imen lern monno nmoriste gedkiste tjettjelem (cuo- 
celam). E. Arme krovehkem gelijem possju raikem pekta 
kalkem sardnet. Maje tjaka ge ficke goltte. Anne Momse 
(ruömse) kalles pjelje rohtziste moriten verdet possja njal- 
man votatella. Dille ahtzette njemmem pätah kolenne. Dem 
vojte nimte siekta meitten. I dilloge sardnh. A. E. Daita 
monnen lajpem. Etnebbe dojte. Rivest dem vuoss kerdam 
pueke gessa tjoppam monnen! monne itz pessam. Dem fihkje. 
Etnebben ketem beksa ketem dejne gekke lajpine djen tsesti 
Etnem sardna mu atjen nimmem. E. Hauh. P. P. raana mo. 
A. E. ff. Gop. pah le siett. E. Tjehpes Asen. Stalo le älge 
luotem. Alle me pardnem dohka vuelke. Elge Ednisse ke- 
tem tuoj ta tellah tähka tjolije. Hasmannen kätan tjanga. 
H. Tälla Pardne Ih den diste päte puosta geje rajkemb 
kuömme jokte kuossje päte tjetem. Itsim Ajiesse sardneje. 
A. Vattsidde vatsidde pejkatetidde (pikutete, lasset wissen). 
Sij vatse. St. Vattsidde kattsidde (kotöute, rufet) kuössem. 
Mo kajk. Dah kotsia sodne vadllde. A. Puorek Ajia. St. 
Buörest. Todne Ajietsje toh (todn) Nuppen siten ajve. A. 
Jabette Aja. Stalo stuöre sjeram tsiekkija (cehkije). St. 
Vatse Aijetse Pissema. tjöppeh kjietebbem koh Itse. Pahtse 
olgesse tjettjelle (öuo^ele). Stalon verje kudnedde. A. Aja 
manne dahkesn datte donjole nölemme. St Pissan Pn ba- 
nine. A. Aja masne date do spakkak njölem. P P buoenihe. 
A. Aja kosne dat Do kurtek nölem. St. Mam lä pist dat 
äpa dam monnom telpemene. Voji P P älge kokka kalken 
tsettselit U vuo — — — — — — — — — — 



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13 



Das letzte epische lied, welches v. Düben mittheilt, 
besteht eigentlich aus einer reihe weniger umfangreicher sa- 
gen (Fj ellner glaubt mehrere hunderte) allegorischen und 
mytischen inhalts, welche sich um die sonnentochter gruppi- 
ren und in welcher ihr lebensverlauf, ihre handlungen und 
viele damit in Zusammenhang stehenden episoden erzählt 
werden. Dahin gehört auch eine sage von der einwanderung 
der läppen aus südlicheren gegenden nach dem norden. Die 
meisten dieser sagen scheinen in einer poetisch behandel- 
ten prosa überliefert zu sein, einer form, die noch nicht die 
bestimmte gestalt eines streng gegliederten metrums ange- 
nommen hat. Zuweilen geht die erzählung in das auf vier 
trochäen basirte mass über. Leider konnte ich nur ein bruch- 
stück dieses umfassenden liedes nach Fjellners dictamen auf- 
zeichnen; er schien von der angestrengten arbeit in kurzer 
zeit zu müde um gleich mehr vortragen zu können, und meh- 
rere wochen konnte ich dort nicht bleiben. Das gedieht 
heisst Päive neita und spiegelt einen glauben wieder, der 
über einen grossen theil Lapplands verbreitet ist, das näm- 
lich derjenige, welcher unbemerkt der sonnentochter habhaft 
werden kann, dadurch auch ihre rennthierheerden und reich- 
thümer erhalte. Fjellner selbst glaubte einmal, auf einer 
fahrt Uber die berge in Herjedal, sie zu sehen. Es wurde 
nebel. Plötzlich hörte er schellen- und glocken-klang einer 
heerde und sah die hochgeschätzte maid auf einem stein 
sitzen. Er schlich hinter sie um sie in seine armen zu 
schliessen, aber — er umarmte einen stein, gegen den er 
seine Stirn stiess, und alles war verschwunden! Ich theile 
dies mit, um die macht der alten Überlieferung in den ge- 
müthern der läppen zu beweisen; war doch der erzähler ein 
mann, der jahrelang Schulbildung genossen hatte, obgleich 
das erzählte in seiner jugend geschah. Die sonnentochter 
wird auch zuweilen saivo neida die tochter der unterweit 
oder räna, ruona neida die grünliche, d. i. die frühlings- 
tocher, welche die berge grün bekleidet, genannt. 

Ein Übergang zu den mährchenhaften erzählungen, oder 
streng genommen schon zu ihnen gehörig, ist die in metri- 



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14 



scher form erhaltene kassa muodda der dickpelz. Die Va- 
riante, welche v. Düben s. 337 mittheilt, ist aus dem Tor- 
nio Lappmark; selbst habe ich in Sorsele zwei verschiedene 
Varianten derselben gehört, theilweise wenigstens metrisch. 
Die eine erzählte das 25 jährige dienstmädchen Anna Sara, 
welches von lappischen eitern geboren seit drei jähren im 
dienste meines wirthes m Sorsele war. In der zweiten sagt 
der jüngere söhn, als er sieht, wie der läppe um sich blickt: 
ahcam, ahcam, calme jollaret (= jorralet) vater, vater, das 
auge bewegt sich ! . Diese erzählung scheint über ganz 
Lappland verbreitet zu sein. Nach Fj ellner nannte man sie 
in Herjedal hissa muodda, eine form die man auch in Sor- 
sele gebrauchte. Linder theilt die erzählung in Läsning for 
folket XV, 3 s. 213 mit, und Friis gibt nach L. L. Liesta- 
dius eine sehr wenig abweichende Variante unter dem na- 
men Patto poadnje in seinen Lappiske eventyr og folkesagn 
s. 78 — 81. Auch 75 jährige Nils Jansson, der vor mehr als 
50 jähren als der erste ansiedier nach Soksjaur kam und 
vielfach mit läppen verkehrte, berichtete mir dieselbe ge- 
schiente; sie war auch in Arjeplog bekannt, wie mir Mört- 
sell erzählte. 



in. 

Die arten der lappischen poesie: epos mit mährchen 
und thierfabeln. — Sprichwörter und räthsel. 

Friis, welcher echt lappische mährchen und sagen nur 
in prosaischer form kennt, theilt sie nach dem hauptinhalt 
in drei arten: 

Die erste bewegt sich um mytische wesen oder enthält 
erinnerungen aus der alten götterlehre der läppen, in der 
form der sage Uberliefert. 

1. Bei Friis heisst diese zeile: pares Patto tjalmeh gal jilladek 
die äugen des alten Patto rollen. 



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15 



Die zu ehe art hat ihren grund in geschichtlichen ereig- 
nissen und behandelt zusammenstösse mit feindlichen volks- 
stammen in der vorzeit. 

Die dritte endlich schildert die eigenthtimlichkeiten und 
die verschiedene Sinnesart der thiere, gibt volksthümliche 
erklärungen Uber ihr besonderes aussehen, ihre färbe u. s. w. ». 

Unter den mährchen sind, wie Friis bemerkt, sehr viele 
moderne und nicht lappische, die von den umwohnenden 
Finnen, Schweden und Norwegern entlehnt sind. Dahin ge- 
hören ohne zweifei die vielen, welche von königen, prinzen 
und Prinzessinnen, schlossern u. s. w. reden. Zuweilen sind 
doch wohl auch diese benennungen in ältere mährchen einge- 
flochten. 

Mit einiger erweiterung kann man diese eintheilung fllr 
die lappische poesie überhaupt noch gelten lassen, was das 
epos betrifft. Zu der ersten, abtheilung, dem mytischen epos, 
gehört vor allem Päiven pärne und die erzählungen von Päi- 
ven neita, vielleicht auch einzelnes aus dem Pissan Pa§san 
pardne, das doch mehr ein historisches gepräge trägt. Die 
stalu-sagen gehören wohl auch zur ersten gruppe, besonders 
die in welchen von Saivo, Ha£öis-ädne und Njawis-ädne u. s. w. 
die rede ist. In den meisten fällen sind es aber rein mähr- 
chenhafte abenteuer, welche erzählt werden, und die sich 
von der höheren mytischen auffassung in derselben weise 
unterscheiden, wie ähnliche bei anderen Völkern. Die all- 
mälich eintretende prosaische auffassung zeigt sich aber auch 
hier, z. b. wenn man das fein poetische märchen von Njawis- 
ene bei Düben s. 331—334 mit den entsprechenden bei Friis 
Sprogprever s. 81—83 und 87—89, Eventyr s. 14—23, ver- 
gleicht. Eine noch geringfügigere fassung desselben mär- 
chens hörte ich in Sorsele erzählen; auch die namen der 
beiden mütter waren darin vergessen, man sprach nur von 
Stcdu. Dieser, welcher wesentlich mit dem riesen (jättenes, 
jäJUanas, jätanas) identisch ist, wird als ein plumper, men- 



1. Friis, Lappiske eventyr og folkesagn s. IX. Vgl. v. Düben, 
Lappland, s. 339. 



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16 

schenfressender mann geschildert, grösser als die Lappen. 
Zuweilen ist er einäugig oder blind; er wohnt entfernt von 
anderen, und hat oft grosse rcichthümer. Da er aber ein- 
fältig ist, wird er oft von dem schwächeren läppen betrogen. 
Sein weib heisst LttdaÖ, Lnhdaö (wanze), hat die gestalt 
dieses thieres, und wird zuweilen dadurch blind, dass sie 
ihre äugen unter der thttrschwelle verbirgt. Ihre feinde töd- 
tet sie mit einer eisenien röhre, durch welche sie ihr blut 
aussaugt 1 . Friis leitet den namen Stalu aus dem schwe- 
dischen stdl stahl, welches früher auch in die ausspräche 
stal lautete, und sieht in dem umstände, dass er zuweilen 
ein eisernes kleid trägt, einen beweis davon, dass er ur- 
sprünglich einen nordischen viking bezeichnete. In wie weit 
diese etymologie richtig ist, ist schwer zu entscheiden. 

Mehrere Verfasser haben stalu-sagen mitgetheilt, so 
Högström *, Laestadius 3 , Friis in seinen sprachproben und in 
der märchensammlung s. 73—110, sowie nach ihm v. Düben. 
In Sorsele habe ich mehrere selbst gehört, theils von Fjell- 
ner. theils von anderen; gewönlich stimmten sie mit den 
früher mitgetheilten Uberein. Ähnliche kommen in allen thei- 
len Lapplands vor. 

Zu der historischen gruppe gehören alle diejenigen sa- 
gen, in welchen die kämpfe mit umgebenden Völkerschaften 
geschildert werden. Gewöhnlich sind es Tschuden, die man 
meist und besonders im nördlichen Lappland als Karelier 
auffasst. Gegen Süden versteht man darunter die ersten 
eindringenden Schweden, so wenigstens in Sorsele, wo ihr 
name öftre = öüdc ausgesprochen wird; das wort bedeutet 
jetzt nur feind schlechthin. Auch die Russen werden mit- 
unter so genannt, aber auch die gewöhnlichen namen Karje- 
lah, Ruossa-cudeh werden gebraucht. Es ist sehr wenig ab- 
wechselung in dergleichen geschienten. Im norden beson- 
ders hat man Uberall verschiedene lokalitäten aufzuzeigen, 

1. Siehe v. Düben, Lappland s. 336. 

2. Pehr Hfigttröm, Beskrifning öfver de tili Sveriges krona ly- 
dande Lapmarker. Stockholm 1747 s. 184. 

3. P. Lattadiui, Journal II. Stockholm 1833, s. 482-46». 



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17 



wo der feind von dem schlaueren läppen entweder in einen 
brausenden Wasserfall oder in eine tiefe bergskluft hinunter- 
gestürzt wird, oder auch auf eine einsame insel gelassen, 
wo er mit seiner ganzen Schaar vor hunger stirbt, oder sonst 
durch allerlei hinterlistige kniffe ums leben gebracht wird. 
Högström 1 und Lsestadius * wie Friis 3 und andere thei- 
len viele solche sagen mit; Aslak Laiti hat mir ähnliche aus 
der Utsjoki gegend erzählt. 

Die dritte gattung war die von den läppen so geliebte 
thierfabel, an der er sich oft herzlich ergötzen kann. Friis 
hat in seiner Sammlung drei solche: der fuchs und der bär, 
der lachs und der barsch, die wilden und die gezähmten 
thiere 4 . Sie kommen doch in viel grösserer anzahl vor, 
gerade so wie unter den finnen. Unter den kürzeren liedern, 
die ich unten publicire, sind einige dieser art, oft wie v. Dü- 
ben bemerkt hat (s. 346) von epigrammatischer schärfe und 
gedrängtheit. Noch sind zu erwähnen Sprichwörter (sadne- 
vajasak) und räthsel (arcadusak), diese proben scharfer beob- 
achtung des Volkes, welche so ungemein häufig unter den 
finnen und esten vorkommen. Friis hat einige unter den 
sprachproben aufgenommen; ich drucke sie hier ab, weil die 
Sammlung die erste bisher bekannte ist und sein buch nicht 
leicht zu haben ist. Der dialekt ist der norwegisch-lappische: 

Sadnevajasak, Sprichwörter. 

1. Adde bädnagi ja gula baha sanid. — Gib dem hunde und 
höre schlimme worte. 

2. Buöreb lä cagar giedast, go buojde mäcest. — Besser ist 
ein häutchen (das magere) im hande, als das fette im 
walde. 

3. Buöreb lä bitta njalmest, go havve oajvest. — Besser ist 
eine ritze im munde, als eine wunde ain köpfe. 

1 Eögström, Beskrifning, s. 59. 

2. Loestadius, Journal II, 8 482 ff. 

3. Früt, Eventyr, 8. 110-131. 

4. Priii, Eventyr, s 1-13. Vgl. Sprogprever, s. 6, 47, 54. 

2 



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18 



4. Buöreb lä jode, go oro. — Besser ist fahren als bleiben. 

5. Dam olbmast läk ämbo juonak go suonak. — Dieser 
mensch hat mehr ränke als sehnen. 

6. Dat, gäst gukkek läk dolgek, allagassi girda. — Wer lange 
feder hat fliegt hoch. 

7. Galle gaddest visaj, go avest vahag sadda. — Wohl ist 
man auf dem strande weise, als schaden auf dem meere 
geschieht. 

8. Garranasa bäsest matta gavdnujuwut majda njußamonne. 
— Im nist des rabens kann es auch schwaneneier geben. 

9. Go Siegnalis lä öacce, de lä rukkas bodne. — Wenn das 
wasser tief ist, so ist der grund schlammig. 

10. Havske guojbme oaned malke. — Ein angenehmer be- 
gleiter verkürzet den weg. 

11. I goarpa goarpa calmi Suokko. — Der eine krähe pickt 
nicht die äugen des andern. 

12. I läk jakke jage viellja. — Das eine jähr ist nicht des 
anderen bruder. 

13. I sat häppad niära gaske. — Der schäm beisst nicht 
mehr seine wange. 

14. I sat oarre-gassa galloi baste. — Eines eichhörnchens 
klaue beisst nicht mehr seine stirn. (Er ist ausser sich 
vor freude oder sorgen). 

15. 1 bäjve nu gukke, atte igja i boade. — Der tag ist nicht 
so lang, dass nicht die nacht kommt. 

16. Ik galga calmetes gavpe dakkat. — Du sollst nicht ei- 
nen augelosen kauf machen. 

17. Loge visasa äi nakas sanigujm ovta jalla Sabmela^ain. — 
Zehn weise halten in Wörter nicht aus gegen einen thö- 
richten läppen. 

18. Oapes bahha lä buöreb, go ämäs buörre. — Ein böser 
freund ist besser als ein guter unbekannter. 

19. Ovce visasa äi buvte buoddot ovta jalla. — Neun weise 
können nicht einem thoren den mund zustopfen. 

20. Äi läk buok vielljak ovta ädne Si£id njammam. — Nicht 
alle brüder haben die brüst derselben mutter gesaugt. 



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19 

Arvadusak, Räthsel, 

1. Aleb go buok varek ja vuöllegeb go dagnasak? Bal- 
ges. — Höher denn alle berge und niedriger als das 
heidekraut? Ein fuss-stieg. 

2. Alo vagjol ja ucca noadas sälgest, mutto i vajbagoas- 
sege? Dorte. — Immer wandelt es und hat eine kleine 
bürde auf dem rücken, wird aber nicht müde? Der 
Spinnrocken. 

3. Audal go aEce lä bälledagos, de lä bardne vuovdest? 
Suovva. — Ehe der vater halbfertig, ist der söhn im 

. walde? Der rauch. 

4. Bäjve giddagasast, ikko luovos? Juölge-suorinak. — Des 
tages in kerker, des nachts frei? Die zehen. 

5. Färra ija bäjve, mutto i oa£o goassege smakko? Dimo, 
boccu bjällo. — Es haut nacht und tag, bekommt doch 
keine spänne? Eine glocke, rennthierglocke. 

6. Gawot guoros, gobmot dievva? Gapper. — Aufgewandt 
leer, heruntergewandt voll? Mütze. 

7. üi lä buok visasamus majlmest? Bismar. — Wer ist der 
allerweiseste in der weit? Schnellwage. 

8. Gierrag ald cuo£jo ja madda bajas od. gierra vuöllen, 
madda bagjen. Gussasäjbe. — Es steht auf dem gip- 
fel mit der wurzel oben, oder gipfel unter, wurzel oben. 
Kuhschweif. 

9. Gädge-juölge, arpo-ärtegak ja muorra-oajve? Nuötte. — 
Fuss aus stein, Seiten aus zwirn und haupt aus holz. 
Netz. 

10. Jabme gässa ellid vuovdest? Cokko. — Das todte zieht 
lebendige aus dem walde? Kamm. 

11. Jomfruva cokka aja gaddest ja lukka oajvest (od. luodko 
oajve)? Botka. — Eine jungfrau sitzt am rand der quelle 
mit hut auf dem köpf? Angelica (noch nicht ausge- 
schlagen). 

12. Lokketäbme ja vuodotäbme, njuoska biergo dadde dievva? 
Suormas. — Ohne deckel und ohne boden, doch voll 
von frischem fleisch? Fingerhut. 



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20 

13. Manna bejvid, manna ijaid, mutto i goassege uvsa gavdna? 
Dimo. — Es geht tage, es geht nächte, findet aber nie- 
mals die thür? Eine uhr. 

14. Mi lä dat, go ovta rajge cagna, golma rajge oktanaga 
itta? Olmus, mi beski cagria. — Was ist das, welches 
in ein loch hineingeht, in drei löcher aber auf ein mal 
sich zeigt? Ein mensch, der ein lappisches kleid anzieht. 

15. Mi ßakka sappan bossi, ige sate jorgalet vuovsa basist? 
Soabbe. — Was hat räum in einem mauseloch und kann 
sich nicht wenden in einem ochsenstand? Ein stab. 

16. Mi dat lä, mi jokki manna bäsadet ja guodda siskelu- 
said vissui? Guödda. — Was ist das, welches zum'fluss 
geht um sich waschen und trägt die eingeweide nach 
hause? Ein eimer. — (Friis hat guodda = verlässt). 

17. Mi lä ellid dat, mi lä olbmui buok lägamusta? Dikke. — 
Was ist das lebendige, welches dem menschen am näch- 
sten ist? Ein laus. 

18. Mäce cada vagjol ja säjbes mäccai lappa? Nallo. — Es 
wandert durch den wald und verliert den schweif im 
walde? Ein nadel. 

19. Njalrain bona, niskin bajka? Häval. — Speist mit dem 
munde, gibt von sich mit dem nacken? Der hobel. 

20. Njällja oabaä guvlek ovta roggai? Goattebälljek. — Vier 
geschwister gucken in ein loch ? Die spitzen der Zelt- 
stangen. 

21. Oajnak galle, mutto gidda ik fatte? Suovva. — Du siehst 
es wohl, kannst es aber nicht fassen? Der rauch. 

22. Okta gäöca vuölas ja cacce golga vuösta-luökkai? Hästa 
go jukka. — Einer sieht hinunter und das wasser iiiesst 
die hügel hinauf? Ein pferd, welches trinkt. 

23. Olmaj färko ja smakkok gacadek, ige gullu? Muotta. — 
Ein mann haut, die spähne fallen, und man hört nichts ? 
Der schnee. 

24. Ouda-gä&te dego gagga ja gasko dego farpal ja manna- 
gäc"ce dego suopal? Hästa. — Das vorderende wie ein 
fässchen, die mitte wie eine tonne und das hintertheil 
wie ein besen? Das pferd. 



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21 



25. Roakke bajas. roakke vuölas ja mokke gasko? Skirtek. 
— Ein haken aufwärts, ein haken unterwärts und eine 
biegung in der mitte? Eiserner haken auf welchem topfe 
über das feuer gehangen werden. 

26. Skarfa girda rasta ave, vüräk sojin gojkuk? Vänas, go 
sukkek. — Ein seerabe fliegt über das meer, blut träuft 
von den flügeln? Ein kahn, welchen man rudert. 

27. Cappis hästa njolgasta ija bäjve, äige ajsak goassege 
likkad? Dädno. — Ein schwarzes pferd trabt nacht und 
tage, aber die fimmelfäustel bewegen sich niemals? Ein 
fluss. 

28. Cuödejakkasas boadnje ja oajve ijabirrasas boares? Jalg- 
nes. — Hundertjähriger mann und das haupt eine nacht 
alt? Der baumstubben, auf welchem frischer schnee liegt. 

29. Ucee dego monne, nnrtto vägjemättos dadde bodnai gäc- 
cat? Olbmu vajbmo. — Klein wie ein ei, doch unmög- 
lich darin den grund zu sehen? Das menschenherz. 

30. Äjdo luossa-fiermo-arpo gaseb, mutto bäjve i oajne goas- 
sege? Muorra-vajmos. — Kaum dicker als der zwirn 
eines lachsennetzes, aber das tageslicht sieht es doch 
nie? Das mark der bäume. 



IV. 

Lyrik. 

Die lyrische poesie der läppen ist nicht so vollkommen 
ohne werth, wie manche es gedacht haben und wie auch 
v. Düben meint; er nennt alle lieder die er gesehen gerade 
aus abgeschmackt (Lappland s. 321). Dies harte urtheil 
rührt wohl daher, dass er nur wenige gekannt hat; drei 
solche ziemlich trockene theilt er mit. Und doch sind die 
zwei ältesten, welche schon lange in der poetischen literatur 
eingang fanden, von lebendigem schwung und zarter empfin- 
dung. Wie das Volkslied im allgemeinen sind auch die lap- 



22 



pischen Improvisationen, ausdruck des augenblicklichen ge- 
fühls, bald traurig, bald jubelnd, bald von zorn oder miss- 
stimmung erfüllt. Zuweilen enthalten sie naturschilderungen, 
erzählungen von abenteuern, jagdereignissen, Streitigkeiten, 
freiereiztige u. s. w. oder schildern in einfachen strofen das 
leben der thiere. Dass in ihnen überhaupt kein höherer 
geist athniet, kann wohl bei einem geringen polarvolk nicht 
befremden; sind doch beinahe alle anstrengungen des gei- 
stes und des körpers darauf gerichtet, das leben durch alle 
vorhandenen mühseligkeiten zu erhalten. Die genannten zwei 
lieder wurden schon vor zweihundert jähren von einem ge- 
borenen läppen Olof Sirma vorgetragen und von Scheffer 
publicirt, und zwar in original und Ubersetzung ! , die ersten 
originale die es bisher überhaupt gegeben. Herder nahm sie 
in seinen „Stimmen der Völker" unter den namen: „braut- 
lied u und „an das rennthier" auf, und in dieser weise fan- 
den sie öfters in poetischen Sammlungen aufnähme. Das 
zweite hat der dichter Franzen (aus Finnland gebürtig) in 
seinem sehr geliebten und gesungenen liede in schwedischer 
spräche: „Spring min snälla ren" nachgebildet. Ich habe 
sie an die spitze der lyrischen lieder gestellt und, da die 
ortografie sehr verworren und die fassung auch sonst unver- 
ständlich ist, eine transscription im Utsjoki dialekt mit hül- 
fes des lappisch geborenen Aslak Laiti herzustellen versucht. 

Die läppen nennen ihre kleinere lieder vuole und be- 
gleiten sie mit einer melodie, welche sehr monoton und da- 
her auch, wie ich selbst aus eigener erfahrung bezeugen 
kann, wenig anziehend ist P. Laestadius nennt diese melo- 
dien ausdrucksvolle naturlaute, welche fremden ohren ge- 
wöhnlich höchst unangenehm klingen, obwohl sie, von guten 
stimmen gesungen, nicht ohne eine gewisse anmuth sind*. 
Der russische Verfasser Dantschenko, der im sommer 1873 
eine reise nach dem russischen Lappland machte und dar- 
über einen bericht in der zeitung Golos veröffentlicht hat, 



1. Seheffer, Lapponia, 8. 282—284. 

2. v. Düben, Lappland, 8. 318. 



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23 



äussert sich überhaupt sehr günstig über die lappische dicht- 
kunst; er gibt in russischer Übersetzung proben solcher lie- 
der, um zu zeigen wie ein allgemein menschliches gefUhl in 
anmuthiger form sich auch unter den läppen offenbaren kann. 
Das folgende lied wurde von dem rüderer des reisenden, 
einem jungen lappenmädchen, bei einer fahrt Uber den Iman- 
dra-see gesungen. Ich gebe es hier deutsch und metrisch 
wieder, da man aus der russischen Übersetzung beinahe mit 
nothwendigkeit, nach analogie der finnischen lieder, die ver- 
schiedenen strofen herauslesen muss: 1 

Kam zu mir ein alter fischer, 

Reicher fischer von dem Murd-see, 

Goldne-netze mit er brachte, 

Netz aus gold und netz aus silber. 

Höre mich, o mädchen, sprach er, 

In dem netz will ich dich fangen, 

In dem silbernen, dem goldnen. 

Führ' dich dann weit in die ferne, 

Hinter jene berge, in dem netze, 

In dem silbernen, dem goldnen. 

Laut ich lachte aus den fischer, 

Dass man's hinter den bergen hörte: 

Alter fischer, kamst zu spät schon, 

Reicher fischer, mit dem netze, 

Mit dem silbernen, dem goldnen. 

Er schlug fehl dein guter fischfang 

Und den fisch du liessest fahren. 

Lange schon ist er gerathen 

In ein andres netz, das fesselt, 

Nicht dein silbernes, dein goldnes, 

In ein netz aus hanf gewunden. 

Doch nicht du hast ihn gefangen, reicher fischer, 

Nur ein armer jüngling war es. 

Es ist in ton und auffassung ganz ein nebenstück zu 
dem in Kalevala vorkommenden liede, wo Wäinämöinen alle 



1. Siehe die russische zeitung „Golos" N:o 301 für VI Nov. 1874. 



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24 



mühe anwendet um die schöne Aino als braut heimzufuhren 
und zuletzt, obwohl vergeblich, seine netze hin und her im 
meere zieht, um den schönen fisch zn fangen. Nach der an- 
gäbe Dantschenko's werden ähnliche und andere lieder bei 
hochzeiten, anderen feierlichkeiten und talko's (arbeitsgela- 
gen), ja auch bei der fahrt in raido (einem langen zuge von 
lappenschlitten nach einander) im russischen Lappland ge- 
sungen. Sie sind also in grosser menge vorhanden, über 
ganz Lappland verbreitet, obwohl die läppen selber sehr un- 
gern einem fremden etwas vorsingen wollen. Diese ihre 
scheu ist so gross gewesen, dass Friis und viele andere for- 
scher von diesen Hedern nichts gewusst haben. Ein zweites 
lied ist folgeuden inhalts: 

Auf die hohen berge ging ich, 

Zog hinauf zum rennthierjagen. 

Fällte eins mit pfeil aus eisen, 

Und das eisen fest sich bohrte 

In das heisse herz des thieres. 

Augenblicklich fiel das rennthier 

Auf dem schnee und lag beweglos. 

Nahm das thier auf meinen Schulter 

Brachte es hinein zum dorfe, 

Dort die weiher schnitt ich beide, 

Schnitt sie los und warf verächtlich 

In den see die stolzen weiher. 

Auch die hufen schnitt ich alle, 

Schnitt und warf sie in die wellen. 

Nur den körper nahm ich mit mir 

Zu den eitern in der hütte, 

Und das fleisch das gab ich ihnen, 

Nur das heisse, warme herzchen 

Gab ich freudig meinem mädchen. 
Da Herr Dantschenko seine ganze Sammlung lieder 
noch nicht publicirt hat und offenbar nichts in der original 
spräche aufgezeichnet hat, habe ich die obigen hier als pro- 
ben eingenommen. Was die übrigen lieder betrifft, die ich 
unten in original mittheile, geben die hinzugefügten anmer- 



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25 

klingen in jedem einzelnen falle auskunft über den mitthei- 
ler und aufzeichnen Mehrere darunter zeichnen sich durch 
naive frische und poetische auffassung vortheilhaft aus. Wie 
aus den anmerkungen hervorgeht sind drei kleinere strofen 
schon 1832 von C. A. Gottlund in seinem Sammelwerk Otava 
gedruckt. Fünf lieder aus Utsjoki im nördlichsten Finnland 
sind schwedisch in der Zeitschrift „Fosterländskt Album" von 
dem als kenner des lappischen und Übersetzer eines theils 
des evangelium Matthaci ins lappische bekannten probst Ja- 
kob Fellman in Lappajärvi im Jahr 1847 veröffentlicht wor- 
den l . Kurz vor seinem tode in märz monat laufenden jah- 
res hatte er die güte mir mehrere lappische manuscripte zur 
benutzung zu senden. Es waren darunter zwei von beträcht- 
licher länge, beide mehr als 200 versen, das eine suola der 
dieb, das andere kaskias raukki juoigam das lied des elen- 
den Kaskias, betitelt. Sie sind beide so prosaisch wie es 
nur denkbar ist; wegen des oft leicht fliessenden und formell 
regelrechten metrums habe ich doch das eine ganz und aus- 
züge aus dem zweiten aufgenommen, um damit das Vorhan- 
densein metrischer lieder auch anderswo in Lappland als an 
der geburtsstätte des Päiven parne zu beweisen. Fellman 
war pastor in Utsjoki und Enare vom jähr 1819 — 1832 und 
hatte darunter gelegenheit sich mit den läppen und ihren 
Verhältnissen vertraut zu machen. Seine kenntnisse legte er 
in eine menge abhandlungen nieder, die in verschiedenen 
Zeitschriften veröffentlicht worden sind. 

Unter den übrigen Uedem meiner Sammlung sind die 
mit den namen surgo vuolle, samim jelem und Suonga vuotte 
von Düben schwedisch veröffentlicht. Ich verdanke sie, wie 
auch Vedde karin wolle und biren molk, der güte des heim 
J. U. Grönlund in Stockholm, welcher sie nach dem Vortrag 
eines 15 jährigen mädchens in Wilhelmina Lappraark schon 
am ende der vierziger jähre aufgezeichnet hat. Die spräche 
dieser lieder ist mit vielen schwedischen Wörtern gemischt, 
und auch in der form unterscheiden sie sich von den übrigen. 



1. Fosterländskt Album. III. Helsingfors 1847, s. 65-69. 



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26 



Ganz eigentümlicher art und noch innerhalb der heid- 
nischen anschauungen sich bewegend ist ein gesang, den ich 
unter den handschriften Castros in der hiesigen universi- 
tätsbibliotek gefunden. Es ist gewissermassen ein beschwö- 
rungslied gegen feindliche leute, welche einen anfall auf die 
hütte des Sängers gemacht haben, und seine weide und jagd- 
plätze einnehmen wollen. Der Sänger schildert dann, wie 
diese feinde allerlei kostbarkeiten, gold und Silber, welche 
er der sitte gemäss um seinen steingötzen gesammelt hat, 
weggenommen. Nichts hat geholfen, obwohl man dem göt- 
zenbild rennthierhörner und bärenknochen geopfert und ihn 
mit bären- und rennthierfett geschmiert. Er entschliesst 
sich daher einen anderen wohnplatz aufzusuchen und dort 
einen anderen stein zum gott (götzenbild) zu wählen. Wenn 
der feind sich dann wieder nähert, so wird man ihn mit 
pfeilen, die knochen an der spitze tragen, empfangen und 
so den neuen jagdplatz vertheidigen. — Caströn hat nicht 
notirt, wo und wann er dieses lied aufgezeichnet hat oder 
von wem er es bekommen. Der spräche nach nähert es sich 
doch ziemlich dem im nördlichen Finnland gesprochenen dia- 
lekt, muss aber alt sein. Die ganse aufFassung ist rein lap- 
pisch und man erzählt von vielen läppen während der heid- 
nischen zeit, dass sie ihre steingötzen gepeitscht haben, 
wenn sie in gefahr oder noth keine hülfe von ihnen erfuhren. 

Schliesslich muss ich hier noch der so genannten bä- 
renlieder erwähnen. Scheffer berichtet nach angaben von 
Samuel Rheen und anderen ziemlich ausführlich Uber die 
bärenjagd und die lieder, welche bei solcher gelegenheit ge- 
sungen werden K Von dem Wortlaute der gesänge gibt er 
doch nur einzelne ausdrücke, so z. b. wenn der bär getöd- 
tet ist, singt man: Tdttulis puorra! kittulis t skäda sobbi jella 
sajiti vielen dank, du guter, dass du weder stab noch spiess 
geschadet hast 2 . Aus" seiner darstellung ergibt sich, dass 

1. Seht/er, Lapponia, s. 232-242. 

2. Ich füge hier aus Scheffers Lapponia 8. 233—242 alle die lap- 
pischen strofen bei, welche zu dem dort beschriebenen bärenlied ge- 
hören. Die erste war die oben angeführte: kittuli* pourra, kütulu ü 



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27 



der könig des waldes von den läppen mit eben so vielen 
ceremonien und gesängen gefeiert ward wie bei den finnen. 
In dem kurzen bericht, welchen Gabriel Tuderus Über die 
bekehrung der Sodankylä-lappen erstattet hat, theilt er ein 
bruchstück eines solchen bärenliedes mit, das also aus dem 
jähr 1669 stammt 1 . Friis, welcher es merkwürdig genug als 
lappisch ansieht, gibt davon eine Ubersetzung in seiner my- 
tologi, obwohl er die spräche verworren und in dem liede 
mehr finnische als lappische Wörter findet 2 . Bei näherer 
Untersuchung findet man doch gleich, dass dies als lappisch 
bezeichnete liedchenfragment, obwohl verstummelt, vollkom- 
men dasselbe bärenlied ist, welches bischof Bäng in seiner 
kirchengeschichte als probe der volkstümlichen dichtung im 
mittleren Finnland veröffentlichte s . Die ausführliche dar- 

* 



ikada, snobbi jalla Zaiiti. Wenn man ihn zur hütte bringt, singt man 
auf dem wege: n paha talki oggio, ii paha talki pharanis er mag kein 
schlechtes wetter aufkommen lassen. Bei der ankunft bittet man die 
weiber: Imbi ja tuoli suseo erlenrinde zu kauen. In die hütte gekom- 
men sinken die weiben: HttuHs pouro toukorit, und die zwei läppen, 
welche fleisch in die hütte der weiber bringen: olmai potti Su«rigü- 
landi, Polandi, Engslandi, Frankichü mann er kamen aus Schweden &c; 
die weiber wiederholen es und fügen hinzu: kalka koubsis laigit touti 
tiadnat wir werden um ihre beine rothe bänder binden. Mit verbun- 
denen äugen suchen dann die weiber mit pfeilen nach dem feil des 
bären zu schiessen. Sie singen dabei: bau olmai kuUi Suorigislandi &e. 
potti, kalka vuooki mit pfeilen schiessen wir ihn, welcher gekommen 
ist aus &c Nach verlauf von drei tagen müssen die männer um das 
feuer laufen und dann hinaus. Dabei singen die weiber: todna kalka 
kaino oggio du wirst einen Schöpflöffel asche auf deine beine be- 
kommen. — Die aufzeichnung ist sprachlich fehlerhaft. 

1. Siehe : Tva berättelser om Lapparnes omvändelse. Stockholm 
1773, s. 15. 

2. Friis, mytologi, s. 160. 

3. Petrus Bäng, Priscorum Sveogothorum ecclesia. Abose 1675. 
(Vgl. J. Krohn, Suomenkielinen runollisuus Ruotsinvallan aikana Hel- 
singissä 1862, s. 68). Später auch von Morhof 1682 in: Unterricht von 
der Teutschen spräche und poesie, veröffentlicht. Tuderus sagt wohl 
ausdrücklich, dass der läppe, nachdem er den bären geschossen und 
zum dorf geholt hat, ihn mit diesem gesang verehrt; die Überschrift 
bezeichnet sie aber als finnisch. Um jeden zweifei zu heben, füge ich 



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Stellung bei Scheffer. durch genuin lappische ausdrücke be- 
stätigt, nebst anderen Beden derselben art, welche später 
unter den läppen gesammelt worden sind, beweisen doch 
vollkommen, dass sie auch unter den läppen lange gang und 
gäbe gewesen sind, obgleich die geistlichen sich alle mühe 
gegeben haben, ihnen solche .grobe sünde" zum bewusst- 
sein kommen zu lassen und deshalb zu vertilgen. Dass man 
sie daher jetzt nicht mehr in derselben Vollständigkeit ha- 
ben kann, wie sie im 46 gesange der Kalevala vorkommen, 
ist leicht zu erklären. Unter den von Grönlund in Wilhel- 
mina aufgezeichneten Hedem ist doch eins dieser art. 

Ohne zweifei hatten die zauberer (noxUUk) viele lieder, 
deren sie sich bei anwendung der zaubertrommel bedienten. 
Sie müssten doch mit dem gegenstände, der überall wo sie 
ihn fanden von den geistlichen verbrannt wurde, und durch 
den hass, welchen sie gegen dieses instrument als ein Werk- 
zeug des bösen bei den läppen selbst anschürten, verloren 



die beiden fragmente hier neben einander. Pertos wird wohl peit- 
tees' sein: radej ist aus dem schwedischen entlehnt 



Bei Tnderus: 



Bei Bang: 



Mälsen dyris voitetu 
Tuo meil tanta tarfventa 
Aitan vastan salhitie 
Tno tuhatta tulesaya 
Sata sata salihiri, 
Julki Tulin Jumalista 
Kaosa Salin iloisesta 
Jocailman ihmet vaivat 
Annon andoi rahan radej 
Cosca tulen kotihin 
Kolmeyotä inlon pidan 
Lapä Laxot rewret varat 
Aja paha edällänsä 
Bertas tali viela pentos 
Cunnioitan sua jälistänsä 
Vuosi vicadell salihisi 
Ethan urihok Oiken virret 
Sita vast viel tonsti tulla. 



Medzan dyris voitettu 
Tuo meil tayttä terveytta, 
Aitta vastan saalihita 
Tuo tuhatta tullesassa 
Saata sata saalihixi. 
Julki tulin Jumalista 
Cansa saalin iloisesta, 
Joka ilman, ihmet, vaivat 
Annon andoi, rahan radei. 
Cosca tulen kotihin 
Colme yöta ilon pidan. 
llos tulin, ilos lähdin 
Läpi laxo, vuoret, vaarat, 
Aja paha edelläusä. 
Pertos tuli Päivftn tulo. 



Päivä tule vielÄ pertos 
Cunnioitan sua jälistänsa 
Vuosi vuodell saalihixi. 



Etten unhoids Ochton virren 
Sita vast viel toisti tulen. 



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29 

gegangen sein. Eine andeutung solcher gesänge habe ich 
unter den liedern aufgenommen. Es ist ein stück aus einer 
sage, worin erzählt wird, wie ein Fjäll-lappe eine zauber- 
trommel unter einem stein findet. Er legt sie zurecht und 
fängt an sie prüfungs weise zu schlagen. Die hier unten mit- 
getheilten strofen sind nach einer volkssage von dem volks- 
schullehrer A.. Heiander, selbst als läppe geboren, in Uts- 
joki aufgezeichnet. Sie sind wohl äusserst prosaisch und 
zugleich modern, ich habe sie aber mitgetheilt, weil die er- 
innerung an die zaubertrommel schon ziemlich allgemein er- 
loschen ist. 

Fj ellner erzählt, dass er Kassa muodda, einzelne theile 
aus Päiven neita und auch andere sagen so ausführen gese- 
hen, dass verschiedene personen in der gesellschaft jeder 
eine im liede vorkommende rolle übernommen und diese mit 
wort und geberden ausgeführt haben. Dies geschah theils 
als spiel, wie in der einleitung zu Kassa muodda angegeben 
wird, theils bei den gerichtsverhandlungen, wovon im Pissa- 
gesang die rede ist. Dies wäre also der wahre und volks- 
thümliche anfang des dramas. Es sollen doch auch lieder 
mit wirklichem dialog und dramatischer haltung nach Fjell- 
ner vorkommen, obwohl sie jetzt nur in bruchstückeu unter 
dem volke vorhanden sind l \ keine proben solcher sind auf- 
gezeichnet. 

v. 

Das metrum. 

Um das in den lappischen liedern gebrauchte metrum 
besser zu verstehen, ist es nöthig das hauptsächlichste aus 
der finnischen metrik hervorzuheben. 

Der hochverdiente Porthan war der erste, welcher auch 
diesem gegenstände eine ausführlichere aufmerksamkeit wid- 



1. v. Dabm, Lappland, s. 338. 



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30 



mete in seiner abhandlung De Poesi Fennfca, Aboa 1766 — 
177 S. Er fand, dass das runometrum aus vier trochäen auf 
grundlage der qvantität aufgebaut war, obwohl in etwas ver- 
schiedener art als bei den Griechen und Römern. In seiner 
vorrede zur ersten aufläge der Kalevala (1835) setzte Lönn- 
rot die quantitatsverhältnisse des finnischen Verses genauer 
auseinander; Ahlqvist aber hat in seiner vortrefflichen ab- 
handlung über die Finnische metrik aus sprachlichem Stand- 
punkte 1 den gegenständ noch mehr eingehend behandelt. 
Wie Lönnrot hebt er die grosse bedeutung der caesur für 
die finnische poesie hervor, dieses rythmischen bandes, wo- 
durch die einzelnen versftisse näher mit einander verknüpft 
werden und eine eigenthümliche, anziehende Schönheit der 
sprachlichen form gewonnen wird. Während aber die klas- 
sischen sprachen die caesur so behandelten, dass der arsis 
immer eine der quantität nach lange silbe entspricht, wer- 
den im finnischen metrum durch die caesur eben die kurzen, 
unbetonten silben als lang gebraucht (s. 23). Dagegen wird 
die mit dem haupttone versehene silbe oft in die thesis ge- 
stellt, sie darf aber dann nicht lang sein, mit ausnähme des 
ersten versfusses. Mit einem worte, bei der caesur im finni- 
schen metrum werden die Wörter so vertheilt, dass der wort- 
accent von dem rythmischen unterdrückt wird (s. 20). 
Einige beispiele zeigen dies sehr deutlich: 

Jö ve-|rf su-|ästa | vüoti, in der gewöhnlichen 
rede Jö v£ri süasta vüoti; 

Mf lie-|n6e La-|pfssa j mfestä = 

Mf lfenee Läpissa mfestä; 

Me*tso-|lan me-|tfnen 1 müori; 

Mften |ölla | küin e-jteä. 
Eine art weichere caesur kommt in vier- und sechssil- 
bigen Wörtern vor: Uho-tellen tappe-lusta. — Tuli tunte- 
matto-mana. Im ersten versfuss können ohnedies die zwei 
silben beliebig kurz oder lang sein, doch tritt sehr selten 



i. Aug. E. Ahlqvut, Suomalainen runous-oppi kielelliselta kan- 
nalta. HeUingisaä 18Ö3, s. 1-32. 



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31 



der fall ein, dass ein wprt wie avaa gebraucht wird. Dieser 
erste trochäus kann auch von einem dactylus oder vier kur- 
zen silben ersetzt werden: Susi et syö minun sukua; Surnia 
jo suutansa avavi; kolme oli neittä niemen päässä. In dem 
vorletzten beispiele zeigt sich eine eigenthttmlichkeit, auf 
die Lönnrot aufmerksam gemacht hat, dass nämlich unbe- 
tonte, durch position lange silben unbestimmt (ancipites) 
sind, wenn sie nach einem langen vokal stehen; daher hier 
süutän. 

Wenn wir nach diesem vorbilde den in metrischer hinsieht 
ausgebildetsten der lappischen gesänge, den Päiven pardne, 
prüfen, so finden wir wohl, dass er im allgemeinen ebenso wie 
die finnische runo auf die grundlage der vier trochäen aufge- 
baut ist. Einerseits ist aber das metrum nicht so streng durch- 
geführt, wie im finnischen und auch die quantitätsregeln sind 
mehr nachlässigt. Ich hebe einiges hervor. Um das metrum 
vollständig zu machen, müssen zuweilen einige strofen so 
gelesen werden, dass man aus einer silbe zwei macht, wie 

Vaimupakcasin tu-olgim 

Ti~e täl varrama' vamce\ 

Öoukasln *ji-aöa läjin. 
Richtiger ist es doch das metrum als dreifüssig anzu- 
sehen, wie in den folgenden Zeilen, wo eine oder mehrere 
silben fehlen, die nicht ersetzt werden können: 

Päiven paitejen skerrun. 

Cumma-cuölmait ßuölinad 

Pärne'pa pötein pütuist 

Jahn am jauhkasahta, 

Päruit paiskasahta. 

Nalne somattin morssem, 

Unnoi olmuöen ütan. 
Dagegen gibt es auch strofen, welche mit zwei silben 
vermehrt sind, z. b. 

v. G8 Sälahaisn, juokuisn nalmebälastallin 
und 189 Avageijan ältu' cuöppadallim, 
wenn man nicht hier einen viersilbigen versfuss, dessen erste 
silbe lang wäre, als ersten und dritten annehmen will. 



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32 



Nicht nur der erste versfussf sondern auch der dritte 
haben ziemlich oft ihren trochäus gegen einen daktyl ausge- 
tauscht, auch der zweite nimmt daran antheil, ja sogar der 
vierte: 

Poddusisu pärne' lien tülen, 
so auch v. 40, 160, 174. 
Mara-kaise kovvaides kähce, 

und 11, 20, 21, 98, 102, 161. 
Polpit poihturit pätertahta, 
und 38, 121, 159, 172. 
Höla, hüniaha\ pärun paukasa\ 159. 
Wie die zuletzt angeführte strofe sogar zwei daktylen 
zeigt, so stehen im vers 175 zwei solche neben einander: 

Läkus vadnases päggabcm väre, wenn man nicht auch 
diesen vers als mit zwei silben Überzählig betrachten will. 

Was die rythmische betonung betrifft, so hebt sie wie 
im finnischen den wortaccent auf: eine kurze silbe ohne ac- 
cent wird als lang behandelt: So gleich am anfaug Neita' J 
Im vä-.nesa' | olmait; Eine \ Ii nam-|matam | kuöttams. Die an- 
dere bedingung, dass eine mit dem haupttone versehene 
silbe, in die thesis gestellt, kurz sein muss, wenn sie sich 
nicht im ersten versfuss befindet, ist aber nicht erfüllt: Var- 
rai-|tas vuo-|cotam ] akti ; alle-;len päi-|ven ja | mänun: Kuh 
kal-|les ked-|kamems | cekcai. Solche Wörter wie poddusisu, 
sälahaisn, valnasin, valnascnts, neitavuots werden als dakty- 
len gebraucht. Durch alle diese freiheiten in der formellen 
behandlung der spräche wird der freie fluss des liedes gleich- ■ 
sam gestört, es herrscht nicht ganz der wechselnde Wohl- 
klang des finnischen liedes, es gleicht mehr einem hervor- 
stürzen über den unebenen boden der wildniss. Die häu- 
figere anwendung des daktyls gibt doch dem verse einen 
leichteren gang. 

W T enden wir uns zu dem zweiten epischen liede, so fin- 
den wir überhaupt dieselben regeln bei der behandlung des 
verses wieder, nur ist die zahl der versfüsse weniger be- 
stimmt als in dem vorigen. Ein oder zwei füsse vermehren 
oft die gewöhnlichen vier, oft sind deren nur drei oder be- 



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33 



sonders bei einer frage zwei. Die daktylischen versfüsse 
kommen noch mehr in anwendung, wohl auch ein viersilbiger 
fuss, dessen erste silbe lang ist (paon primus) wie : Fidncdan 
le \ rieksak, äldun Je \ sarva. Kassa muodda ist der metri- 
schen form nach regelmässiger, doch kommen auch darin 
mehrere strofen von nur je drei füssen vor. 

Nach Fjellner hätten die lappischen mährchen und sa- 
gen fast immer diese metrische gestalt gehabt, sowohl dess- 
halb, weil die spräche ihrer natur nach sich so leicht in das 
trochäische mass fügt, wie auch um besser im gedächtniss 
behalten zu werden, v. Düben erzählt, dass er während 
einer längeren fusswanderung an den raststellen eine lappi- 
sche „Reineke Fuchs u -sage in diesem metrum vorgetragen 
gehört. 1 Es fragt sich aber nun, ob auch die läppen in 
früheren Zeiten sich desselben strengeren metrums bedient 
haben, welches in den finnischen liedem obwaltet, und erst 
durch eine allmälich eintretende lockerung oder, wenn man 
so will, Verschlechterung der poetischen form zu dem ge- 
genwärtigen gekommen sind, oder ob sie sich überhaupt zu 
jenem festeren strofenbau gar nicht erhoben haben. Mir 
scheint die zweite alternative die wahrscheinlichere zu sein. 
Denn abgesehen von den Hedem aus Wilhelmina Lappmark, 
welche offenbar moderner sind und von den übrigen auch 
der form nach abweichen, 2 zeigen alle übrigen lieder das- 
selbe schwanken zwischen 2—0 versfüssen, mit häufiger an- 
wendung der daktylen auch anderswo als im ersten fuss, 
welches das charakteristische für die epischen gesänge war. 
So ist auch das verhältniss in Morse faurog und hdnasatz, 
die schon mehr als zweihundert jähre alt sind. Nehmen wir 
einzelne stellen aus den märchen, welche metrisch auftreten, 
während die erzählung sonst in prosaischer form dahinfliesst, 
so bewährt sich dieselbe auffassung. In dem märchen von 



1. v. DüUn, Lappland, s. 338. 

2. Noaidi kovdat ist von den 
man die melodie dazu hätte, könnte 
metrum erkennen. 



übrigen sehr verschieden. Wenn 
man es vielleicht als dreifüssiges 



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34 



Acceöan niejd* sagt der bruder zu seiner ins meer gesunke- 
nen Schwester: 1 



Wenu man hier nun auch anders vertheilen könnte und 
vier versfüsse mit einander vereinigte, so würden doch zwei 
füsse allein bleiben. Ja man könnte in dem umstände, dass 
auch der dritte versfuss so häufig gegen einen daktylus aus- 
getauscht wird, eine andeutung sehen, dass das metrum ur- 
sprünglich nur aus zwei versfüssen bestanden hat. Deut- 
licher noch zeigt sich die freie behandlung des verses in 
anderen bruchstücken : 
Ale boalde Brenne nicht 

njammam nji^afidad! Deine brtlste welche man gesäuget hat! 
Ale boalde baCcad! Brenne nicht deinen knaben! 
Gälle mon jo dittim, Ich wusste es schon genugsam, 
basse varas duökken Hinter dem heiligen berge 
don läk ällam! 2 hast du gelebt. 

Das angeführte durfte genug sein um zu beweisen, dass 
das lappische volksgedicht seinen eigenen weg zur entwick- 
lung gefolgt hat, nicht durch nachahmung des finnischen lie- 
des entstanden ist. Oder sagen wir lieber, es hat nur un- 
vollkommen den gemeinschaftlichen märchenschatz der finni- 
schen Völker weiter bearbeitet und ihn auf grundlage der 
ursprünglich einheitlichen auffassung zur höheren form erho- 
ben. Denn dass es eine art volkstümlicher poesie gab we- 
nigstens unter den zum finnischen zweige gehörenden Völ- 
kern, ehe sie sich von einander trennten, das lässt sich mei- 
nes erachtens nicht mehr bezweifeln. Wir werden diesen 
umstand in der folgenden abtheilung noch näher besprechen, 

1. Friit, Sprogprover s. 88, eventyr s. 16. In den sprachproben 
rereinigt er die zwei ersten zeilen zu einer, in den marchen trennt 
er sie aber von einander. 

2. Friit, Sprogprover s. 34 



Boade gaddai! 
Mannat Eierro, 
Gussat mäkko, 
Boade gaddai! 



Oabbacamaj, 



Liebe Schwester, 
Komm zum strande! 



Dein kind weint, 
Deine kuh brüllt, 



Komm zum strande! 



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35 



hier will ich nur auf die Uberraschende ähnlichkeit in der 
form der lappischen lieder mit derselben in den wenigen 
bruchstücken syrjänischer gediente, die zu uns gekommen 
sind, aufmerksam machen. Sjögren theilt in seiner abhand- 
lung über die Syrjänen zwei proben einer art poetischer 
Spielerei unter den kindern mit, um wenigstens die form an- 
schaulich zu machen. Sie sind wahrscheiidich schon sehr 
alt, denn auch den gründlichsten kennern der syijänischen 
spräche sind viele Wörter unbegreiflich geblieben. Nach Sjö- 
grens aufzeichnung lauten sie: 1 

I. 

Ögödym ögödym 
Tyvjän konjön 
Södtsör pödtsör 
Niss jam vartöu 
Puön pegyschön 
Brotön lyijiss. 

U. 

Tschukläki mukläki 
Okmakin kurkin 
Säröbygyn kyrsyn 
Jagan tschiran 
Guordyn Sjuojyn 
Tylavylyn tschuktschjyn 
Badjdoryn baidögyn 
Karei barei 
Sjöpyssyn kydsjylyn 
Lei lei ju 
Da i kandala ju 
Matöny ju 
Da i pudu ju 
Kuhna ju 
Da i sybana ju 

1 J. Ä Sjögren, Die Syrj&nen, Gesam. Schriften. I, 8. 440, 441. 



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36 # 

Potsch potschin ulutschyn 
Konaschja kotyr 
Tschuklii kotvr 
Maklä kotyr. 

Man mag die strofen wie man will eintheilen, so bleibt 
doch die grundlage ihres baues zwei oder mehrere trochäen, 
die mit daktylen abwechseln. So verhält es sich auch mit 
den Hedem, welche andere in viel späterer zeit unter den 
Syrjänen gesammelt haben. Das nähere hierüber ist in der 
folgenden abtheilung hervorgehoben. 

Über die allitteration können wir uns kurz fassen. In 
den metrisch vollkommeneren liedern trifft man sie häufiger, 
sowohl in zwei als drei auf einander folgenden Wörtern: päi- 
ven pärne laivems luota; pieggapa porjosit possuht; lülat 
laivem lafferdatta. Oft stimmen in derselben strofe zwei Wör- 
ter paarweise mit einander tiberein: kolle kda, silpa sfla; 
klka kilte, muotoses moije. Auch der s. g. paralellismus ist 
überall in den lappischen gesängen vertreten, obwohl er nicht 
in demselben masse angewandt ist wie im finnischen. 



vi. 

Das alter der lappischen lieder. — Lieder bei den Syrjä- 
nen und Mordwinen. — Gemeinschaftlicher märchen- 
stoff. - Thierfabeln. — Göttervorstellungen. 

Wir kommen zu der wichtigen frage über das alter und 
die entstehung der lappischen poesie. Ist sie eine naturge- 
mässe entwicklung der gemeinschaftlichen keime, welche ihre 
ersten einfachen knospen schon bei dem gemeinschaftlichen 
finnisch-lappischen volke trieben, oder ist sie nur ein schwa- 
cher nachhall des reicheren finnischen gesanges? 

Nach Pjellners angaben werden die hauptsächlichsten 
theile sowohl des Päiveu parne als auch des Pissa Passa in 



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37 



Karesuanto und Jukkasjärvi im norden und in Herjedal im 
Süden gesungen. In jenen gegenden wohnen bekanntlich auch 
finnen zahlreich, und nicht weit von Herjedal sind die Werm- 
ländischen walder, nach welchen vor etwa 250 jähren zahl- 
reiche finnische kolonisten auf befehl der schwedischen kö- 
nige zogen, um mit ihrer zähen kraft die Wildnisse allmä- 
lich urbar zu machen. Es läge nun auf der hand anzuneh- 
men, dass einerseits diese kolonisten und im norden die dort 
sesshaften finnen ihren nachbaren den geschmack für und 
den ersten impuls zu poetischer thätigkeit gegeben hätten. 
Fjellner erwähnt mehrere lappische lieder, welche er in Tor- 
nio und Kemi Lappmark singen hörte und die der form und 
dem iuhalt nach mit den finnischen so übereinstimmten, dass 
die eine Version reine Ubersetzung sein musste. Zuweilen 
kamen in den lappischen gesängen finnische strofen vor, zu- 
weilen in den finnischen lappische. 1 Ein gegenseitiger ein- 
fiuss kann daher nicht im einzelnen geläugnet werden, und 
ist ja auch sehr natürlich in gegenden, wo die lappische und 
finnische bevölkerung gemischt vorkommt und beider spra- 
chen kundig ist. Die mittheilung von Tuderus Uber den bä- 
reugesang. welchen die läppen singen und denn er dennoch 
finnisch mitheilt, ist wohl auch in der weise zu verstehen, 
dass läppen und finnen ähnliche lieder sangen. 

Trotz alle dem bin ich doch der festen Überzeugung, 
dass die poetische thätigkeit der finnischen Völker schon vor 
der zeit, als sie sich von einander trennten, zu setzen ist. 
Hier die beweise. 

Schon der erzbischof Olaus Magnus in Upsala, welcher 
um die mitte des sechzehnten jahrhunderts seine bekannte 
geschiente der nördlichen Völker Europas verfasste, erzählt, 
dass die läppen bei ihren festlichkeiten einen harfenspieler 
(citharoedus) rufen Hessen, bei dessen spiele sie in alter- 
tümlichen gesängen, nach sitte der väter, die berühmten 
thaten der helden und riesen früherer Zeiten verherrlichten. 2 

1. Vgl. v. Düben, Lappland S. 321. 

2. Olaut Magnut, Historia de Gentibus Septentrionalibus. Koma) 
1555. Cap. VIII. lib. IV, s 141: Nequfl haoe gens sine gaudio moerore 



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38 



Wohl bezweifelt Scheffer die Zuverlässigkeit (lieser angäbe, 1 
sie ist doch neuerdings durch den russischen forscher Dant- 
schenko bestätigt. Ein mädchen beim Imandra see erzählte 
ihm nämlich, dass die läppen bei hochzeiten und anderen 
feierlichkeiten lieder singen, und dass die alten lieder be- 
sonders von werth seien. ■ Lieder und gesänge waren also 
nach den ältesten nachrichten und nach den eigenen anga- 
ben der läppen von alters her unter ihnen heimisch. 

Den directen beweis aber, dass es sich so auch ver- 
halten haben muss, liefert die form der lappischen lieder. In 
der vorigen abtheilung habe ich darauf hingewiesen, dass 
schon die ältesten proben ihrer gcsangkunst, die von Schef- 
fer mitgetheilten zwei lieder, wesentlich dieselbe metrische 
behandlung aufweisen wie die später aufgezeichneten. Hätte 
nun erst die bekanntschaft mit finnischen liedern sie zur poe- 
tischen production geführt, so ist es wohl anzuhnehmen, dass 
sie auch das finnische metrum treuer nachgeahmt hätten, 
als dies der fall ist. Nun steht aber die von den läppen 
gebrauchte form einer rythmischen prosa näher, sie ist nicht 
so streng geregelt, stimmt aber noch genauer mit der metri- 
schen form Syrjänischer und Mordieiniseher lieder überein. 
Schon oben habe ich zwei alte kinderlieder abgedruckt, wel- 
che Sjögren unter den Syrjänen im jähr 1827 aufgezeich- 
net hatte. Sie sind aber nicht die einzigen reste einer ein- 
heimischen dichtkunst bei diesem volke. Die lieder, welche 
man gewöhnlich singt, sind wohl jetzt nach angäbe der mei- 
sten berichterstatter grösstentheils russisch. Sjögren erzählt 
aber, dass man in den entlegneren gegenden an der oberen 
Wytschegda auch einheimische syrjänischc lieder habe, 3 eine 

commixto, quasi heremi cultrix remanere videtur. Instruit enim alacria 
convivia citbaroedis accitis, ut con Vivantes hilariores efifecti, excitentur 
ad saltum: quem vehementius citharoedo sonante ducentes, veterum- 
que heroum ac gigantum pr«clara gesta patrio rhytmate et carmine — 
canentes, in gemitus et alta suspiria, hinc luctus et lachrymas ac ulu- 
latum resoluti, dimisso ordine in torram ruunt. 

1. Sclmfer, Lapponia Francoturti 1673, s. 292. 

2. Sagen und lieder der Lappen, in Golos N:o 301 für das jähr 1874. 

3. Sjögrm, Gesam. Schriften. I. 440. 



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39 



nachricht, die von herm Wolkoff neue stütze erhält durch die 
angäbe, dass die Syrjänen eigene lieder, vorzugsweise hoch- 
zeitslieder haben, und dass solche nicht nur an der Wyt- 
schegda und Petschora vorkommen, sondern auch bei Udora, 
Lusa und Syssola. 1 Obwohl man auch diese angaben be- 
zweifelt hat, so treten doch allmälich die belege an den tag. 
Popov, welcher neulich in den Schriften der anthropologisch - 
ethnografischen gesellschaft in Moskva eine reichhaltige ab- 
handlung über die Syrjänen veröffentlicht hat, theilt darin 
drei lieder in original mit, von denen er zwei mit Übersetz- 
ung versehen hat. 2 Die dritte zeigt eine spräche, die we- 
gen ihrer alterthümlichkeit nicht mehr verstanden wird, in 
welcher aber mehrere syrjänische Wörter noch zu erkennen 
sind. Als beispiel füge ich hier eines dieser lieder vollstän- 
dig und einige strofen aus dem zweiten bei. Bade (weide- 
bäumchen = fin. paju) ist von Wolkoff aufgezeichnet, war 
aber auch Popov schon früher bekannt; es enthält einige 
russicismen. 

Bade. 

Bade, bade! Mij gazfom pukalan? 
Ali tenüd, bade, voitelis tele? 
Voitelis tele, ali izeris zere? 
Bad vuziv tiis" kö£id va vizivte? 
Munisni, loktisni maior götiras, 
Keralis-ke naja kik pelüt; 
Kik pelis, koimödes pize. 
Bo^tasni-ke naja mica niles; 
Puksisni-ke naja samöi pizes sire: 
Nil-lei, nil-lei gazfom pukalan? 
AH tenüd, nil-lei, and, niamid zaT? 



1. J Wolkoff, Beobachtungen und eindrücke eines jägers im 
gouvernement Wologda, russisch in Wologda gouv. zeitung für 1854, 

N:o 51. 

2. JSU. llonoe, 3upmie h • !ij j »juici; i h Kpaft, in TpjAU 9THorpa<f>H4e- 
caaro OTjrfcja. Kh. 3, n Mocaßa 1874, s. 55—57. 



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40 



And mamid zal"? ali coid, vokid zaT? 
Coid vokid zaFV ali rodid vuzid zalV 

Der Weidenbaum. 

Weidenbäuinchen, weideubäumchen, warum stehst du so be- 
trübt wohl? 

Wiegt dich wohl der nordwind, weidenbäumcheu? 
Wieget dich der nordwind oder peitscht er dich mit regen- 

schauer? 

Oder spült er deine wurzel mit den kalten fluthen? 
Es fuhren, es fuhren die weiber des majors, 
Ruder zwei für sich sie machten, 
Ruder zwei, der kahn ward drittes. 
Nahmen so das schöne mädchen, 
Setzten in des kahnes mitte. 

Mädchen, mädchen, warum bist du so betrllbt wohl? 
Trauerst du wohl um den vater, mädchen, oder um die mutter, 
Trauerst du um vater, mutter, Schwester, brnder, 
Trauerst du um Schwester, bruder, oder die verwandten? 

Das lied ist noch länger, obwohl Popov die fortsetzung 
nicht kennt. In dem zweiten von ihm veröffentlichten liede, 
welches herr Ardascheff aufgezeichnet hat, 1 wechseln frage 
und antwort in folgender weise mit einander ab: 

Roi, roi, roi! Kicce vetlm? 
„ ., Kicce munan? 

— Völes korsnü. 
Kucem tenad vödfd? 

— Lisa kimesa. 

Roi, roi, roi! Kicce vetlin? u. s. w. 
Möskös korsni. 
Kucem tenad niöskid? 

— Sura mos. 

u. s. w. 



1 Siehe Syrjänisclie rüthsei und gesänge, von W. Arda.scheff- 
russisch in Wologda guuverm. zeitung für 1859 N;o 6, 



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41 

Roi! Wohin warst du gegangen? 
Wohin gehst du? 

— Das pferd zu suchen. 

Wie beschaffen ist dein pferd ? 

— Mit blässe an der Btirn. 
Roi! Wohin warst du &c. 

— Die kuh zu suchen. 
Welcher art ist deine kuh? 

— Eine mit hörnern. 

u. s. w. 

In dem ersten liede nun tritt uns dasselbe metrum ent- 
gegen, womit Pissa Passa beginnt: ein auf drei bis vier oder 
mehrere trochäen gebautes mass, in welchem daktylen häufig 
den platz dieser einnehmen. Das zweite lied hat strofen 
von zwei oder mehreren trochäen, die mit daktylen abwech- 

■ 

sein; ebenso das der bedeutung nach nicht klare bruch- 
stttck, welches in folgender weise beginnt: 

Modla polin 

Pan cinase 

Kod pan? 

L'ok pan. 

Kod Tok? 

Bizim Tok, 

Kod bizim? 

Vergleicht man hiermit das schwanken der metrischen 
form in den lappischen Hedem, besonders die kurzen stro- 
fen in den metrischen theilen der sagen, so ist wohl der 
gemeinschaftliche grundtypus in beiden nicht zu verkennen. 
Das erstgenannte lied zeigt dazu einen ausgeprägten para- 
lellismus in der ausdrucksweise. 

In seiner syrjänischen grammatik hat Savvaitov, ausser 
einigen Sprichwörtern, auch 4 erzäblungen und IG lieder in. 
syrjänischer spräche mitgetheilt, jene in der mundart bei 
Syssol, diese in der um Wytschegda. Sie zeigen vollstän- 
dig denselben Charakter wie die übrigen hier angeführten. 
So wechselt z. b. in der ersten erzählung die prosaische dar- 
stelluug mit metrischen Stückchen ab, in folgender gestalt: 



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42 



Kukku, sar pijanjas! 
Menam kiüm vok vöh", 
Da ötik vok es lö: 
Ötik vok menam 
Ezis* kig jihu, 
Möd vok menam, 
Zarni k^ jih'n, 
Kojmöd vok menam 

ZeraC'ug k« jilin. 1 

Ein zweites lied beginnt mit den worten: 

Bobö, bobö! ki'tse vetlin? 
— C'ozö guö vetli (s. 146); wieder andere: 
Öti £ibi tfas koka (s. 147) 
und Jenäan, puksi med jugid mestaös; 

Jözsan, puksi med gaza mestaös (s. 149). 

Mehrere Syrjänische lieder sind durch die Sorgfalt und 
mühe des unvergesslichen Castrln zusammengebracht. Un- 
ter seinen nachgelassenen handschiiften, welche sich gegen- 
wärtig in der Universitätsbibliothek zu Helsingfors befinden, 
ist ein heftchen Syrjänischer hochzeitslieder, 7 an der zahl 
Zwei von diesen hat Castreu selbst in schwedischer Über- 
setzung publiciren lassen, in einem der Kalevala nachgebil- 
deten metrum. 2 Man braucht sie nur ein mal durchzulesen, 
so weht in bildern, in dem stets wiederkehrenden paralellis- 
mus, in dem tief wehmüthigen tone und der innigen liebe 
zur mutter und zur heimath, so vollständig man es nur wün- 
schen kann, derselbe geist uns entgegen, welcher auch die 



1. //. Caeeaumon, l'paMMaTHKa 3upaaHcnaro *3HKa, s. 141. 

2. In Fosterländskt Album. 3 heft. Helsingfors 1847, s 56-60. 
Man findet dort noch zwei andere syrjänische lieder, aus dem Helsing- 
fors Morgonblad für 1841 N:o 59 aufgenommen. Sie wurden ursprüng- 
lich von prof Nadeshdin im kalender VTpeHHaji uapa (morgenröthe), 
St. Petersburg 1839 russisch mitgetheilt, nach einer aufzeichuung im 
original, die er selbst unter den Syrjänen gemacht hatte. Das erste 
lied hatte die Überschrift : Komi nyff-setad berd-kyff klagelied der Syrjä- 
nenbraut, das andere: Berd-kyff vok-ly klagelied an den broder. 



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43 



finnischen lieder beseelt hat. Zur probe füge ich das erste 
dieser hochzeitslieder in deutscher nachbildung hier bei: 

Brautlied. 

Nahm man mir den freien willen, 
Nahm man zärtlich meine liebe, 
Fesselte mein junges köpfchen, 
Hielt man fest die goldnen locken, 
Führt' mich an den fingerspitzen? 
0 mein vater, mein erzieher, 
Meine mutter, die mich pflegte, 
Bruder, wie der falke muthig, 
Meine eigne, liebe Schwester, 
Vaters bruder, gute base. 
So ihr habet schon beschlossen, 
Haus und hof muss ich verlassen! 

Eben ging ich zu der mahlzeit, 
Nahm den becher, den gefüllten, 
Allen gasten wein ich brachte, 
Schaute an die ganze Sammlung 
Durch die goldnen augenhaare, 
Nahm nicht wahr den guten bruder, 
Fern er ist, der frohe falke, 
Sitzet auf der schwarzen tundra, 
An des dunklen meeres busen, 
Unter Urals hohen felsen. 
Eile her, mein edler bruder, 
Hörst du nicht, ich werd' getrieben 
Von den goldnen heimatsstättenV 
Komm, o komm, mein theurer bruder, 
Lagst am selben mutterbusen, 
Komm und siehe, wie ich scheide! 
Wähle rennthier' aus der heerde, 
Wähle sechs die allergrössten, 
Schirre sie an einen schütten, 
Bind' sie fest mit schwarzen riemen, 



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44 

Eile dann geschwind nach hause! 
Schäumten hundertzwanzig flüsse, 
Wogten wild die frlthliugsströme, 
Hindernd in den weg sich stellend, 
Wie der schwan so leicht dich hebe. 
Oder schnell wie eine ente. 

Holder vater, liebe mutter, 
Treu ich war ja, armes mädchen, 
Immer wie ein söhn gepfleget ; 
Warum wolltet ihr die treue 
Dienerin vom hau*e treiben, 
Fort zu andern, fremden eitern, 
Unbekannten brlldern, Schwestern V 
Mehr als hundertfach so weise 
MUsste ich, o arme, werden, 
MUsste stets mein köpfchen beugen. 
Um bei ihnen freud' zu finden. 
Wenn die wonne dort nicht wohnet, 
Will ich an die heimath denken, 
Der vergangnen lust gemessen 
Bei dem vater und der mutter. 

Der mit dem finnischen übereinstimmende ton klingt 
wohl ein wenig stärker hervor durch anwendung des finni- 
schen metrums, im gründe genommen tritt er uns aber da- 
durch nur klarer zum Vorschein. Auch der paralellismus in 
den auf einander folgenden strofen ist unverkennbar, ebenso 
wie die allitteration in den nachfolgen Zeilen. Da die von 
Castren aufgezeichneten lieder in kurzem vollständig veröf- 
fentlicht werden, begnüge ich mich hier nur einige proben 
mitzutheilen. Das oben in Ubersetzung eingeführte lied be- 
ginnt mit folgenden strofen: 

Völnäjäm'ij uskedisnis bur völjaäs, 
Njäznäjämij bur njegaäs, 
Jurseänjämij kijenis jursi jiitiäh, 
Kokseänjämij kijenis menä kokcunj jiitiäh, 
Kiseänj tai menä kijeuis kicun jiitiäh V 



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45 



Bur zivätäh dumaitema bur aj sjeraminjaäh 
Roditeljii menii dumaitema ceskidjöla mameli 
Jasnej menam dumaitema sökäl vokä 
Rodimajaäh dumaitema käzja f-oje 
Zon djadj menam laskevei sjera minja'ah 
Djadj pom menam djadj inaäh u. s. w. 

Die Unregelmässigkeit der form ist ziemlich dieselbe, 
wenn nicht grösser, als im liede von dem weidenbaum. Zu- 
weilen ist das mass ein vierftlssiges trochäisches, mit dak- 
tvlen abwechselnd, wie in den letzten versen des sieben- 
ten liedes: 

Ile.f menam kolljem v'ilä 
Takojd menam koljt bur jur nojä 
NB jost mejam das jortjasäk 
&öcah menam bid me majasä 
S'ok me vrtam in vi^a isid lögli. 



Wenden wir uns jetzt zu den Mordwinen, um die spu- 
ren der finnischen Verwandtschaft zu verfolgen, so treten 
viele und zum theil bisher unbeachtete thatsachen an den 
tag. In der russischen Zeitschrift Ruskij Västnik für 18G7 
hat herr P. J. Melmkov eine reichhaltige historisch-etnogra- 
fische Schilderung der Mordwinen veröffentlicht, die er mit 
benutzung der handschriftlichen quellen der russischen geo- 
grafischen gesellschaft zu St. Petersburg verfasst hat. Das 
was er über ihren heidnischen glauben und ihre alterthüm- 
lichen gebrauche mittheilt, hat J. R. Aspelin später finnisch 
publicirt und mit anmerkungen versehen. 1 Unter anderem 
führt er auch ein kurzes ersa-mordwinisches lied an, wel- 
ches noch bei der mädchenfeier im sommer, in den kreisen 
Saransk und Krasnoslobod des gouvernements Pensa, ge- 
sungen wird. Die meisten Sänger und zuhörer verstehen 
jetzt nicht mehr vollständig den gesang, welcher auch meh- 



l Kiijalluien Kmikauslehti fftr 1K73 und 1874. 



46 



rere russische Wörter aufgenommen hat. Man merkt darin 
aber noch die spuren des finnischen runometrums und der 
allitteration. Es lautet: 1 

Kdti käterka materka, 
Katerka jakoi s£ogolsta. 
Kati söogolsta, Cuvansta, 
Vai Saratovskoi ifulkasi, 
Seri koökeri bäzmaksa, 
Köta kvälmasa paTasa 
Ke*m kaftova rutsasa 
Vai, päly safa stofhoisa. 

Katri, Katri kleine wirthin, 
Kleine Katri stolz sich kleidet. 
Geht dann her so stolz und prächtig 
In den Strümpfen aus Saratov, 
In dem schuh mit hohem absatz, 
In der sechsgestreiften leinwand, 
Im kaftan mit zehen falten, 
An dem hemd die spangen leuchten (wie die mor- 

genröthe). 

Auch zwei andere loblieder, welche bei derselben feier 
vorkommen, hat er mitgetheilt; da sie ein abweichendes met- 
rum zeigen, drucke ich hier das erste ab: 

Tevfars ionos Tafanas 
Mesda paro son? 
Palininsa masynit, 
Ozanänsa kuvakat, 
SeTmi nänsa räusat. 

Ein mädchen hold ist Tatjana. 
Warum ist sie schön? 
Weil so hübsch die kleider sind, 
Weil die ärmel weit und breit, 
Weil ihr auge schwärzlich brennt. 



1. L c. 1874, 8. 101. 



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47 



Wir brauchen uns aber nicht allein an diese spärlichen 
reste der alten poesie zu halten, da der noch frisch quel- 
lende born der volksfantasie immer neue blumen nach art 
der älteren hervorlockt; als alte lieder sind sie doch von 
grossem werth, weil dadurch die herstammung des mord- 
winischen liederschatzes aus der vorzeit vermittelt wird. Be- 
trachten wir näher die zehn lieder, welche Ahlqvist in sei- 
ner Mokscha-Mordwinischen grammatik mitgetheilt hat, und 
welche er, mit ausnähme der drei ersten, unter den Mord- 
winen selbst aufgezeichnet hat, 1 so ergibt sich aus dieser 
Untersuchung, dass sie alle metrisch sind und zwar gröss- 
tentheils in Übereinstimmung mit den schon als beispiele 
angeführten bruchstücken. Das sechste Lied (Mokscha-mordw. 
gram. s. 133), welches ich hier einrücke, ist vollständig naqh 
Ahlqvists eigener interpunction aufgenommen und von seiner 
Übersetzung begleitet, damit ein jeder leser es selbst prüfen 
kann, in wie fem man zu einer metrischen gliederung der 
strofen berechtigt ist. Es ist ein birkenlied: 

Kelu, kelu, aksa kelu, 
Keluvin kosa sa£una-vastt'ts, 
Keluv'in kosa kasima-vasti'ts? — 
Ostu virsa, vir kuckasa, 
Panda preasa. 
.Mastirin perf unksYnzn, 
Menilin perf taradinza; 
Käd-lapskat lopanänsa, 
Loksa-nedskat kufunänza, 
Kelu-kiugMn panarinza, 
Injfan-kotft prea sotksi'nza, 
Maka-lopat rutsanza. 

Kelut ala rodnik-äsi, 
Äsis velhtaf pilnoi fossa, 
Tosnä langa aksa skater, 

1. Aug AhUjviMt, Versuch einer Mokscha-Mordwinischen Gramma- 
tik, s. IX. Die drei ersten stammen aus einer handschrift des Asia- 
tischen museums in St Petersburg. 



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48 



Skatert lanksa jakster bratnä, 
Bratnat-esa pitni poila, 
Tantsti purä, 
Puret-esa sijan karhkä, 
Sitnä kofnä kopi'rsinzi'ht, 
Melkai tästnä pYlYsTnzflit; 
Ko sari, pilits sari. 

Kiä tosa gurädindai, 
Cuvanidindai? - 
Murzai-afa gurädi'ndai. 
Murzai-afa fuvanidTndai, 
Murzairäskä sori marhtt'nza; 
Sin kadYz skaindi ozi'ndYmasnen. 
Sin morst kudu, kutsa killtet 
Vehksa tsorasna, vehksa ervänäsna 
I vehksa uniksna; 
Estan sin usitst skaindi ozindYinä. 

■ 

Eine birke, eine birke, eine weisse birke, 

Wo ist der birke geburtsort, 

Wo ist der birke wachsthumsort? — 

In einem grossen walde, in des waldes mitte, 

Auf einem hügel. 

Um die erde (gehen) ihre wurzeln, 

Um den himmel ihre zweige; 

Ihre blätter (sind) so gross wie handflächen, 

Ihre kätzchen so gross wie Peitschenstiele; 

Von birkenrinde ist ihr hemd, 

Spinnengewebe ihre kopfbinden, 

Mohnblätter ihre Schnupftücher. 

Unterhalb der birke (ist) ein quellbrunnen, 
Der brunnen ist bedeckt mit gehobelten brettern, 
Längs den brettern ist ein weisses tischtuch, 
Auf dem tischtuch ist eine rothe holzkanne, 
In der kanue ein kostbarer trank, 



I 

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49 



Wohlschmeckendes honigbier, 

Im honigbier ein silbernes schöpfgefäss, 

Sonne und mond sind (abgebildet) auf dessen boden, 

Kleine sterne auf dessen griff; 

Wohin die sonne sich wendet, wendet sich dessen griff. 

Wer spazirt, 
Stolziert dort? 
Ein alter Murza spaziert, 
Ein alter Murza stolzirt, 
Seine gemahlin (ist) mit ihm; 
Sie haben aufgegeben ihre Verbeugung vor Gott. 
Sie gingen heim, zu hause starben 
Ihre neun söhne, ihre neun töchter, 
Ihre neun enkel; 

Da fingen sie an sich vor Gott zu verbeugen. 



Man kann es durchaus nicht leugnen, dass das ganze 
lied noch näher mit den finnischen übereinstimmt, als die 
proben Syrjänischer lieder. Und so verhält es sich auch mit 
den übrigen Mokscha-Mordwinischen Hedem. Was den Ersa- 
Mordwinischen dialekt betrifft, so hat Iteguly in diesem so- 
wohl raärchen als lieder aufgezeichnet. Neun solche lieder 
sind von Budenz in seiner Sammlung von Ersa mordwini- 
schen märchen und lieder (Ersa-Mordtcin mesek es daJok) 
aufgenommen. 1 Überhaupt zeigen sie denselben Charakter 
wie die Mokschalieder : das aus vier trochäen gebildete mass 
wechselt mit kürzeren und längeren strofen, wo auch zuwei- 
len eine silbe fehlt oder daktylen eintreten. Sowohl allite- 
ration als parallelismus sind reichlich vorhanden und vollstän- 
dig ausgebildet, wie schon Budenz bemerkt hat (s. 113). Ich 
erlaube mir auch hier einige belege anzuführen: 

Mäzde'n paro Puzan paksa? 

Öirev cainav pandoprav, 

Lejev latkov Usmaprav; 
Sijaks Cudi vädneze, 

1. In Nyelvtudom&nyi Kdzlem&nyck V, 1866. 

4 



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50 



Sirneks lisi lismaprazo. 

Poks bojar Puzan paksant sajsazo, 

LatYsovskoj bojaravaut marto 1 u. s. w. 

Warum ist so gut das Puza-feld? 
Weil es Seiten hat und hügel, 
Bäche, thäler und auch quellen; 
Wie aus silber fliesst dass wasser, 
Wie aus gold die quellen sprudeln. 
Ein bojar nimmt ein die Puza-felder, 
Mitgift mit dem weib aus Latischovski. 

Ein anderes lied beginnt: ' 
Tefkaj, tefkaj, teCkaj, 
TeCkaj ramak monen poli'ne! 
Polas* paro ulize, 
Polau kisCizi' rungozo, 
Sta-tolks palust selmenzi* u. s. w. 

Väterchen, Väterchen, mein Väterchen, 

Bringe mir eine braut! 

Die braut mag gut sein, 

Der körper der braut mag tanzen, 

Die äugen leuchten wie kerzen. 



Hin und wieder finden wir noch in der finnischen poe- 
sie spuren derselben abwechselnden form, wie z. b. folgende 
zeilen in einem märchen: 

Tii tii tiainen, 
Vati kuti varpuinen: 
Pane oksa olkahasen, 
Pää aseta pälkähäsen! 8 
d. i. 

Ti ti sagt die meise, 

1. Nyelvtud. Közl. V, s. III. 

2. 1. c. 88. 

3. Suomen Kausan Satuja ja tarinoita Helsinki 1852 «. 10. 



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61 



Vati kuti der sperling: 
Setze einen zweig unter den Schneeschuh, 
Das ende desselben auf den fussplatz; 
oder auch zwei daktylen in einem verse: 
Tule ihosi imettäraähän. 1 

Komm deine Schönheit (eig. haut) zu bewundern. 
Auch unter den Sprichwörtern kommen ähnliche ab- 
weichende strofeu vor: 

Tikka kirjava metsässä, 

Ihmisen ikä kirjavampi. — 

Bunt erscheint der specht im walde, 

Bunter noch das menschenleben. 
Oder: Itkisin, itkisin kullastani, 

\*aan en saata nauroltani. 

Weinen sollt' ich um meinen geliebten, 

Kann vor lachen gar nicht weinen. 
Wie aus den Hedem der verwandten Völker hervorgeht, 
kann man diese freiere gestaltung des metrums keineswegs 
als eine neuerung ansehen; sie kommt vielmehr unter den 
benachbarten stammen gerade in den ältesten Uedem vor. 
Neus hebt dies in betreff der älteren Volkslieder der Esten 
speciel hervor. Er gibt als eigentliche grundlage des maas- 
ses die vierfüssige trochäische zeile mit schwachem ausgange 
an, welche sich im ganzen in den elegischen Hedem am eben- 
mässigsten herausstellt. „In andern Hedem, fllgt er aber 
hinzu, die einer lebhaftem bewegung fähig und bedürftig sind, 
mischen sich besonders daktylen vielfach ein, vorherrschend 
aber in der art, dass die zeile stark abschliesst, sobald ein 
oder mehrere daktylen in ihr vorangegangen sind. Am häu- 
figsten macht sich also folgender gang geltend 

-~i-wi-wi-~r 

— i ■ 

Andere ausweichungen, wie *~* w f 

erscheinen seltener 44 . 2 

1. U 85. 

2. B. N«us, Ehstnische Volkslieder. Reval 1850, s. IV. 



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52 

Beispiele solcher verse findet man häufig in der Samm- 
lung Neus': 

s. 16: Risti tantsi tantsigem, 
Söre liva sötkugem! 
Tuli ku endiselle 
Vie kümmene hobose, d. i. 

Auf, und tanzt den kreuzes tanz. 
Stampf den straffen sand! 
Kam der mond heran zuvörderst 
Mit fünfzig rossen. 

s. 28: Oli mul | kolmc | venna- kesta, 

Ühe mina | saatsin j karjas-'male. 
Lähme, | lähme, | jouame, | jouame. 

Drei der lieben brllder hatt' ich, 
Einen sandt 1 ich hin zur herdenweile. 
Gehn wir, gehn wir, eilen wir, eilen wir. 

s. 34: Ise ma | nutsin ise ma j nörksin, 
Ise ma | käisin kos ja [ teid, 
Aasin ! neio | asja | teid. 

Weinete selber, wandte mich selber, 
Selber fuhr ich des freieus wege, 
Wallte der brautumwerbung wege. 

s. 74: Sirise ! sirise | sirpi-jkenc, 

Kelise | kelise j kövera | rauda. 

Sause, sause, sichelchen, 
Klirre, klirre, krummer* stal. 

Die äussere form der lappischen poesie erweist sich 
sonach durch alle diese auszUge als uralt: auf grundlage des 
überhaupt trochäischen rythmus der spräche hat sie sich, 
durch alliteration und parallelismus gehoben, zu einem frei 
behandelten metrum entwickelt, das sich noch nicht in die 
strenge gliederung der finnischen dichtkunst festgesetzt hat. 
Wir finden also die finnischen Völker schon bei ihrem ein- 
tritt in Europa sich das leben durch gesang erheiternd, eine 
ansieht, die auch anderwärts durch die von Reguly unter den 



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53 



Ostjaken aufgezeichneten zahlreichen lieder bestätigt wird. 
Wenn wir in den behandelten motiven in grösserem maasse 
keine Übereinstimmungen finden, so ist wohl dies weniger 
befremdend, da die betreffenden Völker schon etwa zweitau- 
send jähre den grössten klimatischen Verschiedenheiten aus- 
gesetzt waren und fern von einander lebten. Und doch feh- 
len derartige Ubereinstimmungen nicht gänzlich; auch die ge- 
sänge der Samojeden und Tataren stimmen mit den finnischen 
Uberein (Castren, Reisen V, 112). 

Der held des ersten epischen gedientes ist ein „sonnen- 
sohn", aus einem geschlecht, von dem sagen Uber ganz lapp- 
land verbreitet sind. Schon Tornaßus 1 erzählt von einem in 
Peldojärvi wohnenden reichen läppen namens Peder Päiviä, 
der 1670 starb und viele söhne hinterliess; er hatte mit sei- 
ner ganzen familie lange und treulich seinen seita, schutz- 
gott, verehrt. Castr^n führt die feierliche Versicherung der 
läppen selbst an, dass die Päiviös lappischer herkunft seien, 
obwohl sein eigener, dort ansässiger finnischer Wegweiser, 
der sich zu derselben familie rechnete, ihre herkunft aus 
Karehen herleitete. 2 Friis sagt, dass die sage von einem 
berühmten geschlecht Bäive, Pave, Päiviö oder Päiviä sowohl 
im Finnmark (Norwegen), als im schwedischen und finni- 
schen Lappmark verbreitet sei; 8 dagegen behaupten Ande- 
lin 4 und andere dass es ein finnisches geschlecht sei. An- 
dererseits hahen auch die Karelier sagen von den kriegeri- 
schen thaten dieses geschlechts und Kalevala nennt Päivää 
und Päivän poika als feinde des Kaleva-volkes. Man mag 
nun über die historisch auftretende familie denken wie man 
will, so viel scheint doch sicher zu sein, dass die traditio- 
nen sowohl der läppen als der finnen darüber eine mythi- 



1. Joh:$ Torncetu, Beskrifning öfver Tornea och Kemi lappmar- 
ker; schon 1672 verfasst, aber erst 1772 in Stockholm herausgegeben. 

2. M. A. Castren, Nordiska resor och forskningar. I. Hehingfors 
1852, a. 14 ff. 

3. Früs, En sommar i Finnmarken, ryska lappland och Nord- 
karelen. Stockholm 1872, s. 63. 

4. A. Andelin, Kertomus Utsjoen pitajästä, Suomi 1858, s. 199 



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54 



sehe unterläge haben. 1 Ich bin daher geneigt diese mythi- 
schen anschauungen ziemlich weit in die Vergangenheit zu- 
rückzuschieben, um so mehr, da auch die lappischen mär- 
chen vielfach ähnliche züge aufweisen, wie die im gedieht 
päiven parne vorkommenden. So nimmt ein meermädchen 
einen jUngling auf ihre schultern und bringt ihn zu ihrem 
blinden vater, welchem der jUngling einen drachenanker zum 
anfassen reicht. Er erhält dann gold und silber, wie der 
sonnensohn. 2 Ein anderesmal werden die riesen zu felsen 
verwandelt, da die sonne sie beleuchtet; 8 die tochter des 
Sonnenkönigs wird mit einem jüngliug verheirathet und sie 
kommt in schwanengestalt, auf einem schiff, das in die luft 
fliegt; 4 später als er zu ihr kommt, steht sie an einer quelle, 
kleider waschend. 6 Der schluss des ganzen liedes erinnert 
stark an die anfangsstrofen der Kullervoepisode (Kalevala 
31), wo von den drei brüdem erzählt wird, wie ein adler den 
ersten nach Kardien führte, der dritte aber zu hause blieb. 

Noch mehr anklänge an Kullervo bietet aber Pissa Pas- 
sas söhn. Auch sein vater wurde vor seiner geburt erschla- 
gen, er wächst heran, ihn zu rächen, wie dieser. Die worte, 
welche er der mutter auf ihre antwort, dass er keinen vater 
habe, zuruft: 

Die birkhenne hat den birkhahn, die auerhenne hat ihren hahn, 
Die schnehenne ihren hahn, die rennkuh den ochsen, 
Die bärin hat den bär, das elenthier den elentochsen, 
Auch ich habe nicht den Ursprung aus stein oder bäum! 

sind sie nicht aus derselben Stimmung hervorgegangen, 
die auch Kullervo dazu bewegt auszurufen: 

1. Cattren 1. c. 8. 15. 

2 Friis, Lappiske eventyr, 34. 

3. 1. c. 145. 

4. Vergleiche im finnischen Hiisis schiff, Suomen kansan Satuja 
ja tarinoita. I, s. 37. Ähnliches kommt auch bei den Samojeden vor. 
In der Edda finden wir viele dergleichen Vorstellungen : feindliche we- 
sen, von den Sonnenstrahlen getroffen, werden zu stein verwandelt, 
jungfrauen kommen in schwanengestalt oder fliegen in der luft, vgl. 
Helgakvidha, Vaulundarkvidha u. a. 

5. 1 c. 152, 159. 



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55 



En tieä tekijätäni, Kenn 1 ihn nicht, der mich gezeuget, 

Enka tunne tuojoani, Die nicht, welche mich geboren, 
Lieko telkkä tielle tehnyt, Ob die ente an dem wege, 
Sorsa suolle suorittanut, In den sumpf die gans mich setzte, 
Tavi rannalle takonut An den Strand der wasservogel, 
Koskelo kiven kolohon. 1 Ob der taucher zwischen felsen. 

und die ich früher auch in Kalevipoeg nachgewiesen 
habe. a Ein brod spielt auch hier eine bedeutende rolle, und 
erst nachdem der jttngling seine stärke in anderer weise ge- 
zeigt, zieht er in den krieg. Dass gerade dies gedieht aus 
einer sehr alten zeit stammt, beweist auch das vorkommen 
älterer formen, welche, durch das metrum geschützt, sich im 
gegensatz zu den in der gewöhnlichen rede vorkommenden 
bewahrt haben. V. 152 steht andegaksi, welches einem Vep- 
sischen andegeks = fin. antelieksi vergleichbar ist, während 
es gewöhnlich wie im v. 162 andagas heisst; so auch v. 162 
puorehaksi. 

Das märchen von der Schwester der sonne, bäivaä odbba 
(morgenröthe), welche ein jüngling kttsst und zum weib nimmt, 
nachdem er ihre andere Schwester, die abendröthe, nac*h 
hause gebracht hat, erinnert an die estnische sage von Koit 
und Ämarik, morgenröthe und abenddämmerung, ist aber mit 
anderen sagen gemischt; diese anschauung ist doch bekannt- 
lich auch unter den arischen Völkern vielfach verbreitet. Ein 
riese, der einen läppen todt geschlagen hat, verbirgt sein 
„leben" oder seine seele in ein ei, welches in einer henne, 
diese in einer tonne u. s. w. auf einer insel, in einem bren- 
nenden meere liegt Es gelingt aber dem söhn des ermor- 
deten das ei zu zerstören, und nun stirbt auch der riese. 3 
Ähnliches erzählen die Samojeden von sieben brüdern, welche 
ihre herzen aus der brüst nahmen und auf die Zeltstangen 
hängten. Als diese zerstört wurden, starben sie auch sel- 



L Kalevala 34, 70. 

2. 0. Donner, Kalevipoeg juroalaistanüliselta kannalta. Suomi 
1866, s. 158. 

3. Friis, Eventyr, s. 45. 



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56 



ber; ein anderesmal hat man die seele eines Samojedenwei- 
bes in einem beutel, die herzen anderer schweben in der 
luft. 1 Eine wie es scheint specifisch finnisch-lappische Vor- 
stellung ist die in Päiven neita vorkommende, wenn die son- 
nenjungfrau ihrem mann den rath gibt die hütte überall wohl 
zuzudecken, damit die himmlischen lichter nicht hineinleuch- 
ten mögen. Da dies doch geschieht, verschwindet sie wie 
Tapios tochter in dem finnischen märchen von Lippo und 
Tapio. 2 Hier wird noch ausdrücklich hinzugefügt, dass das 
lappische volk aus dieser ehe stamme. Sonst findet man in 
den lappischen märchen viele Vorstellungen, die nicht nur in 
finnischen, estnischen, mordwinischen, ja samojedischen mär- 
chen wiederkehren, sondern schon so zu sagen ein allgemein 
menschliches eigenthum geworden sind. Ein junger läppe 
sieht drei schöne mädchen aus dem meere kommen; sie le- 
gen ihre kleider ab und gehen schwimmen. Indem er die 
kleider eines der mädchen behält, zwingt er sie sein weib 
zu werden. 3 Ähnliches erzählen sowohl die Finnen 4 als die 
Samojeden. 6 Lappische, finnische, estnische, samojedische 
und auch andere sagen schildern, wie einem mädchen und 
einem jüngling ihre flucht vor einem riesen oder einer riesin 
dadurch gelingt, dass sie einen Wetzstein, eine flinte, einen 
kämm und derartige Sachen hinter sich werfen, wodurch berge, 
wälder und seen entstehen, die den Verfolger aufhalten. Eine 
mordwinische sage erzählt von einer eiche, welche bis zum 
himmel empor wächst; 6 das schon angeführte lied lässt eine 
birke ihre wurzeln um die erde, ihre zweige um den him- 
mel verbreiten. In einem mordwinischen märchen lernt ein 
junger mann, ganz wie in einem entsprechenden finnischen, 
die spräche der thiere und vögel u. s. w. Unter solchen, 



1. Ca$tren, Samojediska sagor, in seinen: Ethnografiska förelas- 
ningar. Helsingfors 1857, s. 183, 186. 

2. Suomen kansan satuja. Helsingissä 1852, s. 8. 

3. Friü, Eventyr, s. 27. 

4. Suomen Kansan Satuja. 

5. Cattrcn, 1. c. 183. 

6. Ahlqvüt, M. Mordwin gram., s. 109, 



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57 



die in ganz Europa von Ungarn bis Frankreich und Norwe- 
gen bekannt sind, hebe ich nur die lappische sage von Haö- 
öis-ädne hervor, welche man ziemlich treu in „der aus dem 
meere gestiegenen jungfrau" (mercstä-musija netto) wieder- 
findet. Wie Friis bemerkt, entspricht die Haööis-ädne der 
finnischen syöjätär (die fresserin). 

Besonders beliebt sind unter den läppen die thierfa- 
beln, wie es Überall bei finnischen Völkern der fall ist. Po- 
pov erzählt, dass alle echt syrjänische sagen, wenigstens 
nördlich unter den Petschorern, nur von thieren und vögeln 
handeln, und Ahlqvist theilt einige der Mordwinischen mit. 
Was aber besonders häufig beim ganzen finnischen völker- 
stamm vorkomt, sind die Zauberformeln, durch welche die 
„weisen 1 ' grosse thaten vollführen konnten, so dass sie sich 
grossen ruf als zauberer sowohl bei den skandinaven als rus- 
sen erworben hatten. In Lappmark glaubte man dass sie 
durch lesen, d. i. lesen von Zauberformeln, allerlei krank- 
heiten heilen und auch gespenster vertreiben könnten. 1 Da- 
bei kam früher oft die zaubertrommel zur anwendung, wie 
auch die Samojeden den Ursprung der krankheit mit hülfe 
dieser trommel zu finden suchen. Bei den Permiern hatte 
vor vierhundert jähren der bischof Stefan viel mit Zauberern 
zu schaffen, und noch heute trifft man solche, die sich einen 
grossen rühm erworben, besonders in Pinega im Solvytsche- 
godschen kreise und in Udora im Jarenskischen. 2 So viel 
mir bekannt ist, hat man doch von ihren Sprüchen und ge- 
beten nur in Finnland und Estland gesammelt; ein vergleich 
im einzelnen kann daher noch nicht gemacht werden. 

Hier ist nicht der platz auf die vergleichende mytho- 
logie der finnischen Völker näher einzugehen. Da doch in 
den nachfolgenden lappischen gesängen einige götternamen 
vorkommen, kann ich diese frage nicht ganz unberücksich- 
tigt lassen. Die benennung für gott, lp. lbmel, jubmel = f. ju- 



1. P. Högttröm, Beskrifning öfver de tili Svenges krona lydande 
lappmarker. Stockholm 1746, s. 167, 199. 

2. ^onoe^ f 3npjHie B 3Hp*HCKiü spatt, s. 17. 



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58 



mala, ist schon von Castren, als ein gott des himmels und 
des donnere, mit dem Öeremissischen juma und Samojedi- 
schen num identificirt; 1 später hat man das wort juma, jom 
in der bedeutung gott bei den Mordwinen, Wotjaken 2 und 
auch Syrjänen 8 gefunden. Aber auch andere götterveretel- 
lungen waren von dem ungeteilten finnischen volke wenig- 
stens theilweise ausgebildet, llmarinen, der in der luft woh- 
nende gott, welcher später im finnischen epos eine so grosse 
rolle spielt, tritt im Pissa Passa-liede als Ilmaris oder II- 
maraööe, vater der luft, auf. Wenn auch die betreffenden 
strofen nur in Nordlappland gesungen werden, so ist doch 
sein platz auch als lappischer gott durch vielfache andere 
zeugen gesichert. Die Wotjaken brauchen dasselbe wort 
Inmar (= Ihnar) jetzt als gott im allgemeinen; 4 früher 
wurde er als gott des himmels verehrt. 6 Unter den gött- 
lichen wesen der Permier nennt man Voj-pel, von dem man 
sonst nichts weiss, übersetzt es aber: Nördliches ohr (pdj 
heisst syrjänisch ohr, laj). pelje). 6 Ich möchte es aber mit 
dem lapp. pele seite zusammenstellen, wodurch wir einen aus- 
druck hätten, der vollkommen zum lappischen ija pele, die 
nördliche, nächtliche seite der weit, stimmte und sonach 
wohl einen herrscher dieses welttheils bezeichnen konnte, 
wie Pissa in der ersten zeile dieses liedcs genannt wird. Bei 
den Ersa-Mordwinen heisst paz oder bam-paz der höchste 
gott, welcher die weit und die mutter der übrigen götter 
geschaffen hat; die Mokschas behaupten, dass er auch schiffe, 
rüder und segel erfunden habe. 7 Wenn man nun auch in 
diesem namen keine ähnlichkeit mit dem finnischen sampo 



1. Castren, Finsk mytologi. Helsingfors 1853, 8. 18. 

2. Vgl. Donner, Vergl. Wörterbuch der finnisch-ugrischen spra- 
chen. Helsingfors, 1874, s. 107. 

3. Horum, 1. c. s. 18. 

4. Castren, 1. c 316. 

5. fr. Ocmpoectciüy Botjush Ka3aacKOH ryoepniiL In den Schriften 
des naturforschervereins zu Kazan. IV. 1. 

6. llonoei, 1. c. 

7. Kuukauslehti 1873, s. 141. 



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59 



finden will, welches nach älteren quellen auch sampas ge- 
nannt wird, so steht es doch fest, dass die Mordwinen ein 
wort für gott brauchen, nämlich paz, welches sowohl finnen als 
läppen zur bezeichnung des heiligen, abgesonderten anwen- 
den. Nach Högström werden sowohl die götterbilder aus 
holz, als auch die steinernen seita's passe, hasse, bisse ge- 
nannt. 1 Es ist das finnische pyhä, das man als epithet je- 
dem verehrungswürdigen gegenständ, quellen, seen, hainen, 
ja juinala selbst gibt. Möglicherweise ist selbst piäsa sowie 
paHa nichts als eine andere form desselben Wortes. 

Stellt man alle die oben angeführten thatsachen zusam- 
men, so kann wohl niemand an das Vorhandensein gemein- 
schaftlicher mythischen Vorstellungen, märchen und lieder 
bei den finnischen Völkern zweifeln, ehe sie sich von einan- 
der verzweigten. Das aus der vorzeit mitgebrachte gut hat 
ein jedes volk in seiner weise zur höheren entwicklung aus- 
gebildet. Da aber die gefühle und gedanken der jugend noch 
im reiferen mannesalter ein wesentlicher theil des geistes- 
inhalts eines jeden individuums sind, so wird man wohl noch 
lange unter den finnischen Völkern ihre geistesprodukte sam- 
meln müssen, ehe man ein vollständigeres bild ihres ursprüng- 
lichen kulturzustandes zusammenzusetzen vermag. Die nach- 
folgenden lieder liefern einen nicht unbedeutenden beitrag 
zur kenntniss der schöpferischen fantasie der läppen. 



Das in den liedern gebrauchte transscriptionssystem ist 
wie folgt. Für die vokale ausser a, o, e, i, ö, ü: ä der 
breite für die finnischen sprachen eigentümliche e-laut, der 
weiche gegensatz des a welchen Friis mit <e wiedergibt; a 
ein zwischen a und ä liegender laut, den Friis in seiner 
grammatik mit ä bezeichnet, in der schrift aber nicht an- 
wendet; ö der bekannte zwischen o und ö liegende estnische 
laut; u der breite fin. vokal, änhnlich dem deutschen u und 
o im schwed. bonde; u wie das schwed. u in huru; t = das 



I. P ßfiyttröm, Beskrifning, s. 18». 



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60 



russ. dunkle B. Unter den konsonanten sind bemerkenswerth: 

% = russ. x, arab. der tief gutturale hauchlaut, g oder 

y = £, dessen entsprechender weiche laut, wie im deut- 
schen nagen, sagen; n — guttural nasal; ö = poln. E, russ. h 
deutsch tsch, $ oder j — d$c?i, engl, j; c — ts; 3 = dz; 
s — engl. sh f russ. m; z = franz. jeune, russ. a; z =. franz. 
z, russ. 3; t z= das harte engl, th, modern griech. d = mo- 
dern griech. d, engl, weiches th in the. Bei mehreren kon- 
sonanten ist ' als zeichen der erweichung (mouillirung) ange- 
wendet. Das ' bezeichnet eine gelinde aspiration und ent- 
spricht in anderen lappischen dialekten des pluralzeichen k, h. 



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Päiven Parne'. 



Poddusisn pärne' Ifen tulen, 
Neita' lin vänesa' olmait. 
Tauta Ii msonems tättam, 
Varraitas vüocotam akti. 
Etne Ii nammatam kuöttams, 
Kalleskuccam laugara, pilpmam. 
Kuh kaltes kedkamems eekcai 
Sahkajahtejustejastas 
Siggasisten suöpis süona', 
10. Sahkejas leikeli mielait 

Kaliapärdnin matteren maddui. 

Jahta lei jähtam, säga Ii pieggam: 
Tawelen nüoratum nasten, 
Allelen päiven ja mänun, 
Silpa-kolTe-juova ärek, 
Aren-kedge, aija-kedge; 
KoTTe kilü. silpa sila, 
Mära-kaise' kowaides kähee', 
Päivesa 1 mänusa' naste' 
20. Kika', kilte', müotoses moije'. 

Päiven pärne laivems lüotä, 
Oivamus olmaites valtä. 
Pieggapa porjosit possuht, 
Jahnapa vatnasam vüojet, 
Päru' podnit pätertahte', 
Skerruska niellasem mäeu, 



Lülat laivem lafferdattä 
Meddelen mänun. meddelen 
Päiven paitejen skerrun. 

30. Öattai mänu, sattai päive 

Nuörta-nasten unnekaEöain ; 

Muhtatallä stüorap päivin 

ÖuöukasTn jäca läjin, 

Ruöpsahahta, £almetahtä. 

Jäpit pira jaukasien, 

Te te vlmak mannjucäsi 

Jehtanan rabda rapasi, 

Öalmai saimahi allehahti. 

Neita nüora jehtanasen, 
40. fialmetes aijan aine körij, 

Svaiterin piktasit pessä, 

Öolkusahtä. cäpmacahtä, 

Noruhtä korkuhtä korölms, 

Näbbudallä cabbudallä, 

Nannnositis rialkutalla, 
Vuöinunntis vilutalla, 
Cuöugitis ceggesti parnai: 

„Kustis pötahk? Kännes ohtsahk? 
Tuonen talun, Päive-parnaß? 
50. Ahcasamma jükamussain, 
Allasamma riammamussain, 
Veirjaitämma vaiven tuolgTn, 
Mäkaitam mallasen ärinV" 
Päiven pame: 
„Särakkam säri ahcastam 
Suöpis süonait, faggai famuit 

Nidöe-ednest ahöest masti, 
Uksa-Akkam nie 1 km meidai, 
Leikisti cahkasam mielait. 
60. Ohtsom okten öijudeijeni, 
Morrasam mööujit mfelait, 



Vuotnin jelem jämem kuoimem, 
Mietalahkin atnaleijem, 
Vuosstalahkin vuörgaleijem, 
Vaimupakcasin tuölgim, 
Vaiven müodisn öijadeijem, 
Sälahaisn, jüokuisn lialmebälastallim, 
Supmaisinne aimun tfetum, 
Tuokasemehn puölvan jotkum." 

70. Jehtan neita: 

„Tie tal varrama' vamEe', 
Neitan püonna' paijanahcV, 
Miäla£am mü nioddusien. 
Mastatemen varrastemen, 
Mastatemen vaimuitemen, 
Vaiveitemen vüoluitemen, 
Vierasajan etna^en kuodda! 
Ahcasäsam püorrasäsam 
§uga£am sävuitam särnum, 

80. Kakrielam karrasam käjum 
Etnasam säddui pessi vuölin. 

(Jehtan aigü sü porrat; halpeden:) 
Pötus päggan päive pärnen 
Suöpis suonan süorma kouka 
Kasacattun ketaitemen, 
Koppan suorraa' soijeleppu', 
Koppan füde 1 Eaugeseppu'! 

(Neitap aija-röutem atnehsli.) 
Jehtan: 

Kallepa karrasa' oitu 
Päive-pelen suorma-süona', 
90. Päive-pärnen koura kouka'. 
Vuöitas-tulno süongo-miedain, 
Tärve-tutno süongo-süruin, 
Obbo-kaja kaskes-tahkin. 

Vühüi te tal vüolatuovaj, 
Karra skure kavehtüvaS, 



64 

Müoran, Molen vüoja vüojä, 
Vaimui viekä, nnörenahtä. 
Aija-röutim rapmainis rohti, 
Pevastallä, pahkastallä. 

100. Calmetas cuöugatas aca 

Cuo^ietahtä, cahketahtä 

Fälan, cäcen haltien, tuöljen 

Nalne, cehcerit cälacfi, 

Mälidaskan mastatallä, 

Kietait keti, vatmit vatmai, 

Ciimma-cuÖlmait cuolinad. 

Polpit polhturit pätertahtä, 

Kietait cnoppa, euolmait suoddä. 

Häja-kcpmit ceggfn, ka,3in. 
110. Aile snaldu podnejäses, 

Aine süonen suöppejäses, 

Aine aime ketasas 

Räjura ratkä. 

Vcrva-jüovaist kolfe-kairuit 
Cuoldetahtä, kuoddetahtä, 
Silpa-sinttait süketahtä 
Neitsus vaimu pälalahkain, 
Tuorrjs, parris pälalahkain 
Ruoivasa söjcken sisa, 
120. Lodfulaiven kuongar kaski. 
Jehtan kac&i: 

„Läkus vatnasin Vielau vfire, 
Knottako (viiolgi) vüojejat viele?" 
„Kallepa värc." — Jah vielepa vadda'. 
(Morse) 

Son neitakäraakit kahcata, 
Nuppen einen varjuit vuörkki. 
Veres velji passims passuht, 
Cegusist Cautakam tostü. 
Kolmit kisait kaska-kötist 
130. Kuöttitä, nuorai küasist, 



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(Akta allik, nuppi ruöpsis, 
Kolmad velgad;) kolme' Suölme\ 
Räfe' töru' tolla' varra' 
Tüonek ja tauta ja rohtu; 
Lauga-linen kolma' £uÖlma\ 
Särakan, Uksakan, Madderen, 
Rapki ja pägga ja Viru; 
Kolma polpir 1 polpirtüvin 
Madderakan vuörkka tüokan. 



140. Pärne'pa pöfein pütuist 

Norjun, norcun, falas-küolin." 

Ohtsolin oppas. — Koppas? — 

Koppas kaska-kötin faurus? 

I gaun ä£a kuh saije. 

Kännes piävas i'ialkituovai, 

Kuht obco bapsasit kesi, 

Kesa keta kaikaluovai, 

Kutti olma orkkuit äni, 

Olma-tuojit tükuratti, 
150. Kutti neita nüoram stökat 

Uksakan uksakit naukä? 

Jehtan: 

„Päiven pärne, porjus porri. tt 
Sä&n velje' vatnasems vaulai 
Tolvotit, töredit nuoram, 
Mahtsatit massatura morbmim. 
Jö külu' airuin spohkasa', 
Jö külu' korven ki£asa\ 
Höla\ hümaha', pärun paukasa'. 
160. Neitavüots vuöstas Cuölbmam luöittä. 
Tasti pägga porjosit püsi, 
Jahnam jauhkasahtä, 
Päruit paiskasabtä: 
Tepe te jehtana' päce\ 
Camkafin Eüdedas airuit, 
Pevasa' pobSasin öalmist, 



66 

Holme, hastem, nihtem, aitem, 
Sappi 8üddä, möre tuoltä. 

Morssi mäkuites muittä, 
170. Öalme' £eske\ vaimu vuojestallä. 
Häja juovagit hälida, 

Nfta nastä, rüota poumä, 
Puölva-varra' väjaltnöve\ 
Irkasas kähcä, pajahallä: 
„Läkus vatnases päggaban väre?" 
„La Öuölta, lä kainu lä kertis." 
Leipe-linen ßuölmam luöittä: 
Tepa te allatak alki 

180. Mära mänait paijatallai, 
Porjasita pohtannahtä. 
Velja' vuöinusas päcm. 

Varra tuoltä, kostu kaihkä, 
Valtin mangemus famuitas, (outi) 
Varra piewasit riämalin, 
Keta' kahcu', selge' söke', 
Kouru' karrin, kacrnm, ceggin. 
Pabtse pahkan, vantsa vuojä, 
Avageijan ältu' guoppadallin, 

190. Jö vast joksen joksekötln. 
Morsse: 

„Enapkus vatnasin väre, 
Kertüko karrasub möke?" — 
Linis kuoktanem cuölmam öuöllä: 

• • • • 

Dmarajfia jö jiE ourui, 
Almen rädien oivamus orje. 
Alme kaskenjnuortta okten 
Virum turgi, aulolklt soijobt, 
Sattu slaivait slaivahabta, 
200. Kahpahahtä, kaltahahtä. 
Velledi jica pahatari 
Vafnasen vuollemus potnai, 
Calmitis, cuonitis cakai. 



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Paijanem päiven paitist 
Verjaca' korrin kaisai, 
KahEaman koppasan oppas. 
Päiven paittu suddadisti, 
Kedge-kalluin karradisti. 
Vakin vel udne an voinu', 
210. Veikke valnas virtui lassain. 

Aijadahkan. vuoneldahkan 
Nalne somattln morssem, 
Unnoi olmuccn ütan. 
Aide arkun aksuin uksait 
Kaljedien, kobdadien, 
Stöpuit stüorudien. 
Son tie knotti päive-pärait, 
Son te ku6tti kalla-pärnit. 



Nokkoi Ruohten mangemus 
220. Valduk-vüocattallajin, 

Nuppe suor le kaijelpelin, 
Nuppe häjesi oijas 
Tacai ja Jütesi däbbeln. 



Anmerkungen. 



In den anmerkungen bezeichnet G. das manuscript Grön- 
lunds; M. theils bemerkungen von pastor Mörtsell in Malä, 
theils beim Pischagesang seine aufzeicbnung; L. erklärungen 
von A. Laiti. 

1. tülen, schw. lapp. gewöhnlich tuole adv. non ita pridem. 
Utsj. dial. hat tolin ehemals. 

3. Schw. lapp. wäre dies: tcxtdo Ii nisunebs täddam ein 
mann hatte sein weib gedrückt. Eine Variante hat: 

olma H msonems tättam, 
olma Ii kuinams Ii känam 

ein mensch hatte sein weib (schw. qvinna) umarmt. 
In Herjedalen sagt man lieber lei = Ii, so auch an fol- 
genden stellen. 

4. vuotjohtam G. 

6. Der Herjedal-dialekt hat im accus, immer b, wo der 
Übrige süd-schwed. dialekt ein w, und der nördlichere 
n zeigt. 

7. Var. Kuh kalfeskucce (der mann) Ii cekcai. 

8. — °jastam. 

9. In Herjedal: suggasisten (aus der bäckenhöhle), so auch 
im MS Grönlunds. 

10. G. sahkejam. 

11. madderen; G. hat: kallabarnei maddarn maddoi. 

12. Sv. 1. jättet sagen. Das metrum ist hier nicht ungleich- 
massig, wie Düben vermuthet nach der theilung der 
Wörter in der G:n handschrift: 

jahta lei jähtam, 

Saga lei bieggam. 
Die beiden zeile gehören zusammen, denn daktyl im 
dritten versfuss kommt mehrfach vor, wie w. 11, 
18, 98, 102. 161 u. s. w. 



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69 



13. nuorut mit nageln etwas festmachen, M. 

14. G: nach manun steht in klammern asken. 

15. arah G. 

. 17. sila; auch kila, silä. 

18. Ausgesprochen wird auch kovvaidas = kuvaitasa = fin. 
kuviansa, wie v. 20 muotosas u. 8. w. G. hat jehke 
kaiseh. 

21. Stockfleth gibt nur die formen nl. lojtfit, luwit, luv- 
vedet, luoittet, schw. lojtfelet, luitet, luotkelet u. a. 
lösen. 

22. Herjedal: Peije — Var. für olmaites: orjitis seine diener. 

23. Sv. 1 gewöhnlich pusset, pussetet. 

24. Jahnahah, G. 

26. mäcut gew. nur confringere. skerroskah mellasam mat- 
joh G. 

27. lafFerdit, wird vom lauf eines vogels gesagt. 

28. Var. mänum, wie v. 29 skerrum, so G. 

30. Das metrum hier unvollständig, wie auch im vers 33. 
33. Ujfin aus laböin mit strahlen. M. Es scheint doch bes- 
ser hier läja = f. laji art zu setzen. 

35. sv. 1. jauket nive operiri. In der schwedischen Über- 
setzung, welche von Düben mitgetheilt hat, folgen hier 
zwei Strophen, die hier fehlen. Grönlunds MS hat bei 
jaokasien in klammern parjästien und dann eine strofe: 
baroh bahtiin paokasien die wellen schlugen gegen das 
boot, wie Düben. 

36. mangeöäsi gegen das ende, schliesslich. M. - In Uts- 
joki mannacassi L. 

Grönlunds MS hat die folgende lesart: 
viimehk mangjo tjasi 

— — rahpasi. 

— saimai allekahti. 

40. gew. köruje näherin; G. kä&rie. Uts. koarru L. 

41. nl. spaidar fackel; pessat gew. passat. 

42. tsapmahtjatta G. 

43. kartjems G. Jcoröe strömendes wasser, korkutet drehen, 
winden. Ii 



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44. nabbutaUa abwischen M; Laiti hält es für gleichbedeu- 
tend als öabbudaUa — putzt. 

47. Gewöhnliche adv. form ceggut prserupte, avide, hier wie 
im finn. -sti; so auch merfach im schw. lapp.: adnest valde. 

48. kännes, in Herjedal käms. Grönlunds handschrift hat 
hcnnes und nach Laite wäre dies: wen. Mörtsell da- 
gegen hält es ftir unrichtig, etwa = konnes wo. 

49. Tuonan dalom G. 

50. Ahtjasam jookamossain 

vai veljasam vaiven duolgin G. 
53. meinen schwagern zu einer mahlzeit des herdes, d. i. 

die auf dem herde bereitet wird. 
55. Saarahkam G. 

57. mastai G. 

58. meidai nach Fjellner mischte. Laiti übersetzt: erweichte 
in milch. 

59. cakke, nach öhrling, in Lycksele = haupt. 

60. Uts. oakti regenschauer, gew. oärvi-oäkti. 

62. G: vuotni. Nach Mörtsell lautete dieser strof im schwed. 
lappischen: vuodnen (f. onni) im glück, felemen im leben, 
jabmemen im tod, kuoimeb ein gefährte. 

63. Der Tornio dialekt: mätalahkm. G. hat die zwei stro- 
fen in anderer Ordnung: 

vuostalahkin vuorgaleijen, 
metalahkin atnaleijem. 

67. Sehr weich ausgesprochen, beinahe wie sälahais. Im 
manuscript G. lautet der vers: 

Salahiisne njalme-balastalliim, 

Sopmaisisne — 

Duokasemmeh — 
schw. lap. belastaUeje einer der mit hält, nalme 0 ein 
mitsprecher. 

68. supmaisinne in der entzückung. M. 

69. tuokasemen in unserem schooss. M. 
71, 72. G: De daal varrah mo vamtjeh, 

Neitan puonga paijanahtja. 

Nun wird mein blut (plur.) belebt — 



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71 



73. Mielatjam modsosiin G. 

79. ßarrnam. 

80. kerrasam käjam. 

81. vuollai. Bei G. ist der vers: 

Ätnäsäm bessi saddoi siis. 

82. Mörtsell schreibt nach Umeä dialekt: 

Päte päggatum päiven pardne! 
Komm bekannter sonnensohn. 
Laiti: mag er kommen wie ein wind. 

84. G: kääsähtjätton ketäitemen lasst uns unsere hände 
ziehen. 

85. soijeleppuh oder soijelubbuh. 

86. Sowohl Fjellners ausspräche als das MS Grönlunds stim- 
men überein bei dem worte öude> welches sonst nur 
feind bedeutet; nach Öhrling heisst tute finger. Der 
Utsjoki dialekt bezeichnet damit den Zeigefinger. 

87. Im original gehören offenbar hicher die verse 98 u. 99. 

88. Variante: uitu wahrlich; oitto G. 

93. kaskastaken zum imbiss, von kasket beissen. M. 

Nach diesem vers, der Abbä kädsä kaskastahkain lau- 
tet, folgen in der Grönlundschen handschrift noch fUnf 
strofen, welche sich auch in der Übersetzung von Dü- 
bens wiederfinden. Sie lauten: 

Njalges njalkas peivebeelen 

Suognjo metetahti miedhah. 

Alma kärras peive pägnjen 

Suöstätäs suognjo suuro, 

Harmat kersko kaskastahkälj. 

Süss, süss, ist der Sonnenseite 
Bewerbungsmeth, er sinkt leicht hinunter. 
Dazu stark ist des sonnensohns 
Freier-saure, und verlockend. 
Sehr lecker ist das mahl. 

94. In der ausspräche lauten diese Wörter fast wie: 

— tiehe täl völatüva*. G. hat 



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72 

Vai de daal vuälähtuovai, 
Karra skuure kaarehtuovai. 
102. — haldiin duoljaan. Tjehtjerit, tjaiahtja. G. 

105. vathmit vathmai. 

106. G: Tsomma tjuölmait tjölmadalla. Dadurch wird diese 
Strophe metrisch vollständig. 

107. poitut, unrecht, irrthum. 

108. ketaet tjuöhpa, tjuölmait suodda G. 

109. sv. 1. kebne kessel; kepmc ist unbekannt, sagt M. 

111. suohpejases G. 

112. vielleicht Jcäöejases seiner Wärterin, denn es fehlt eine 
silbe im metrum. 

114. Verva juovait G. Vewa od. ßärva bedeutet Strand. M. 

116. sintait blocke od. klumpen, nach Fjellner. — Düben 
übersetzt süketahta lässt rudern, nach Laiti ist es: 
lässt absondern. 

117. belalakan G. Aus pele hälfte und laka ähnlich, d. i. 
gatte, freund. 

120. lotvo-iaiva dem finnischen nachgebildet, lotvo = lotka 
schlaff, schlaff hängend, ein schiff mit schlaffen segeln. 
— Kuongar balken M. 

122. vielään vaaro was wohl Schreibfehler sein dürfte, da 
an anderen stellen deutlich vaare zu lesen ist. G. 

123. In G:s handschrift steht vuolgie in klammern als varii- 
rende lesart oder erklärung, wodurch auch das metrum 
von dem überzähligen versfuss befreit wird. Dagegen 
fehlt die folgende zeile. 

129. kisait ist bei G. mit kistoit (in klammern) erklärt 
134. Tuonehk ja — . 

Laogo-liinen — . 
137. Rapke ja piegga ja vardha (viro), 

Kaiman halben b&lberduovam G. 
140. püdu = puodu, uts. puäddu tisch dämm, dämm zum 

fischfang, f. pato. 

140. pötin. # 

141. Dialektisch: sv. 1. nurjun, nuorjun; nurssun od. nurcun. 
Norw. lap heisst mor§ hvalross, fin. norsu der elefant. 



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73 



142. sv. 1. obba Schwester. — Variante: koppas lä jauh- 
kam wo ist sie hingekommen? — kobbas od. kossas 
wohin. 

142. ff. Grönlunds MS gibt diese verse in folgender gestalt: 

Ahstäliin Äbbams, 
Kaska Kääten faororas, 
Ah kaonh kuh luoth saijeh 

Kans pews njalkit? 

143. Nördlicher dial. vaurus, wie in 141 välas = fälas. 

144. Es ist nichts übrig als der platz der spuren = f. ei 
löydy kun jäljen siaa. 

146. Tornio dial. 0,50. 

147. oder kaikalüvai, kaikatuovai; Herjedal: kalkaluovai; Tor- 
nio : keäsa kieta. Sonst auch kalgaluvai, gereicht werden. 

153. porri ist gewöhnlicher imperf. von porret essen; viel- 
leicht steht es für porti zog (die segel) auf. 
156. mahtsahtit inassatum märmem G. 
158. Jäöasa' der reibende laut der hängeisen M; das knarren L. 

158. Jü pöte\ 

159. Häala, hooma, baron baokas mit richtigem metrum. G. 

160. Nämlich Morssi die braut. Vielleicht ist vuostas später 
hinzugekommen; das versraass ist unregelmässig. Bei 
G. heisst es: neidavuotas u. s. w. 

167. nihtem, schwed. lap. nittem drohung. 

169. märse G. 

170. Variante: Vaimu neitan vuojestallä. 

171. häja juovagit hochzeitsfeier. 

172. Die niere ist gereizt; ruotd* od. ruotta puoite die fett- 
gewebe der pudenda. 

174. Irhkasas kätjah pajatalla: Leks G. paijahet hoch 

schätzen, ansehen, hier frqv. M. 
176. schw. lp. kierdies geduldig, fest, zuverlässig. M. 
180. paijatalli; G. paijadalh. 

183. sv. lap. koiket dürr, durstig sein, G. kästo gäika. 

186. Herjedal: selge' soije'. 

187. kaömain; G. käorah garrin, gatsmiin. M. liest: kalmain 
wurden steif, kalt. 



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74 



189. G. Variante: aldu' cuöhpatallin. 

190. Jü vasf-joksakötin. 
192. Anabkus vatnasis G. 

195. In Grönlundschen handschrift fehlen gänzlich die bei- 
den verse 195 u. 196. 

200. kahpahattä; G. hat kahpadahta, galtahahta. 

201. baatari G. 

205. korrein. 

206. abba G. — schw. 1p. kobbasen der beiden, M. 

208. Dieser vers fehlt in Grönlunds handschrift. 

209. vuoinoh G. 

210. lassain od. plassain zu steinfelsen, M. 

211. vuongeldahkan G. — aijadaka bärenhaut, vuonjeldaka 
färsenhaut. M. 

212. somatin od. sämatin vereinigte man, M. 

213. G. fltasan. — utan od. muoton zur gestalt, aussehen, 
ähnlichkeit. M. 

215. Galjedien, g&mdadien G. 

217. Der vers fehlt in G:s MS. 

219. Nahkai ruöhtan. — Valdohkvuotjahtallajin G. 

222. hajesi dufte, duftende gegenden M.; ich übersetze aber: 

verbreitete sich, von häjaset. In utsj. dial. gibt es ein 

häoTasit. 



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Die Sonnensöhne. 1 

Spärlich waren einst die männer, 
Mädchen mangelten den männern. 
Hatt' ein mann sein weib umarmet, 
Hatt 1 sein blut mit ihr gemischet. 
Und die mutter säugt das kindlein, 
Badet und ernährt den knaben. 
Stiess der knabe um die wiege, 
Denn er hatt* von seinem zeuger 
Sehnen, stark und fest, bekommen; 
10. Und verstand verlieh der vorfahr 
Dem geschlecht des Kalla-kindes. 

Kunde geht, es klingt die sage: 
Hinter'm stern dem festgebannten, 
Westwärts weit von mond und sonne, 
Sind die steine gold und silber, 
Koch-heerd-steine, netzsenksteine; 
Silber schimmert, gold erglänzet. 
Felsen spiegeln sich im meere, 
Auch die sonnen, monde, sterne 
20. Blinken, lächeln, glänzen spiegelnd. 

Löst der sonnensohn sein schifflein, 
Nimmt von seinen besten leuten. 

1. Nach dem vortrage des läppen Leuhnje in Jukkasj&rvi auf- 
gezeichnet, aber auch in Herjedal von Sern Jü und Sikris Olofsons 
weihe vorgetragen. 

16. Aija-kedge eig. grossvaters steine. 80 wurden die mit wei- 
denruthen umgebundenen steine genannt, welche die netze an ihrem 
platze im see festhielten. 



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76 



Schwellend füllt der wind die segel, 
Treibt der Wassergeist das schifflein, 
Vorwärts führt die fluth die mäuner 
Und die Scheibe dreht das Steuer 
Und der Ostwind wiegt das schifflein, 
Dass es nicht den mond berühret, 
Nicht der sonne goldne scheibe. 
30. Mond und sonne, beide wurden 
Kleiner als der stern des nordens; 
Der wird grösser als die sonne, 
Wird ein licht von andrer art jetzt, 
Leuchtet roth und schimmert glänzend. 

Treiben jähre lang im meere, 
Endlich, da am schluss der reise 
Öffnet sich der Strand des riesen, 
Wurde sichtbar und erhob sich. 
40. Und des riesen junge tochter, 
Sie, des blinden greises näh'rin, 
Wäscht bei fackelschein die kleider, 
Klopft und schlägt die kleider fleissig, 
Spület sie und ringt sie aus dann, 
Macht sie trocken dann und säubert. 

Ihrem busen reiz verleihend 
Wendet schnell sie ihre blicke, 
Blickt den jüngling scharf ins auge: 
Sprich, wo kommst du her? wen suchst du? 
Kommst du zu des todes tischtuch, 
50. Meinem vater zur erlabung, 
Mir zu einem saugebissen, 
Meiner brüder müh', zu lohnen, 
Meinem schwager wohl zur mahlzeit? 

Der sonnensohn: 
Gab mir Sarakka vom vater 

49—53. Die riesin deutet darauf, dass der kleine ireradling nur 
um von den riesen gegessen zu werden gekommen ist. 



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77 

Starke sehnen, mächtige kräfte, 
Beider eitern kräfte mischend, 
In die milch mischt Uksa akka, 
In mein haupt goss sie verstand mir. 
60. Such', die mir im regen ruh' gibt, 
Eine die den zorn bezwinget, 
Glücklich folgt in tod und leben, 
Eine die im glucke mässigt, 
Eine die im Unglück schützet, 
Herzensqualen zu belohnen, 
Die in müh' und angst beruhigt, 
Mir beim fischfang vortheil zuspricht, 
Im entzücken gibt bewusstsein, 
Sprossen schenket unserm stamme. 

70. Die tochter des riesen: 
Jeder tropfen blutes siedet, 
Höher schwillt der jungfrau busen, 
Alle meine sinne dreh'n sich. 
Lass uns unser blut denn mischen, 
Lass uns unsre körper mischen, 
Mischen lass uns schmerz und freude, 
Du der fremden mutter sprössling! 
Meinem vater, meinem lieben, 
Sag' ich meinen wünsch, mein trachten, 

80. Meine bittren thräne rufen 
Meine mutter tief im grabe. 

(Der riese, welcher die absieht hat 
ihn zu essen sagt verächtlich): 
Komme windschnell, söhn der sonne! 
Des geschmeid'gen fingers krümmung 
Lass uns mit der hand versuchen, 
Wessen finger mehr geschmeidig, 
Wessen Zeigefinger fester. 

81. Wörtlich: meine mutter unter sand und birkenrinde. Die 
läppen begruben früher ihre todten in dieser weise. 



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78 



(Die tochter reicht dem jüngling ei- 
nen eisernen anker, den dieser dem rie- 
sen vorhält). 

Der riese: 
Wahrlich, hart genug sind mir des 
Sonnenhelden finger-sehnen, 
90. Hart des jünglings finger krttmmung. 

(Der sonnensohn gibt dann auf den 
rath der tochter dem alten als ver- 
bungsgaben) 

Eine tonne fett als braut-meth, 
Eine tonne theer als braut-trank, 
Einen ganzhufgen zum imbiss. 

(Der riese spricht): 
Süss, süss ist der Sonnenseite 
Brautmeth, gleitet leicht hinunter. 
Stark ist auch des sonnensohnes 
Brauttrank und den sinn verführend, 
Sehr verlockend ist der imbiss. 



Ach, nun wird er, ach, betrunken 
Und berauscht im harten köpfe, 
Drängt das fett des fisch's und holzes, 
Läuft zum herzen, es erweicht sich. 
Er ergriff den eisenanker, 
Schwitzet und wird immer heisser. 

100. Und der augenlose alte 

Stellt sie und gibt platz den beiden 
Auf dem feil des wasserherrschers, 
Ritzet ihre kleinenfinger, 



108. Bei den hochzeitsceremonien wurden die verderblichen kno- 
ten Uksakkas, d. i. die knoten der eifersucht gelöst; bei der Verlo- 
bung machte man nämlich zwei knoten. 



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79 



Mischet dann das blut der beiden. 
Fügt die hände, schooss zum schoosse, 
Knüpfet auch der küsse knoten, 
Schafft das hindernde bei seite, 
Löst die hände, löst die knoten. 
Hochzeitskessel bringt man, trinkt dann. 

110. Seiner Weberin, der braven, 

Seiner sehnen flechterin, der 

Seiner näherin, der einz'gen, 

Wählt er aus die hochzeitsgabe: 

Stücke gold vom klipp'gen strande 

Lässt er brechen, lässt er tragen, 

Silberbarr'n auf schiffen bringen, 

Und es- hilft der freund der jungfrau, 

Hilft der kransgelockte jiingling, 

In das schifflein, hanf-beflügelt, 
120. An den bord mit schlaffen segeln. 

Der riese fragt: 
Ist in deinem schiffe platz noch, 
Kann dein Schwimmer mehr noch tragen? 
„Wohl ist platz." — Und mehr noch gibt man. 

(Die braut) 
Lässt die jungfernschuhe fallen. 
Folgt dem dienst des fremden bruders, 
In den schütz der Schwiegermutter 
Und erhält den zauberschlüssel. 
Drauf drei kisten aus der hütte 
130. Führt sie weg, gemacht aus tannen: 
Blau die erste, roth die zweite, 
Weiss die dritt'; dazu drei knoten. 

(Die kisten enthalten) 
Krieg und frieden, blut und feuer, 
Krankheit, tod und böse seuche. 



128. Erhält ihn aus der heimlichen verwahrungsort. 



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80 



Und des badetuchs drei knoten, 
Sar- und Uks- und Madder-akkas, 

(verschaffen) 
Sanften Windhauch, wind und stürme. 
Keuschheitsknoten macht und gibt man 
In den schütz der Madderakka. 

140. Nun die söhn' vom fischfang kamen, 
Robben-, seehund-, wallfisch-fange, 
Suchten' s Schwesterchen. — Wo ist sie? 
Wo der hüttenmitte Schönheit? 
Nichts ist übrig als die spüren. 
Wessen schweiss war ihr so lieblich, 
Wess 1 geruch hat sie verlocket, 
Wem hat sie die hand gereichet, 
Wer hatt' kraft sie zu bewält'gen, 
Wer hat mann und frau gespielet, 

150. Wer spielt' gaukelnd mit dem mädchen, 
Hat Uksakkas thttr gestreichelt? 

Der riese: 
„Sonnensohn, die segel breitend." — 
Fliegt in's meer der brttder schifflein 
Zu verfolgen, nachzujagen, 
Um das füllen heim zu holen. 
Schon die ruderschläge hört man, 
Naher kommt des ruders knarren, 



135. Dem jungen weibe vertraute Mader akka drei kisten mit 
ihren schlüsseln; sie enthielten Zauberei, welche das weib bei noth 
brauchen konnte, so lange sie keusch blieb. Über die bedeutung der 
keuschheits knoten sagt v. Düben: Sanguis im coitu primo effusus 
lavando colligitur in linteolo et adservatur; nodi tres in tali linteolo 
facti „nodi virginitatis" appellantur et de his in poemate loquitur. — 
Durch anwendung dieser mittel konnte das weib in allen nöthen, und 
dabei in immer steigendem grade, hülfe bekommen unter anrufung 
des: Jubmel veres almen aööe Gott der fremde himmlische vater. 

143. kaska-kötm fauru ist eine benennung der töchter des hau- 
ses, welche sich in der mitte der kota aufhalten. 



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Und der wellen brausen, tosen. 
(Die braut) 
160. Löst zum schütz 'nen jungfernknoten, 
Daraus bläht ein wind die segel, 
Durch die wellen bricht das schifflein, 
Schleudert sie zu beiden Seiten, 
Und zurück die riesen bleiben. 
Härter griffen sie die rüder, 
Schweiss presst sich aus ihren äugen, 
Zorn, geschrei und drohung hört man, 
Und die galle kocht, die wuth brennt. 

Und die braut gedenkt des bräut'gams, 
170. Glänzt das auge und das herz klopft, 
Sehnt sich nach der hochzeit-freude, 
Und es schwellen ihre ädern, 
Und das blut durchströmt sie heftig. 
Fragt den bräut'gam, ihn verehrend: 
Duldet noch mehr wind dein schifflein? 
„Fest und stark sind mast und tauwerk. 
Löst des bluttuchs zweiten knoten, 
Da begann der wind aus westen 
180. Meereskinder zu erheben, 

Macht die segel voll und schwellend, 
Weit zurück die brtider bleiben. 

Kocht das blut, die räche dürstet, 
Strengen an die letzten kräfte, 
Wischen blutschweiss vom gesichte, 
Hände eifern, rücken beugen, 
Fäuste starren kalt am rüder. 
Werden warm, fort treibt das schifflein, 
Bricht des offnen meeres wogen, 
190. Kamen so dem boote näher. 
Die braut: 

„Duldet noch mehr wind dein schifflein, 
Duldet's stärkeren regenschauer?" — 
Löst der leinwand dritten knoten. 



Hma ra££a selbst ward böse, 
Und des Himnielsherrschers diener, 
Nordwind aus des himmels mitte 
Schickte stürm und bog die raaen, 
Hin und wieder schwankt das segel, 

200. Hüpft das boot, legt sich zur seite. 
Selbst die braut legt sich und fliehet 
In des bootes tiefsten boden 
Und verhüllt der äugen funken. 
Mit des Sonnenaufgangs leuchten 
Gingen auf den berg die brüder. 
Beider Schwester nachzuforschen. 
Und es schmelzte sie die sonne. 
Härtet 1 sie zu starren felsen, 
Sichtbar heute noch bei Vake, 

210. Auch das kupfer-boot ward felsen. 

Auf des bär'n und rennthiers-felle 
Feierte die braut die hochzeit, 
Wurde klein wie andre menschen. 
Mit der axt aus ihrer kiste 
Macht die thür man, macht sie breiter, 
Und vergrösserte die Stuben. 
Sie gebar die sonnenkinder, 
Sie gebar die Kallasöhne. 



Als der letzt' in Schweden endigt 
220. Der erschossne, unbeweibte (Karl XII), 
Zog ein andrer zweig nach Karjel, 
Noch ein andrer mehr nach Süden, 
Hinter Dänemark und Jutland. 

209. Vaake werden die Lofoden inseln, aber auch andere für 
das fischen ergiebige platze, von den läppen genannt. So erklärt 
Fjellner. 



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Pissan Passan pardne. 



Pissa, päivepelen sitai oive, 
Passa, ijapelen sitai oive neita, 
Leikä valdumin vuordnusam vuördnum 
Aijataka nalne: 

I kalk mubben elnien siele öouket 

Tan kute vuurdnusan töja. 

Tallak stalu olman häggam suolat, 

Ära hautem, äluv valtä. 

Nisun pitkam potkT,äpätera, 
10. Päterä avve vüölen. 

Tobb son pardnem kuoddä, 

Pardne ka££a: kolte mu a£ce? — 

„I pardnam tusne V aööe." 

Pardne kärdutalla: 

„Snottun le hurre, koppelen Öukee, 

Fidnalan le rieksak, äldnn le sarva, 

Sraalden le vibe, pridda le tävin, 

Ibken mon le kedgist niüorist saddan!" 
Pardne jäpist jäpist sadda, 
20. Olmaitüva, metsin va^ja, 

Ednebs talssa: „kutte P mu acCe? a 

Äska vastata: 

Aceat sarvab püokta possü nalmai, 

Te son ai püokta hankahlste, 

Sarvab sabbeki nalne kesa. 

„Ednam, ednam sardnu mu aöcen nämab." 

„ACcat püokta vuovde-vah^ejeb, 

Müoren, maren possü uahnai." 



84 



Kaptebs keäcadi, vuöigi kerrega kötai, 
30. Tasti vuölga kielain valta luotui edneb, 
Müreten märeten, jorrelen vieren; 
Murgestatta, piskastatta, 
Püokta possun nalmai. 
kötai cänga: 

„Ednam, ednam takka munji laipeb." 
Ednes laipeb laipü passa silai nalne. 
„Ednam kietainat vadde tab laipeb, 
Nicöe ednam vadde tall kiätabt!" 
Ednes kiätabs kalgi. Pardne 
40. Pahka-laipin kätab takcast: 

„Ednam, ednam kä le mu a£ce?" — 
„Pissa Passa, pardnam!" 

„Kobbu sodn? u — 
„Öappis äsin kalles süollet koddi, 
Valti älume, valti Hra hauteb. 
Jti leb mon tö värutara, 
I kalk cappis äsit altait, 
Baikkala pellt kaddit." 

„Olma' Iii' codcutam kerrega köteb, 

Kietpels nära, valtu nära, 
50. Jätan josteje lä' cogganaddam. 

Ednam, ednam, 

Vadde aöcan söte-sobbeb, 

Kobde accan söte-kapteb kalbuin, 

Varrekite krappukite." 

„Te mon aktuk pöres päiven päkkalab, 

I kuttek häggab morrete, 

lke pessi, saddui vuolan vuörkke." 

Pardne ednabs siunita, käna, vuölga, 

Cappis äse kece-kötai cänga, 
60. Cänga jätta: 

»Vajjebet jättebet ecete siti oivai: 

Te le nubbe Sita oive 

Tai sitai oive koiku pötam." 



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Hüren orje jufcca. 
Hüreskuce altagäsait kaska, 
Dmara&e, väralden aööen oivamus orje, 
Obluit vuoca, kalgata cäce-käreb. 



Kaggi va^a, aijai sardnu: 
„Te le nubbe siti oive pötam." — 
70. „Koöcubete nubben sitan oiveb 
Nubben sitan oiven kuössai. 
Man müotok le son?" — 

„Kaikaist oiven alieb hartuist, 
Kalba kop£a, päne' cuone' öeske' 
Söte-sobbe kiätan, krappuk, 
Söte-kapte süojal, 
Le harta', le takta'. 
Keure ströpa, jätan josteje jabraa, 
Ketpels nära' tfl ja sfl 
80. Teävan knökten pelen va^e'. 
Valtu nara' karvasin 

„Ceggebet mallaeav obbo tab stainam, 

Puoktebett roude sarkkab, 

Juoksit, nuolait, saitit, spaggakit." 

Pardne pöta, kähca oivesküreb caggi kccm, 

Soddi-kärbma' cadnasin, 

Masti mäna sälgait, nüolit tuostutalli. 

Jätab josta, hasta: 

„Hastab, hastab cäce keärki! — (i mietit). 
90. „Hastab, hastab öäce vüölai!" — (i vastet). 
„Hastab, hastab kiäta-kecit!" - 
„Hastab, hastab fatmatakil" - (i vastet). 



„Aijani, aijam kän le oivesküre?" — 
„Pissan Passan oivesküre! u — 
„Hastab, hastab nüolen nuönnai!" — 
Aija akkunasti YÜoca nüolab. 



86 



I pastam. 

Rohti, caska kedkai vuöstai: 

„Aijam, aijam, 
100. Kusne le tat nüola nüosatüvum?" 

„Pissan Passan pänin!" — 

„Oitu pane' kürain." — 

„Hastab, hastab saite-kecai!" — 

Röuca-saiteb juoksin vuoca. 

Spaggakine spijr^asta valta 

Pastat sökai, soijoldatta: 

„Koss tät tü saite soijolamV" — 

„Pissan Passan pänin!" — 

„Hastab, hastab spaggaki-spohkui!" 
110. Jutflgi-jüoksin ikkunasta 

Sälgatum spaggakeb luöita. 

Söte-sobbin vüojeje spaggakeb spohki, 

Valtä, kedki kaski jostist 

Soijaltatta, cuöpki, järä: 

„Aijam, aijaeis, knss tat tu spaggaka spohketi?" 
„Pissan Passan pänin!" — 
„Aha! pira le piäjun moskunum." — 
„Kuggus mon täll aijuv cuocelab, 
Uksa-raiken vai possu-raiken*?" — 
120. „0 pöte aijam täbka possu-raikeb." 

Aija vakne kiäta pöta, 

Pardne söte-sobbin tuöstu, 

Kurhte maddekist roggosta, 

Kuoude-sarkkan cangait 

Raddait tattal soijoldatta. 

Aija: „pötebet, pötebet vehken, 

Te läpa kuökten sitan oive' töjaladdemen." 

Almen Rädien oivamus orje 
Obluin vuoca kötem, mallas em (kobmit) 
130. Poltajatta. — 

„Pissut, passat tale 



Pissan Passan särttu stainen 15macin: u 
Kagge' pöte\ tatta kutte mördin, 
Tatta kutte meresin, tatta kutte aimin, 
Jacasa jüonain. 

Pissa Passan pardne taina stäluin neita, 

Näma, ädnaman vuoste jostist, 
Jostista jära: 

„Kobbam tall valja': kaddeb kuora' vai tana"? 
Kunnes le Pissan Passan ära haute, 
140. Kunne V Pissan Passan eälusärtta?" 

„Jubmelen oblu vaimub fahpudatta 

Juogu sielait celgi. 

Mi le ? todno juokatüvumin, 

Ku pasteb palkest, jus täl häggabt rotte?" — 

„Pissan Passan raugan ruöpses calme' 

Tollob vüoce' polte' svike'. 

Nubben almen käinub sädeta, cagga. 

Paits mon häggaines, taktines, 

Varrines, suonines vaste cäggab." 
150. Kobbab takka': kaddeb kuora' vai tana?" — 

„ Könne tuolge, kutte Pissab Passab siämada, 

Kutte andegaksi luoita? 

Takkum pargu le vuocatum nuola; 

Kutte jämeskuceit siämada?" — 

„Tc tab Jubmel siämaidatta, 

Jus le oblu cadätattam, 

Painara, mädduit cielgam 

Erit poldam, pivaltattam. 

Eö sikka, näma, siänada, siämastatta. 
160. Sodno le je£, i son le ku mon ja todn, 

I son le ku ton ja mon! 

Son jeö cälga, andagas luöita, 

Püorebaksi jorgala. 

Vall jec kalka ävuin tuöstut, 

Tat kalka sü oivamus täver, 



88 



Sü vaimun oivamus raukem. 

Ku i' poss, te oblu öapputatta, 

Peista, svika, paha-pelai öänga. 

Nubben aimun siäla' ä' adne 
170. Taktit odöit, lä' kuit lä\ 

A' sij saijeb valte, ä' pakte' päöastatte, 

Ä Eace cagga, ä kaskastatte, 

Sij ku süga' manne' cada ädnamab, 

Päiveb, manub nastit Eadatalle. 

I sije le aike, aike le kanttsemen 

Tuokai väsam. Submaisinne 

Vüosatalle taite kutte läve 

Skimasi skaimasi kaskan. 
180. Tä lä' muonasa', maite le llmaraööa tivvam, 

Rauke' tä ma lä' cappaitüvum. 

Te lä' vuöin sije lä' puore' paha', 

Ä sij änab aikeb, ä' saijeb valte. 

Ma lä almen kerdeb tuostum, 

Ma lä ködfub kerdeb tuostum vastaituvvum, 

Läpa akten ritoin mastataka, 

Apaken kosseken siänaitüva, aktaitüva, 

Aktelist lä läpan vuöstalakki, vuostalakki. 

Almen aööe jeC le jeö, 
190. I son le ku moi ja toi, toi ja moi. 

Jeö sodn almeb torju, 

Jeö sodn mubbeb aimub torju. 

Vuöinab sodn väja mädduit sikkat, 
Andegaksi luoitet, aipanattet, 
Vaimub lügetit, raukab öjudet, 
Öjutallet, laskatallet. 
Tie tal kaddeb kuorab, 
Oiterist, täverist lüovab. 
Aiter valtus älubs, 
200. Krem pidkain älutallab 
Paikala lullaö pelen, 
Te lä staibarite, 



Reppit Ammarta kiäraklte. 
Ikkeb änab madde ku 
Läna kadden luossa pöduit, 
Cukcan oiven pivduit. 

Pissan Passan pardne 
Peädnakines älust peleb porkki. 
Mannelt stalu jami. 
210. Jäggai öäce moive vuöllai frekatattm, 
Valtu nära' vuörkin taktitesa. 
Ketpels härait ose vaddui, 
Stälun katseje' olmabs cuomui. 

„I vüocatum varra. 
Lüges vaimuin huonab jorgoli 
Alias ednes koika. 
Leji okteb töjam, 
Müonasite laskalam akti. 
Edneb fatmadi päivepelen, 
220. ljapelen, kärreka köten 
Oivamus olma. 

Jü te acces käddit, 
Orrutakkait oddosti, ceggoi. 



Anmerkungen 



0. Die bedcutung des namens ist nicht bekannt; hängt 
vielleicht mit passe = f. pyhä heilig zusammen. 

1. In Sorsele sagt man päipel der abhang gegen Süden, 
örkke gegen norden, sonst gewöhnlich idkc ausgespro- 
chen. 

3. gdwöhnl. vuordnusav; das m gehört der südlicheren 
mundart, 

4. Mubben südlich, in Arjeplog: nubben. Mörtsells auf- 
zeichniing hat elme, eine form die in Asele gebraucht 
wird, in Arjeplog und Jokmok sagt man ilme: tanne 
ihnen in dieser weit, 

7. suolata wäre die vollst, form. 

8. ära haute eig. steingrube, später schatzgrube = f. aar- 
neen hauta stelle wo ein schätz verborgen liegt. 

9. Gewöhnlich: pidkam, podki; in Sorsele und Jokmok aber 
spricht man beinahe immer dk wie rk aus. 

12. kolle, nördlicher sagt man könne; so auch überall h£ 
statt cc. 

13. In der Gellivara gegend: tune. 

15. Snutten, hurre, cukce. M. 

16. sarvä; Sarves ist rennthierochsen, sarva elenthier, er- 
klärt Mörtsell. 

18. Saddam, supinum. M. 

19. jäke heisst in Norrland jähr. 

20. mehtsin. M. 

24. hankähiste. 

25. sabbek ist die benennung für Schneeschuhen in den ge- 
genden nördlich von Sorsele, wo sie treuka heissen, in 
Pite lappmark sippek. 



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26. näma bedeutet gew. das lange haar unter dem renn- 
thier hals, namma aber namen. 

29. kerreka kote nennt man die hüttc, wo sich der stamm 
zum rathschlagen versammelt; jetzt nennt man so die 
gerichtshäuser auf dem lande. 

30. luotui edne die mutter der Wähler. 
32. murgestatta, piskästatta. 

36. In den südlicheren dialekten sagt man sila, in den ge- 
genden nördlich von Sorsele hila kohl = f. hiili. 

37. In ganz Lappland hat das pron. im accus, täb, jnäb, 
auch wenn der acc. sonst andere endung braucht wie 
m, v. Es gehört der südlicheren mundart .sodn, todn 
u. s. w. zu sagen. — var. ketinat. 

42. Pissä Passä. kobba sonn M. eigentlich: in welcher rieh- 
tung er? 

43. cahpes, cäpes — ahsen, assen (ein hoher berg, wo die 
bäume nicht mehr gut gedeihen) suolht. M. 

46. nihee ednam M. Altait erklärt Düben, nach Fjellners 
angäbe, = alta vari die glänzenden berge, obwohl er 
Altai übersetzt; es seien doch berge ähnlichen namens 
im Tornio lappmark. Mörtsell erklärt es mit allatakait 
auf den höhen, aus alläk, wie melgätak aus melgä. 

47. Nach Düben (note) mUsste man hier an den Baikalber- 
gen denken, wie Fjellner annimmt. Eine Variante hat 
doch Baikab pele ja kadde. M. stellt es mit paihke 
gegend in Verbindung. 

48. euoheutam. — 

49. niära kinn, ehemals ein diener der in der nähe war; hier: 
der diener der einen hand. 

50. coggänädtam. — 

51. ednam. 

52. ahean. 

54. varrekit krappükit. varrek schtthe, mit denen man gut 
laufen kann, aus varret schnell laufen. Krappuk le- 
derne handschühe. 

55. pähkälab. 

56. morrete. 



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57. sadtui. M.; vuolai. 

58. ednäbs. 

61. vah^ebet, jähtebet ecäte sltf. Der gewöhnliche impe- 
rativ ist vahcet, jättet. Nubbe sitä ist nördl. dialekt, 
südlicher väre es mubbe sitan. 

64. juhcä. 

65. altagasait kaskä. 

66. Umärahce — ahcen. 

67. sv. lap. ubluit, obluit, hubluit. — kalgeta cace. 

68. «vahcä äjai. 

69. nubbi siti oive. 

70. kohcut wäre der imper. in Sorsele, Jämtland, Aijeplog. 

73. aDev härduist. 

74. kalba. 

77. härda'. 

78. keure ströpa, gew. jubma; keure ist die zaubertrau- 
mel, andere hatte man nicht. 

79. niära. 

80. vahce, valtü niära. 

82. mallaseb — stainav. 

83. puöktebet. 

83. Eine Variante hat: söte sarkkab; route, ruoute ist eisen, 
ruoude wird aber im nördl. dialekt als namen für einen 
ledernen rand an der naht gebraucht. 

84. 8paggäk heisst jetzt kein waffen, sondern ein langer Stab. 

85. keähca. — kiefcin; M. kiecesn. 

86. södi, in Sorsele südi eiter, soddi heisst gew. pfeil. In 
Mörtsells aufzeichnung heisst es: södi kärbmahit cad- 
nasen. 

88. jostä, hastä. 

89. keärak, kiärak Wasserfläche f. kärki spitze; kerrek M. 
hastav, hastav. 

91. kieöit; fadmatahki. 

96. ahkünasti. Nördlicher sagt man: ahkunasti, ihkunasti. 

97. i paste. 

98. rotti. 

100. nolssätüvura M.; auch nulsatüvum, -tuvvum. 



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102. oitü päne kuorain. M.; auch uihtu. 

103. saite keäcai. 

105. spaggäk 0 spi££usta; in der büchersprache speheätet. 
108. koss worauf, wohl für kosne lokat; saite soyölam. 
112. wohl spahki; M. hat spähki. 
115. koss — spaggäk spohkcti durchbrechen. 

117. peäjun. moske ein tiefes thal zwischen bergen ohne 
ausgang. 

118. aijuv sohnson und aijam grossvater werden als aus- 
drucke der höflichkeit gebraucht. 

119. uksä raihken — possü. 

120. auch tämka. Fj. 

121. väkne. 

123. roggöst. 

124. Variante söte sarkkan Fj. ceänge haken. 

125. schw. lp. teddet drücken. 

130. poltäjatta. 

131. lämacine. 

132. tahta kuhte; M. kute. 

138. statt tana (welches aus dem schwedischen stammt)^in- 
gen andere: palvala' dienen, ein wort welches nördli- 
cher vorkommt. 

139. Konnes. 

140. könne. 

141. Im norden jubmel, ibmel, in Umeä lapmark jubmel, süd- 
licher jupmel. 

142. cälgi. Das wort siela glänz, funken, der letzte strahl 
der sonne, leben, ist nach Fjellners auffassung kein lehn- 
wort aus dem schwedischen själ. 

144. pastebt palkestä — rottä; auch rohte. 

145. rauhkan schatten, ruopses. 

148. paits ton, paits mon vergeblich du, — ich. 

150. vai palvala 1 . 

151. tuolkü — sämada. 

152. andegaksi diese form aus Herjedal, in gewöhnlicher rede 
sagt man andagas = f. anteheksi, anteeksi. 

103. dahkum. 



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154. sämaidahta. 

158. poltam. piwal 0 . 

159. sänada. 

160. Son iö le 15. 

165. in der bilchersprache: tavver. 
16G. rauhkem. 

1G7. ku ton i' pöse wenn du dich darum nicht bekümmerst. — 
cahputahta. 

171. valte. pacastutte. 

172. kaskäs 0 . 

173. sügä. ädnämab. 

174. cadätalle. 

176. In Herjedal: tuokan — f. takana. 

177. kute. 

179. skimasi skaimasi zwei sehr dunkle Wörter. 

180. tivam. 

181. Nach cappait 0 folgt nach pädatum od. pädatüvum und 
podvutüvum. 

184. # kerteb schichte, kleid. 

185. -tüvum. 

188. In Umeä aktitest. 

193. son — sihkat. 

194. luoihtet aipänahtet. 

196. öjudet, laskalet oder laskelet, laskätet. 
198. aiterattes, täverittes. 

200. icem. 

201. lulloi. 
203. ämurt. 

208. peädnakines. 

210. ßiekätalli er wurde verborgen. 

211. taktites. 

213 kahtseje diener, von Piteä gegen norden palvelije'. cuovü. 
219. edneb fadmadatti. 

221. oivemus. 

222. Pardne tan mannela oddosti ceggi. 
Ahöes geäddü, pivvduit, rogkit, hankkait. 



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Der söhn des Pissa Passa. 

Aus Herjodal. 

Pissa, Häuptling der dörfer der Sonnenseite. 

Fassa, die häuptlingstochter der nächtlichen (nördlich 

gelegenen) dörfer. 
Hatten bei der hoehzeit einen cid geschworen 
Auf der bärenhaut: 

Nicht wird ein lichtfunken der zweiten weit glänzen 
Dem, welcher den cid bricht. 
Sogleich stiehlt ein stalu das leben des inannes 
Und nimmt fort seinen niedergegrabnen schätz sowie 

die heerde. 

Das weib reisst an sich einen häufen aus der heerde 

und flieht, 

10. Sie fliehet schwanger. 
Da gebärt sie einen söhn, 
Der söhn fragt: „wo ist mein vater'r 
,,Mein söhn, du hast keinen vater." 
Der söhn wiederholt: 

„Die birkhenne hat den birkhahn, die auerhenne ih- 
ren hahn, 

Die schneehenne hat ihren hahn, die rennthierkuh den 

ochsen, 

Die bärin hat den baren, das elenthier den elendochsen, 
Auch ich habe nicht den Ursprung aus stein oder bäum!" 
Der knabe wächst von jähr zu jähr, 
20. Wird männlich, jagt im walde, 

Beschwert seine mutter: „wer ist mein vater?" — 
Endlich antwortet sie: 

Dein vater bringt den elendochsen (lebendig) zur hin- 

terthür der hlitte, 



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9G 



Er bringt ihn auch her von der rennthierweide, 
Zieht ihn hieher auf den Schneeschuhen. 
„Mutter, rautter, sage mir den nainen meines vaters." 
„Der vater bringt den waldwanderer (bären) 
Brummend, brüllend zur hinterthür der hütte." 
Der knabe schürzet sein kleid auf, begibt sich zum hause 

der Volksversammlung, 
30. Zieht von dannen, fängt mit der schlinge die mutter der 

wälder (die bärin), 
Die murrende, brummende, welche sich dreht und wälzt; 
Er lässt sie murren, brummen und bringt sie zur thtir 

der hütte. 

Er geht hinein: 

„Mütterchen, mütterchen, mache mir ein brod." 
Die mutter backt ein brod und bratet es auf glühen- 
den kohlen. 

„Mütterchen gib mir das brod mit deiner hand, 
Liebe mutter gib mir deine hand." 
Die rautter reicht ihre hand, der söhn 
40. Drückt sie mit dem heissen brode: 

Mütterchen, mütterchen, wer ist mein vater? — 
Pi§sa Passa, mein söhn. — 

Wohin ging er? — 
Der greis der schwarzen alpe ermordete ihn heimlich, 
Nahm unsere heerde, nahm den verborgeneu schätz. 
Schon lange habe ich dich gewarnt, 
Auf den schwarzen bergen, den glänzenden nicht zu gehen, 
Nicht an den abhängen und ufern Baikkala s. 
(Der söhn sagt:) 

Männer haben gerichtversammlung gehalten, 
Die Sekundanten, die verberger des gefallenen (die tod- 

tengräber), 

50. Und der herold (der das gelübde ausruft) sind versammelt. 



50. Herold. Der zauberer (noaide) war bei einem kämpf sowohl 
Herausforderer, herold als richter. In der hand hielt er einen stab, den 
er in die erde stiess, wenn der zwiekampf aufhören sollte. Die hclfer, 
todtengräber und der zauberer verrichteten ihre dienste gegen lohn. 



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97 



Mütterchen, 

Gib mir meines vaters kriegsstab, 
Bedecke mich mit des vaters kriegskleid und mit sei- 
nem heim. 

Mit seinen schuhen und handschuhen. 
(Die mutter:) 

Jetzt werde ich in alten tagen allein verlassen, 
Niemand bekümmert sich um mein leben, niemand 
Verbirgt mich (als todt) in birkenrinde und sand. 
Der söhn segnet die mutter, umarmt sie und geht, 
Er tritt hinein in die letzte hütte des schwarzen berges, 
(30. Hineintretend sagt er: 

Geht, saget euern dorf-häuptlingen, 
Jetzt ist der häuptling des anderen dorfes 
Zu dem häuptling dieses dorfes gekommen. 

Hures diener donnert, 
Hureskutje schlägt blitze, 

Ilmaratje, der trefflichste diener des Weltbeherrschers, 
Schiesst seine keile, giesst wassermassen herunter. 

Ein diener geht, erzählet dem alten: 

Eben ist der häuptling des anderen dorfes gekommen. — 

(Der alte:) 

70 Ladet den häuptling des anderen dorfes 
Zum gast dieses dorfhäuptlings. 
Welcher gestalt ist er? — 

Von den schultern ist er ein haupt höher denn alle 

anderen, 

Der heim bedeckt ihn, die Zähne, die blicke leuchten 

hervor, 

Der streitstab in seiner band, 
Handschuhe und das kriegskleid schützen ihn. 
Er ist breitschulterig, mit starken beinen. 
Die zaubertrommel dröhnt, der herold tobt. 
Deiue und seine Sekundanten 

7 



98 



80. Wandeln an beiden Seiten der hügel, 

Die aufwärter für den fallenden stehen bereit — 
(Der alte:) 

Richtet eine mahlzeit an von dem ganzen rennthierkalb, 

Bringt mein eisernes (od. ledernes) hemd, 

Bogen, pfeile, spiesse und lanzen. 

Der jüngling kommt, er sieht eine hirnschale aufgespitzt. 

Giftschlangen aufgebunden, 

Aus welchen die kinder gift für die pfeile nahmen. 
(Der herold) ruft die forderung aus und spricht: 
Ich fordere, ich fordere ihn (zum kämpf) auf der Was- 
serfläche! — 
(man antwortet nicht). 
90. Ich fordere, ich fordere zum tauchen! — 

(man sagt nichts). 
Ich fordere, ich fordere zum händekampf! — 
Ich fordere, ich fordere zum ringen! — 



(Als niemand antwortet, sagt der jüngling:) 

Alter, alter, wessen ist die hirnschale? — 

Es ist Pissa Passa's hirnschale. — 

(Der herold:) Ich fordere, ich fordere auf pfeilspitze! 

Der alte schiesst einen pfeil aus dem fenster. 

Er drang nicht durch. 

Der jüngling riss ihn los und stoss ihn gegen einen stein : 
100. Alter, alter, 

Wo wurde dein pfeil stumpf? — 
Gegeu Pissa Passa's zahne. — 

(Der jüngling:) Wahrlich, die zahne hatten schrammen. 

(Der herold:) Ich fordere, ich fordere auf spiessesspitze. 

Der alte schiesst einen glühenden spiess mit dem bogen. 

Mit seiner lanze schlägt ihn der jüngling, 

Nimmt und stösst ihn in eine birke, daraufbiegt er ihn: 

Wo wurde dein spiess gebogen? — 

Gegen Pissa Passa's zähne. 

(Der herold:) Ich fordere, ich fordere auf zum lanzeu- 

kampf! — 



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99 



110. Mit dem fussbogen wirft der alte aus dem fenster 
Eine vergiftete lanze. 

Der jtingling schlägt die fliegende lanze mit seinem 

streitstab, 

Nimmt und stösst sie zwischen steine, 

Biegt und bricht sie ab, indem er fragt: 

Vater, alterchen, wo wurde deine lanze gebrochen? — 

Gegen Pissa Pa&a's zähne. — 

(Der jüngling:) Aha, der bär ist in seiner höhle einge- 
sperrt! — 

(Der alte :) Wo werde ich heraustreten, sohnsohn. 
Durch die vonlere oder hintere thür? — 
120. Oh, Väterchen, komm hier durch die hinterthür. — 
Der alte kommt bewaffnet, 
Der jüngling empfangt ihn mit dem streitstab, 
Greift ihn (reisst ihn zu sich) an der kehle (brusthöhle), 
Drückt die feder des kriegshemdes 
In die brüst und dreht sie um. 
Der alte: kommt, kommt zur hilfe, 
Jetzt ringen die häuptlinge zweier dörfer mit einander. 



Des himmelsherrschers trefflichster diener 
Schleudert seine blitze gegen die htitte, wirft um die 

kochende mahlzeit. 

130. Zündet an. 

(Der jüngling:) Jetzt wirst du gebraten und gewaschen 
In der fleischbrühe von Pissa Passas rennthieren! 
Die diener kommen, der eine mit dem hauholz, 
Der andere mit der axt, der dritte mit der nadel. 
Andere wieder mit anderen Sachen. 
Pissa PagsVs söhn druckt den greis nieder, 
Kr streichelt ihn, stösst ihn gegen die erde. 
Stösst ihn und fragt genau: 



129. blitze, eig. feuer-kngel. Die Lappen stellen sich deu blitz- 
strahl in der gestalt einer kugel vor. 



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100 



Welches wählst du, folgest du dem Strand (fliehest du 

aus dem lande) oder wirst du mein sklave? 
Wo ist Pissa Passa's verborgener schätz, 
140. Wo ist seine Viehherde? 

(Der herold:) Gottes blitz entweder schwärzt das herz 
Oder verkläret die seelen. 
Was bist du beim scheiden (aus dem leben), 
Wenn du den löffei wegwirfst, wenn man dein leben nun 

fortnimmt? 

(Der greis:) 

Pissa Passa's Schattens rothglänzende äugen 

Funkeln wie feuer, brennen mich, verzaubern. 

Er steht mir im zoro gegenüber, er verweigert mir den 

weg zur anderen weit. 
Vergebens mache ich ihn aufstehen mit leben, mit kno- 

chen, 

Mit blut und sehnen. 
150. Der jllngling: Welches wählst du, folgst du dem Strand 

oder wirst du mein sklave? 

(Der alte:) 

Wo ist eine versöhnungsgabe, welche Pissa Passa aus- 
söhnet. 

Welche dem verzeihen zutritt gibt? 

Vollführte handlung ist wie ein abgeschossener pfeil, 

Wer kann die todten besänftigen? — 

(Der herold:) 

Gott selbst kann zusammenfügen, 
Wenn sein blitz durchgedrungen ist, 
Farbe gegeben, die fehler aufgeklärt, 
Gänzlich verbrannt, aufgewännt hat. 
Er selbst wischet, streichet sie ab, er sühnt, vereinigt. 
160. Er selbst ist selbst, er ist nicht wie ich und du. 
Nicht wie du und ich! 
Er selbst verkläret und gibt Verzeihung, 

138. kaddem kuoret dem strande folgen d. i. in landesrlucht ge- 
hen, mit der Voraussetzung, dass es zu wasser geschiebt. 



» 



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101 



Und wendet alles zum besseren. 

Aber selbst muss man sie mit freuden empfangen, 

Sie wird der trefflichste schätz sein, 

Des herzens höchstes verlangen. 

Wenn du dich darum nicht bekümmerst, so schwärzt 

dich der blitz, 
Verdirbt, bezaubert, bringt dich nach der bösen seite. 
Die seelen der anderen weit haben nicht 
170. Knochen oder fleisch, und doch sind sie da fürwahr. 
Sie nehmen keinen räum ein, die felsen bedrängen sie 

nicht, 

Das wasser hindert sie nicht, ertränkt sie nicht. 
Sie sind wie gedanken, drängen durch erde, 
Sonne, mond und Sterne. 

Sie haben keine zeit, die zeit ist hinter ihnen vorbei- 
gegangen. 

Im träume 

Zeigen sie sich denen, welche 
Wahnsinnig oder geblendet sind. 

180. Das sind die unterirdischen, welche llmaracca geheilt hat; 
Unselige schatten sind die, welche schwarz geworden sind, 
(Welche besudelt und verunreinigt sind). 
Da sieht man sie nun, gute und schlechte, 
Sie nehmen nun mehr keine zeit, keinen räum ein. 
Einige haben das kleid des himmels bekommen, 
Die, welche das verkehrte kleid entgegen genommen, 

sind hässlich geworden, 
Sie sind immer in streit begriffen, unaufhörlich, 
Sie können niemals versöhnt und vereinigt werden, 
Immerwährend sind sie gegen einander. 
Der himmelsvater selbst ist selbst, 

190, Er ist nicht wie wir und ihr, ihr und wir, 
Er selbst regieret den himmel, 
Er selbst herrscht über die andere weit. 

(Der alte:) 

Ich sehe, er vermag die fehler wegzuwischen, 



102 



Zu verzeihen und sie verschwinden zu lassen, 
Das herz zu beruhigen, dem unglücklichen ruhe zu 

schenken, 

Er kann lindern, er kann eintracht herbeiführen. 

Nun werde ich dem strande folgen, 

Trenne mich von den schätzen und dem besitzer, 

Der besitzer mag selbst seine herde nehmen. 
200. Selbst werde ich mich mit einem häufen ernähren 

An der östlichen seite der hohen felsen, 

In dem hügeligen, steinigen lande, 

An den Rcppebergen, den obersten zweigen des Amniart 

Ich verlange nichts mehr als 

Die lachsdämme am ufer des Läna, 

Die fangststellen am Auerhahnsberge. 
Der söhn Pissa Passas 

Riss die hälfte der herde mit hülfe seines hundes los. 

Darauf starb der alte riese. 
210. Im moore unter wasser und schlämm wurde er be- 
graben, 

Die besorger des gefallenen verwahrten seine gebeine. 
Einen theil des besitzes gab er den Sekundanten, 
Die hausleute des alten folgten ihrem manne. 
Der jüngling: Blut ist nicht vergossen. — 
Mit beruhigtem herzen wandte er das gesicht gegen 

westen 

Nach seiner mutter hin. 
Er hatte den stürm gebrochen, 
Die todten mit einander versöhnet. 
Seine mutter umarmte er, der Sonnenseite, 
220. Der nachtseite, des volksversammlungshauses 
Trefflichster mann. 
Und so erneuerte und errichtete er 
Die wälle und aufenthaltsorte seines vaters. 

203 Ammurt heisst ein berg im nordwestlichen theile des kircli- 
spiels Sorscle. 



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3. 



Päive neita. 1 

Kolgus pardne kuöked päivcn, 
Pakte-Ii hpcn nuolisne däjgan, 
Veidnije Päive neitem ftihkan. 

Näka, näka suolge ja loudalle, 
Päive neita jattä: 
Jfi gu jü äljutallejim däle 
Vuoidna, vuoidna niära dist däle, 
Ulle dass ei ulle. 

Vuoidna däle, minuelte va^e, vuojet, 
10. lhke maite ktilla, V kalk puostalen vardasit. 

Päive neit iö oudelte va$ja 

Ja älu minnelt jügu lambce juhta. 

Da goula olvas aitem minnelist 

Cuöca, olvas dahte toltta. 

Kalkes pluöhkije, pässkadit, 

Koulä kalkes vuoö&je, tije plidket. 

Ou ku pidket, 

Tije minneke frtidke. 

Päive neita: 
20. „Vuojehte, vuojeht akten halkisen, 

Kosse gülla minneliste niddark, 

Prädkät tije raddike kirralle, 

Vassa, va^sa vuojeten." 

Kosse ku värda minnelist nüen luötten, 

Te postolin plidketi, 



I. Im dialekt des Hcrjedal heisst sie Peijcn neida Eine Variante 
der hier gegebenen erzahlung kommt bei Düben, Lappland s. 336, vor. 
Sonst erzählt man allerlei sagen über P. neita, die meisten in Herjedal. 



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104 



Tije kaskatalvejas Öuopkäne, 
Ja kottine satla. 

Vufi lüli tehti arekes paha lüli kotti almacen. 
Päive neita jahta: 
Jü gu jü olma dass eji. 
Köte dägamisne ja duörkastemisne 
pihkamde : 
30. . Kapce däl vel kaikke raike, 
Ulles aktege vuodne, 
Tije kapcate ja aktak jahta: 
foppist kalka vissit kaikit kapcetit. 
Tije lace Päive neita 
Tibraab vüogas ödädakkam. 
0 di ariden vuoptestapan. 
Päive unne raiken cadda. 
Päive neita jahta: 

ö! Afccenne ednenne calmft vuoidnam, 
40. Ja fruodkat ulkus aipan ja jelinne mimiesne. 
Pöca tisse kedkme karras, 
Kedkine pakeekattin. 



Anmerkungen. 

0. Aus einem lieft mit Überschrift: Jukkasjärvi 1821; die 
spräche ist mir theilweise unklar. 

2. Utsj. dial. vüölis. 

3. veidncj, utsj. oini. Herjedal: cihkit. 
6. äljehtallejijem. — 7. vuoina. 

10. mam. — 11. oudenne. 

12. Utsj. läu^i zügel. 

13. gülle olvus. Utsj. kulla holvus aitim. 

14. Utsj. cuocit haften. — 21. koass. 
24. luöddene. — 26. Utsj. cuovkkani. 

29. Utsj. takkainist, tuorkastümist. 

30. Utsj. koufa täl, 31 amas oktage oaini, 32. Te koucati. 
33. Utsj. cappit, 34 läci, 35 oadadak. 37. cada. 



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Die Sonnenjungfrau 



An einem sonnenhellen tag ein fauler mann 

Sah unter einem felsenblock, der drohend hing. 

Die Sonnenjungfrau sitzen. 

Er schleichet sachte hin und nimmt sie fest. 

Die sonnenjungfrau spricht: 

Ja, ja wohl ich wurde machtlos, 

Sieh doch zu, du männchen, siehe, 

Lass das nun sein. 

Gib nun acht, geh hinter mir und treib' die heerde. 
10. Was du auch immer hören magst, nicht schaue rück- 
wärts. 

Voran geht die sonnenjungfrau. 
Hinter ihr folgt die heerde wie mit zügel gehalten. 
Da hört er eine fürchterliche drohung hinter sich, 
Man greift ihn an und drohet fürchterlich, 
Man wird ihn zerschmettern und stechen. 
Man wird nach im schiessen, hört er, 
Und er schielt nach hinten. 
Im selben augenblick, da er nach hinten sieht, 
Verschwindet der hintere theil der heerde. 
Die sonnenjungfrau sagt: 
20. „Treibe, treibe die heerde fortwährend rufend. 
Wenn er sie dicht hinter sich hört, 
Schwell 1 auf, und die rennthiere an den seitcn eilen fort; 
Gehe, gehe, treibe sie." 

Als es hinter ihm wie ein stürm brausend losbrach, 
Blickte er wieder zurück, 

Und nun ging auch die mitte der heerde verloren 
Und wurde zu wilden rennthieren. 



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106 



Sonst wären sie (das eigenthurn) des faulen schlechten 

mannes gewesen. 

Die sonnenjungfrau sagte (verstimmt): 

Nun, nun, der mann fehlte wieder. 

Als sie die hütte bauen und den boden mit reisern be- 
decken, unterrichtet sie ihn: 
:*0. Hedecke nun wohl alle löcher, 

Dass es kein einziges da gibt. 

Nun denkt er und sagt für sich: 

(ienau muss man und sorgfallig alle decken. 

Dann bereitete die sonnenjungfrau 

Kin weiches passendes bett. 

Als sie sehr früh erwachten, 

Schien die sonne durch ein kleines loch, 

Und die sonnenjungfrau sprach: 

„Ach, ich sehe die äugen unseres vaters, unserer muttcr;" 
10. Und sie flieht schnell hinaus, 

Verschwindet, und nach ihr die heerde, 

Die rennthiere werden harte steine 

Und man hegt scheu vor ihnen. 



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Kassa Muödda. « 



M.ma' neidaca' pärnaca* 
Stokagötin, soltagötin, 
Kahpadallin haskadallin 
Aja 1 kuöräm luoddit luöitin. 

Stälu roudutis rapasti 
Cäcai coggi, moivai eiegai. 
Aijafts aigumims aici, 
Förrien suölasit sattuit, 
Paska pöukaram cängeli, 
10. Peibarin roudit velledi. 
Stälu pudoms oppa. 
Aha, haha' 

Poris panne pahtatalli, 
Kalmi tassa. 

Stälu kuodda kohtsustasta 
Suöva muoran ätsuln. 

Uhöe stäluc: 
Ke, ke, 

Nirvutalla, narvutalla! 
Nuppe: 

Ton dat nirvutahV narvutalla', 
Vall i Jupmel lahje. 

Aija jürtaca: 
20. Jo Jupmelam son meit tieda 

Stälu: 

Te te tal jü suddogöta. 



J. In Hcrjedal und Sorsclo sagt man Kissa muodda. 



108 



Tievai tuokin äbnastalla, 
Vartä, varä, cuöhpa cäkka. 
Possu bald im! kaugelm gohpa. 

Pöresab päraai: 
^Painam buörram ve^a vedkain. 4 * 
Pöres podue vedkam vuöggäst(a). 

Uhöe stälu : 
Ahcam te kahca, ahcam te svihöa, 
Ahcam te merresam düohpi! 

Stälu: 
Joika, vuolutalla, äca, 
30. 1 küla, i kekse, i tcde. 
Aija pöresab bärnen 
Oivai losskall. jämas jaukall. 

Stälu: 

Kohkahä, joikotä, vuortä. 

Nuoreb barnai: 

viedkanij vargi, vargi: 

Aija 

Maunjeban meit kallum luösa, 
Vuöingamit luövas loggasta, 
Jenan beggait potkudasta. 

Stälu: 

Te dal madderit mo^uban, 
Cahkit cougait jorruhtäban, 
.liö mun dauk jic tuobbistastam. 

Aija 

40. Bisim possu paldam vedkain 
Värutalla, va^atalla. 
JiS-acan oivem oivadi, 



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Kobda kallum küovalti, 
Öalminis, liuöninis coglasti, 
Olmu-porrien malern leikki, 
Maiges raalin loiduit leibai. 

Luhdac loiduin loipartallä, 
Snuoggä, snürrE, haksatallä, 
Possun cada pöteit, 
50. Peiparite tuostutallä, 
Ketain karffü, kerjutulla : 
Palku, palku peura juölkit. 
Allu palku kalsu-juölkit' 

Kuktis tat täl nattita 
Ku taht tahtak jica! 

Luhdac: 
Mijas rüottä, ruöskä, suddä. 

V 

Silasiu suovasm snüddä, 
Plohkä, paukä, spohkäV 
Cuönitet, cuönitet ealmficani, 
GO. Tolkka niaddegist cougastet 
Calmacani, cuönacam sierret ! 

Aija: 

Podriaeat, calmacat pünmii'! 

Luhdac: 
Coivastam cälmaram pönam, 
.luglucam, pähcicam, mrumam! 

Kassa muödda pfijuhten (päjutin) vui'ilgä. 



Anmerkungen 



2. stökagötin, sollogötin. 
4. schw. lap. kuoren prope, penes. 
6. cegai. schw. lap. eaket verbergen. 
8. Bornen, 9. baska böuk 0 . 

10. Beibarin röudit u. s. w. in vielen Wörtern mit anlau- 
tender media, nach der südlichen, dem norwegisch-lap- 
pischen ähnlichen ausspräche. 

12. Böres banne battatalli. s. 1. pettatallet; Friis: pättatalai. 

17. nirvuhallä, narvuhallä, in Herjedal: nirvutallä, narvut°. 

19. vall I Ipmel; Herjedal: vall i Jupmel Iah je vaddas. 

20. ton meit tedahk. 

23. H. cähka. 24. palda, palden prope. 

25. i. e. kötist. Herjedal: viedkam, vierkam. 

26. Nach diesem vers hat eine Variante sogleich den v. 31. 
Vv. 27 — 34. gehören der Sorsele aufzeichnung. Variante: 
jü svihca, jü gähöa, jü merresa (vel pesesa) tüopi. 

27. In Sorsele hatte eine Variante die ich hörte: 

ahcam, ahcam, calme jollare. 
32. juöikotä. 33. vetkam. 

34. Die büchersprache: mange, mangeba der folgende. 

35. loggastä. 

37. Tie v. die dal — mo^ustäpan. 

38. Öuöigait, H. cougait. 

39. duöppestastam. dauk s= f. toki. 

40. Tomio: bissim, bisim. 42. H. oivasen oivadi. 

45. porrin. 47. Lüda£, Ludac, Luohdaä — bibardalla. 
48. snüdda, haksahalla. 

50. Beibarite tuöstuhalla. 54. Kuktis dät nattita. 
5G. leibai. ruotta, rudska, snüdda, plohka u. s. w. 
60. Dnölhke maddegest, 01. calmäcam, cüönäcam. 
62. calmäfat pönuudi". 



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m « 

Der dickpelz. 1 



Es pflegten die kinder, mädchen und knabcn. 

Zu spielen und singen, 

Hüpfend herumzulaufen und zu treten. 

Am rand der quelle die spuren ihrer fiisse zu lassen. 

Der Stähl öffnete seine eisernen fallen, 
That sie in das wasser hinein, verbarg sie in den schlämm. 
Der alte läppe wurde seine absieht gewahr. 
Des menschenfressers heimliche fallen. 
Schlich hinein in den engen pelz, 
10. Legte sich in das bärenfangeisen. 
Stälu besucht seine fallen: 
Aha, haha! 

Der alte kamerad hat sich getäuscht. 
Er starb hier. 

Der stalu trägt ihn nach hause und befestigt ihn 
Über dem dachsparren im rauche. 

Der jüngste stalu sagt: 
Siehe, siehe, 

Wie er greinet, wie er grinset! 

Der andere (ältere) söhn: 
Du selbst greinest, grinsest, 
Nicht aber diese Gottes gäbe. 

I. In der gegenwärtigen gestalt, die ziemlich genau mit der von 
Düben mitgel heilten Übersetzung (Om Lapplaud och Lapparne s. 337) 
übereinstimmt, ist diese erzählung im Tornio lappmark (Karesuando) 
aufgezeichnet. Eine kürzere Variante aus südlicherer gegend habe ich 
nach Fjcllners dictamen in den anmerkungen gegeben. Nach L. Lie- 
stadiu's aufzeichnung gibt Friis in seiner mythologi a. 78 eine etwas 
längere fassung in norwegischer Übersetzung. 



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112 



Der alte läppe denkt: 
20. Von Gott weiss auch er was. 

Stalu : 

Ja, ja, er fangt schon an aufzathauen. 
Hinter dem hilgel haut er holz zum tröge. 
Fällt es, nimmt zweige fort, haut und schneidet, 
Höhlt es aus zu einem tröge dicht an der hinterthür 

(possu). 

Zum älteren söhne: 
Liebes kind, bring mir das bei] (aus der hütte). 
Der alte läppe nimmt das heil fort. 

Der jüngere stalu: 
Vater, nun blickt er empor, nun bewegt er sich, 
Jetzt fasst er auch das beil! 

Stalu 

Freut sich, singt und donnert, 
30. Kr hört nichts, er bemerkt nichts, weiss von nichts. 

Der alte 

Schlägt, (dem älteren knaben) an deu köpf und schlägt 

ihn todt 

Stalu 

Findet dass er zögert, er singt und wartet. 

Er sagt zum jüngeren söhne: 
Bring du mir das heil, eile, eile! 

Der alte läppe 
Spaltete auch diesem folgenden die himschale, 
Nahm das gehirn heraus und 
Schnitt den luftgeber der stimme ab. 

Stalu (hört es): 
Alle ecken kehren sie um, 
Verdrehen köpfe und äugen. 
Selbst muss ich wohl das beil holen. 



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113 

Der alte 

40. Wartet behutsam auf ihn mit dem beil zwischen der thür 

und dem possu, 

Wartet und läuft hin und her. 

Er zielte einen hieb gegen das haupt des schrecklichen, 
Durchbrach die breite hirnschale, 
Riss heraus äugen und nase, 
Vergoss des menschenfressers blut, 
Das ekelige blut färbte die tritte. 

(Der alte Lappe trägt die geschlagenen heraus, haut 
sie in stücke und wirft ein stück nach dem anderen der 
Ludac zu, die inzwischen nach hause gekommen ist). 
Ludac tappet herum auf dem fussboden, 
Riechet, wittert, freut sich 
Über das was in das possu kommt. 
50. Sie nimmt den fang entgegen, 

Streichelt ihn mit den händen und ruft ärgerlich: 
Wirf hieher nur rennthierftisse, 
Wirf nicht strumpfbekleidete ftisse! 

(Sie fährt fort, indem sie von der auf dem manne 
und den kindem gekochten suppe isst:) 
Wie dies doch schmeckt 
Wie nach ihm selbst! 

(Der läppe nimmt die äugen des weibes, welche un- 
ter der thürschwelle liegen, bratet sie in einer pfanne; 
sie hört es und fragt:) 
Was knistert, prasselt, sauset, 
Was zischet auf den kohlen, 
Berstet, platzet, krachet? 
Schauet, meine äugen, 
60. Werdet hell unter dem thllrpfosten, 

Werdet klar, meine äugen, meine funken! 

47. Das weib Stalu's wird wanze (lnhdaoA genannt, weil sie mit 
eiiier eisernen röhre das blut aus dem körper der menschen trinkt. 

8 



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114 



Der läppe: 

Deinen mann, deine äugen hast du ins fett getunkt und 

gegessen. 

Luda£: 

Im magen sind meine äugen, mein mann, 

Meine kleine eule, der liebe knabe, meiu kleiner! 

(Der dickpelz, der läppe, geht spottend fort). 

64. jugluc: nachteule, so werden die kleinen kinder schmeichelnd 
genannt, da sie mit grossen angen hernmschanen. 



5. 

Morse faurog. 

Pastos paivva Kiufwresist javrra One Iavvra 

los kaosa kirrakeid korngatzim 

la tiedadzim man oiinvmam jaufre Orre javvra 

Ma tangast lomest lie sun lie 

Kaika taidte mooraid dzim soopadzim 

Mak taeben saddesist oddasist 

Ia poaka taida?ousid dzim karsadzim 

Makqvvodde roamaid poorid ronaid 

Kuliked palvvaid timsuttatim 

Mak kulkivvoasta Jaufrae Orre Jaufra?. 

los mun taeckas dzim kirdadzim s»a?st vvorodzasa?a?st 

iE muste lae saca? dsiodgai sa?a) maina taoekao kirdadzim 

JSka he Julgae songiaga Julgre, a?ka?lse shedza 

Fauron sietza, inaan koimalusad 

Dzim norbadzim. 

Kalle ju heck kucka madzie vvordamadzie 
Morredabboit dadd paivvidad, linnasabboid 
Dadd salmi dadd liegae sabboid vvaimodadd 
Ius kuckas sick pataridziek 



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115 



Tannagtied sarga dzien insadzim 

Mi os matta heda sabbo korrasabbö 

Nu ly paddae soona paddae, ia salwam route salvvam 

Kaek dziabraeisiste karrasist«. 

Ia kaesas myna, t83m aiwita?m punie poaka 

Taomae jardsekita'inaß Paine miela 

Pi»gga miela noara iorda kockes jordae 

los taidae poakaid laem kuldadsem 

Luida?m radda vvwra radda 

Ouita lie miela oudas vvaldaman 

Nute tiedam poreponne oudastan man kauneman. 

Dies gedieht ist in Joan. Schefferi Lappoma, Frank- 
furt 1073 s. 283 abgedruckt. Die ortografie ist sehr inkor- 
rekt, wodurch einige Wörter gar nicht zu ermitteln sind, be- 
sonders da bei dem mündlichen vortrage gewisse silben, wie 
es scheint, wiederholt wurden. Ich füge hier eine Übersetz- 
ung bei im Utsjoki dialekt, die ich zum grössten theil mit 
hülfe Aslak Laiti's gemacht habe. Die überhaupt treue la- 
teinische version bei Scheffer leidet doch an einigen fehlem; 
vergleiche hiermit die ziemlich genaue fassung in Herders 
„Stimmen der Völker in Hedem", Upsala 1815 s. 107, aus 
Kleist's nachbildung bekannt. 

Die drei hier genannten entenarten sind: eoadki schwed. 
knipa, t'uädnag vildgäs und ßiksa gen. öiuvssa arta. 



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5 b). 

Moarssi fauru. 

Paittus päivvi kieurrat (karrasit) jaurrai, orri jaurrai, 

Juös kuossa kierragi körüusim, 

Ja tiedäsim mon oainam jäurri, 

Man tanas loamist lä, son lä (lii^.Ja). 

Kaik (puok) tait muorait cuoppasim, 

Mak tilppi säddik ottdasist 

Ja puök tait oussit kärsasim, 

Mak kuodde roamaid pörid ronaid, 

Kuliked palwaid — 

Mak kulki vuösta jäurri, Orri jäurri. 

Juös mon tokkü kirtasim vuoracas soajain (soajaisist, iness.). 

I must läk soadja, Eoadki soadja, tokkü kirtäsmi, 

I(ge) läk juölggi, cuädnag juölggi, Ige läk Ciuvssa, 

Faurus ciuvssa (nom. Eiksa), maina — nuorbasim. 

Källi jo läk kukka vuördamas (vuördam), 

Morratabbuit päividad, lidnisabbuid, 

Tat calbmi lä liäggas, cäppa vaimudad (vaibmut). 

Juös kukkas — pätarivcik, 

Tannaken (? almaken) farga jüvsasim. 

Mi matta lät karrasabbu (-subbu). 

Nu lä pätta, suodna pätta ja ruövdi — 

Kük — karrasiste? 

Ja keässa min, oiviteme, 

Podnja puok jurdakiteme. 

Pardni miella piägga miella, 

Nuora jurta kukkis jurta. 

Juös tait puokkait Ulm kuldalam, 

Luöitam radi, värri radi 

Outa (ütsjoki: okta) le miella audas valdaman, 
Nu te tiedam puöribun oudastam mon kaunam. 



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Die Schönheit der braut. 



Sonne, scheine kräftig über den Orri-see! 

Ich möchte steigen auf die gipfel der flehten, 

Wtisst' ich nur, ich sähe den Orri-see, 

Und wo sie geht unter dem haidekraut. 

Ich schnitt' ihnen ab die zweige, 

Welche hier von neuem wachsen, 

Und alle die ästchen würde ich absehneiden, 

Welche gute grünliche knospen trugen. 

Ich (folgte) dem laufe der wölken, 

Welche gegen den Orri-see gingen, 

Wenn ich dorthin flöge mit den flUgeln der krähe. 

Aber mir fehlen die flügel, entenflügel, um dorthin zu fliegen, 

Und auch ftisse, gänsefösse, der schönen ente füsse, 

Mit welchen ich still zu dir fahren könnte. 

Lange genug hast du gewartet, 

So viele tage, deine schönsten tage, 

Dein auge ist lieblich, dein herz freundlich. 

Wolltest du mir auch weit entfliehen, 

Schnell doch holte ich dich ein. 

Was kann wohl stärker sein 

Als gespannte nerven und eisen ketten, 

Welche fest (verbinden)? 

So umschlingt unser haupt (die liebe) 

Und verbindet alle unsre gedanken. 

Knabenwille ist windeswille, 

Jttnglingsgedanken sind lange gedanken. 

Wollt' ich sie alle hören, 

Ich irrte ab vom wege. 

Ein entschluss hab' ich, dem will ich folgen, 

So weiss ich, ich finde den besseren weg vor mir. 



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6. 



Kulnasatz. 

Kulnasatz niraosam eeugaos joao audas jordec skaodc 

Nurte vvaota vvaolges skaode 

Abeide kockit laidi ede 

Fauruoghaoidhe sadiede 

/Kllao momiaiat kuckan kaigewarri. 

Patzao buaorest kaellueiaur tuuni 

Maode paoti millasan 

Kaiga vvaonaide vvaiedin 

Aogo niraome buaorebsest 

Nute aotzaon sargabeest 

Taide sun monia Iii aigaomass 

Saraogaom vvaolgatamass 

los iuao sarga aoinasim 

Kiuresam katzesim 

Kulnaasatz nirasam 

Katze aoinakaos tun su salm. 



Schefferi Lapponia s. 282, wo auch die folgende la- 
teinische Übersetzung sich findet; vgl Herders „Stimmen der 
Völker", s. 109. Dieses ist das original des bekannten He- 
iles von Franzdn: „ Spring min snälla rcn." 

Kulnasatz, rangifer meus parvus, propcrandum nobis 
iterque porro faciendum, loca uliginosa vasta sunt, et can- 
tiones nos deficiunt. Ne tarnen tcediosus mihi palus kaige 
es, tibi palus kailvva dico vale. Multa; cogitationes animum 
meum subeunt, dum per paludem kaige vehor. Rangifer 
meus simus agiles levesque, sie citius absolvemus laborem, 
eoque veniemus, quo destinamus, ubi videbo amicam meam 
ambulantem. Kulnasatz rangifer meus prospice ac vide, ut- 
rum non cernas eam se lavantem. 



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110 



An das rennthier. 

Kulnasaz, rennthierchen, lieb rennthierchen, lass uns flink sein, 
Lass uns fliegen, bald an stell' und ort sein! 
Sitmpfe sind noch weit daher, 
Und haben fast kein lied mehr. 

Sieh da, dich mag ich leiden, Kaiga-see, 
Leb wohl, du guter Kallva-see, 
Viel schlägt mir's schon das herze 
Aufm lieben Kaiga-see. 

Auf, rennthierchen liebes, auf, 
Fliege, fliege deinen lauf! 
Dass wir bald an steh" und ort sein, 
Bald uns unsrer arbeit freun. 

Bald ich meine liebe seh — 
Auf, rennthierchen, blick und sieh! 
Kulnasatzlein, siehst du sie 
Nicht schon baden? 



7. 

Pätso-jouikem. 

Altan miesche rontja 
Viälka kiechten kulman sierken, 
Kraukjen mottjem rüde puoiltum 
Tschautesta beijessä vuaren tschorrai nille. 

Nach dem dialekt in Utsjoki, der nördlichsten finni- 
schen Lappmark, würden diese strofen lauten: 
Aldu miesi poacu 
Vuälgä kuövti kolma suärki, 
Räppü motti sajist ladna mäcist. 
Ko pajas pässam lä, livvu son värri cokka ala. 



120 



Rennthier-Iied. 

Die rennthierkuh, das kalb, der zugochs 
Wandert zwei, drei wege, 

Blökt an manchen orten und in dem jungen walde. 
Nachdem er hinaufgekommen ist, legt er sich nieder auf den 

kämm des berges. 

Die obigen zeilen wurden in Stockholm vor etwa fünf- 
zig jähren von C. A. Gottlund nach dem gesang eines jun- 
gen läppen Anders Olaus aus Ovik-fjäll, im kirchspiel Hede 
Herjedais lehn, aufgezeichnet. Wie die folgenden zwei kur- 
zen strofen sind sie in Gottlunds Otava, eli suomalaisia hu- 
vituksia, n Stockholm 1832 s. 220 ff. gedruckt. Ich gebe 
sie ganz nach Gottlunds ortografie wieder, und fuge noch 
für die zwei ersten eine transcription in dem Utsjoki dialekt 
bei, die ich mit hülfe des lappisch geborenen Aslak Laiti 
niedergeschrieben habe. 



8. 

Jöijuhtahta uhtje maanai piijeln. 

Korko graddnam, korko graddnam! 
Pätheh, pätheh — keseh, keseh 
Manav jaurai, 
Vuobtalabtjijn'! 
Vanah, vanah. 

Im Utsjoki dialekt: 

Kotka skipparam, kotka skipparam! 
Poadi, poadi — keäsi, keäsi 
Mäna jaurai 
Vuoktaläucm! 
Vana, vana. 



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121 



Lied für kleine kinder. 

Liebe ameise, liebe ameise, 
Komm, komm! ziehe, ziehe 
Das kind in den see 
Mit haar-zügeln ; 
Ziehe, ziehe. 

Dieses und das folgende kurze lied hörte der schwe- 
dische prediger Petr. Lcestadius, der sehr lange unter den 
Lappen thätig war, von Lappen in Arjeplog und Lykselc 
Lappmark singen. Er theilte sie herrn Gottlund mit. 

Otava II, 223. 



9. . 

Bijern-jöijuhtahta. 

Puoltajam, puoltajam, 
Tjoddscheleh, tjoddscheleh (cuöjjeli)! 
Lasta Iii stuores koh 
Snjeratscha pelje. 

Bärenlied. 

Bergalter, bergalter, 

Stehe auf, stehe auf. 

Schon sind die blätter gross wie 

Mäuse-ohren. 

Otava II, 224. 



Hier folgen sechs lieder und epigramme, genau nach 
Fjellner's dictamen aufgezeichnet, die drei ersten mit hülfe 
einer mehr als fünfzigjährigen handschrift. Die spräche ist 
fehlerhaft und Fj ellner selbst konnte nicht immer die dunk- 
len ausdrücke erklären; das zweite stück ist daher nicht 
recht deutlich. Dass sie dennoch volksthümliche Überliefe- 
rungen sind, wahrscheinlich im norwegischen dialekt ursprüng- 



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122 



lieh verfasst, scheint unter anderem daraus hervorzugehen, 
dass Fjellner den ausdruck im ersten stück: kuöktctn auöam 
galka vä$aöit nicht zu übersetzen im stände war; er kannte 
nämlich nur ein wort auöo acies, nicht das norwegisch-lappi- 
sche avöa, utsjoki äu$ thal, welches sehr gut zur folgenden 
zeile stimmt. Ich nehme sie dennoch hier auf, vielleicht fin- 
den sich anderswo deutlichere Varianten. 



10. 

Lüondus vüole'. 

Uija, jaija, jaija, 

Tan mu Sagen gälimen (? galim) 

Bira vüomem värem 

Sohka juolgaki koika. 

Kuoktem aucam 1 galke vä,$a£it, 

Kuoktem cäcem galka kali\ 

Eccn guit mu süga dudne euopeat, 

Datne neita ussat, 

Mon läm dat aine Marien pardne. 

Röute raupen sölim galka juohti, 

Kosse galk neitc tatne täm ciddetit. 

Lied zum glück beim werben. 

Ach, 

Wie meine Sehnsucht gewatet hat 
Um wald und berge 
Nach den fremden mädchen! 2 
Durch zwei thäler muss sie waudern, 
Durch zwei wasser muss sie waten, 

1. oder kuökten aucan. cace gewöhnlich Zace. 

2. Eigentlich: nach den mit Strümpfen bedeckten füssen, daher 
fremd, weil die lappländischen mädchen keine Strümpfe tragen. 



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123 



Und doch hängt sie fest an dir. 

Glaube es, o mädchen, 

Ich bin Mariens einziger söhn. 

Der eiserne spiess muss dich durchbohren, 

Dann, mädchen, wirst du wohl ausstehen was (ich jetzt leide). 



11. 

m 

Suge kuotteja (flu. kantaja). 

Majem mun (raon) süge nuppem (läm) kuöttetem 
Neiti olke-virtf nalne, 

Ecen neite tan mu sügem oissu tuöstai (tuostut) 

Tüle ja tüle jerkelijen, (oder jorgolijam) 

Sagama postelem postite. 

Taite jißene cuocu (?) älit 

bärtta-tuorgite (oder tuorgait). 

Ihke 1 dille datne neite 

Kiknel calmen cuoratatte (cüorutasta), 

E5en dillegen mu ossalusse copcite. 

Der sehnsüchtige. 

Langen weg hab' ich eine andre Sehnsucht getragen 
Auf der schultern der mädchen (d. i. ich habe liebe zu an- 
deren mädchen in der ferne gehegt), 
Nur mein eigenes mädchen aber vermag meine liebe zu emp- 
fangen. 

Dann und wann wandte ich 
Meine liebe zurück. 
Sie sehnt sich zu den 



f. Fjellner deutet ihk$ =» fin ehkä obgleich; sv. lp. bücbersprache 
ikke, ikkene* quisquis, quicunqnc wird in den nördlichen dialektcn ihke, 
ihkene$ ausgesprochen. 



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124 



Reisersträuchen meiner heerde. 

Wenn auch irgend ein mädchen 

Mit thränenden äugen ihr haar ergrauen macht, 

So bleiben doch meine gedanken (bei dir). 



12, 
Värin. 

Gobbice biägga galga dudüen 
Daine ludies beäggin sadde? 
Dihte orjela soudede biägga, 
Vuöj dai duötteri nuörtte biägga? 

Auf den bergen. 

Welcher wind ist dir 

Der lieblich angenehmste? — 

Ist's der Südwind, trübe und tlmuend, 

Oder der erfrischende von des nordens bergen? 

Dieses kurze lied ist von Fjellner in seiner jugend auf- 
gezeichnet; es ist im weicheren Herjedais dialekt. 



13. 

Vibe cugaides rossut. 

Voi, voi dai mänai üdoldahkitl 

Jübe lajfa (lä^a) ruöhkeran nöruc krallkam, 

Kouda sprahkam korru juölgai. 

Baje höbus pötet, 

AEen skänjasit dodne röude kieldagin, 
Monna väike gahpu' nalmin beäni. 



125 



Die bärin weckt ihre jungen. 

Ach, die fortschritte meiner kinder (ach wie entwickeln sich 

meine jungen)! 

Schon kratzte wohl (den schnee) des hobels rand (unter den 

Schneeschuhen), 
Es rasselte wohl der Schneeschuh am linken fusse. 
Lass ihn (den jäger) eilig kommen, 
Dass er die eiserne sehne (den bogen) ertönen lässt, 
Ich (fasse ihn) mit des rachens kupfernen Zähnen. 

Diesen gesang hat Fjellner nach dem Vortrag von Klumma, 
einem läppen, 5 bis 6 meilen nördlich von Sorselc aufge- 
zeichnet. 



14. 

Cuöihkan vüöle. 

■ 

Nulcüdeje nuigüb dMi: 
Meile tön kiesien pottom parkä? — 
— Juöigam mon. Meile tön jes? — 
Gahpadam mon. 

Das mücken-lied. 

Die heuschrecke fragt die mUcke: 
Was arbeitest du während des sommers? — 
Ich singe. — Was machst du aber selbst? 
Ich tanze dazu. 

Diese Strophen sind von Fjellner in Herjedal aufge- 
zeichnet, ähnliches kommt aber auch in Karesuando und Uber 
ganz Lappland mit passender melodie vor. — Die mücke 
hat viele namen: in der schwed. büchersprache öuoik, in der 
ausspräche meistens öijuihJca oder öaojdk, südlich mtigu oder 
äulcca. 



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12G 



15. 

Orrivin vüöle. 

Vaiba gaihka ueita viesulien, 

Ja vaiba gaihka pardne jabmalicen! 

Des eichhörnchens lied. 

Es mögen alle mädchen leben, 

Und es mögen alle jünglinge sterben 1 

(weil sie das eichhörnchen schiessen). 



16. 
Kumppi. 

Aus Utsjoki, von A. Laiti mitgetheilt. 

Kumppi te jö, kumppi i i! 
Ovtsi vuömi ätsi siüpi 
Skalkku te jo, te jo ä ä! 

Der wolf. 

Der wolf, der wolf, 

Durch neun Wälder, mit dem schweif zwischen den beinen, 
Läuft er, ha ha! 



Die folgenden fünf lieder sind mir gütigst vom Herrn 
Commerzienrath J. U. Grönlund in Stockholm mitgetheilt; 
er hat sie am ende der vierziger jähre nach dem vortrage 
eines jungen lappenmädchens aufgezeichnet. Seine ortografie, 
die mit der schwedischen büchersprache Ubereinstimmt, ist 
hier beibehalten. Man bemerke die zahlreichen wortentleh- 
nungen aus dem schwedischen. 



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127 



17. 

Surgo-wuolle. 

Surjatjab mon tab jellokes alilon gäsjab 

Tjuodtjote talle, kuldeht peljen tan tjäsko käten sis. 

Ih mo juolkin test ädtjo varret puorrin puorrist 
Jah viklatit tab tjuossis (smareib) patsoit. 

Kokte kalka tel te monno muorritit, 

jutte ebtesti vele ätdjo tab etjen aldo tiste puttjet? 

Ja kalka tan kukke seibe-aldon melken naln jelet etjen peivehV 

Näh! jus le nimte muonetam, te ädtjob nan ai tuddet, 
Juhko ebtest veleh vejet varretit tan jellekes aldon mingesne. 

Klage-Iied. 

Aus Wilhelmina lappmark. 

Mit klagen beweine ich meine rennthierkühe auf den bergen, 
Vergeblich lausche ich hier im kalten hause nach ihnen. 

Nicht ist es mir hier gegönnt jetzt mehr 

Den einen hügel hinauf, den anderen hinunter zu laufen, 

Nicht die weissgesprenkelten rennthiere zu sehen. 

Wie kann ich hier gedeihen, 
Da ich meine rennthierkühe nicht mehr melke, 
Sondern meine tage von der milch der langschweifigen klihe 

leben muss? 

Wohl! wenn dies mein Schicksal ist, so muss ich mich wohl 

darin finden, 

Und nicht mehr nach den rennthierkühen auf den bergen 

laufen. 



128 

18. 

Samin jelem. 

Mon samen vaivan ja vandertekes almah 
Tan ädnam vaives kaidnoi nal, 
Jnkko kaikam vandertit kaik iidnamen pir, 
Ja nan kalka mo aike l&ptet. 

Das leben des läppen. 

Ich mtihebeladener läppe und wandernder manu 
Auf dem beschwerlichen wege dieser erde, 
Ich muss die ganze weit durchwandern 
Und so meine zeit zubringen. 

19. 

Wedde-Karin wuolle. 

Surgosn' le mo vaimo, ja lenlak le mo vaimo 
Jukko erit valdain, mo jasketis vuoreb. 
Albmai mon vainotab, kusne monno kalkin kaudnotet, 
Ikka värald mo kaudnasje, surgokes ja vaivems. 

Neitab mon valjib, mab man kerast udneb, 
Sodn mo vaimob adna, man kukkeb leb mon. 
Man kukke le varre pakkas, ja häggasne le, 
Tie mo vaimo puolla, surgosne maugemus aiken. 

Läddats laulot avosne so para-peleb; 

Vair kässe luode erit valda so lakkamusen vänab, 

Tie so vaimo puolla, surgosne ja vaivesne. 

Akt kareb keresvuotest, tievas mon tunji vaddai 
Ikka aike ja värald tab leikem le 

Tat kalkah aremust kaik iidnamen mete, dauk maugemus 

näres to kätai sis. 

Falskes vänah leh ln&dde, kutteh leh monnon vänakvuoten jallo 
Tah lijen tall monnon pajelen vidnam 
Ja nan monnon keresvuoten läptam. 



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129 



Lied vom korbgeben. 1 

Traurig ist mein herz, ja schwer ist mein herz, 
Weil man mir meinen lieblichen schnee (loos?) fortgenommen. 
Ich sehne mich zum himmel, wo wir beide uns treffen werden, 
Obwohl die weit mich findet traurig und elend. 

Ein mädchen ich wählte, das halte ich lieb, 

Sie hat mein herzchen, so lange ich bin. 

So lange mein blut bleibt warm und das leben dauert, 

Mein herz es brennt in trauer bis zur letzten zeit. 

Das vöglein besingt so freudig seinen gatten, 
Wenn aber die kugel fortnimmt seinen freund, 
Dann brennt sein herz in trauer und kummer. 

Eine schale voll liebe gab ich dir, 

Doch die zeit und die weit hat sie ausgegossen. 

Jetzt fliesst sie die ganze erde herum, 

Doch endlich wird sie wohl in deine hände gelangen. 

Falsche freunde giebt's manche, die 
Unsre freundschaft zerrissen haben. 
Sie hatten uns beide tiberwunden 
Und so unsre liebe niedergedruckt. 



20. 

Biren wuolle. 

Alles radekum mon leb mannam, 
Kitob adne Jubmelam! 
Jukko le vaddam mijeb 
Tab aili tjaulekeb. 

1. Im schwedischen wie im deutschen gebraucht man den aus- 
druck: einem den korb geben, welcher ausdruck auch ins lappische 
übergetragen ist; wddt kan ist ein aus wurzeln geflochtener korb. 



130 



Die mije Biran kintsoit majjertebe 
Tsakke m&ka! Tsakkc maka! 
Maitesjam puosotjebe, 
Vuojeb vai tsapteb? 

Tsitsokeb, tat wadda 
Gvekt, kolm justen tjevaseb; 
Ikjam kollokats 
Deuram? 

Tokko, tokko Alma tjasketi 
Tuollo puoldai. 

Tjadnesete, tjadnesete 
Suongon nejtai riggit 
Attjasvct mon lutilet 
Varit vuomit. 



Bären-Iied. 

Mit voller aufmerksamkeit bin ich gewandert, 

(beim aufsuchen des baren) 0 

Sei gelobt mein gott, 

Der du uns hast gegeben 

Den fehlelfreien (oder grossmuthigen) baren. 

Nachdem man ihn genommen hat, wird gesungen: 
Wenn wir die glieder des bären auseinander gesondert, 6 ' 

Schreit das haupt, schreit das haupt.* 

Können wir ihn Ubermannen, 

Jagen oder zerschneiden wir ihn? ' 

Einen sperber*' gibt er (der tödter des bären) 

Zur Vollendung zwei, drei stösse; 

Stirbst du nicht meine theure kleine alte? 

Dahin, dahin ihr männer begebet euch schleunigst, 
Zu diesem waldhügel. 



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131 



Eure bänder, eure riemcn, 

Lasset uns mit ketten das mädchen (die bärin) festmachen,' 
Dass ich wieder zu den bergen und Wäldern kommen möge. 1 



Das obige lied habe ich von herrn Grönlund in Stock- 
holm. Es stammt aus dem kirchspiel Wilhelmina und schil- 
dert den Zugang beim bärenfang. Die abrupten strofen sind 
schwer zu verstehen, da aber der herr pastor Job. Mörtsell in 
Mala mir gütigst eine schwedische Übersetzung mit erklären- 
den noten mitgetheilt hat, so folge ich dieser und füge auch 
die erklärungen bei: 

a. Wenn man die spuren eines bäreu im wähle gefun- 
den, geht man in einem cirkel umher, den man immer klei- 
ner macht, bis man den platz gefunden, wo der bär ruhet. 
Dies nennt man den bären umringen. 

b. Die glieder absondern. Es war nicht erlaubt einen 
einzigen knochcn des bären zu zerquetschen, sondern alle 
gelenke sollten mit dem messer sorgfältig von einander los- 
gemacht werden. Gerade dies bedeutet das wort moljertet. 

c. Auch den köpf durfte man nicht zerhauen, er sollte 
ganz gekocht werden. 

d. Den bären' nach hause treiben oder ihn im walde 
mit dem messer zerschneiden. 

e. Sperber, vermuthlich ist damit der pfeil, die Speer- 
spitze oder eine kugel gemeint. 

f. Das wort suongot hat an verschiedenen orten ver- 
schiedene bedeutungen: 1) durch Werbung sich binden, 2) 
durchbohren, 3) durch einschnitte kraus machen. 

g. luitelet = lassen. Damit ich wieder entweder die 
gebundene bärin oder mich selbst nach den bergen los las- 
sen möge. 

Bärenjagd, die Zerstückelung und kochung des bären 
sind von den läppen als so feierliche handlungen angesehen 
worden, dass man dabei das gespräch nur in bildern und 
glcichnissen führen durfte und die gegenstände nicht mit ih- 
ren gewöhnlichen namen nennen. Der hergang beim gefan- 



132 



gennehmen und tödten des bären wird mit künstlichen re- 
densarten beschrieben. Wenn ein einsamer läppe einen bä- 
ren geschossen hatte, machte er dies durch büchsenschüsse 
auf dem heimweg dann und wann kund. An der hütte feu- 
erte er den letzten schuss ab, kroch hinein durch die hin- 
terthür (poHu), dabei von seinem siege Uber ein grosses 
thier viel redend, ohne doch den gewöhnlichen namen des 
bären zu nennen. Die leute zu hause verstanden schon aus 
dem schiessen, was es gab, erhoben und senkten sich in 
wiegender bewegung und sangen lieder. Vergl. hierüber was 
schon früher über den bärenfang gesagt wurde. 



21. 

Suonga wuolle. 

(Suonga Padne:) 
Sjesjala kust, nejta! tab tuostot 
Monnen keresvuoten algo? 
Jukko monnon ajtika, nau sjesjeli (vänote). 

(Suonga Neita:) 
Pate puorist! jus le nau muonatam munji, 
Atte monno kalka taite palkait vadsit, 
Ja taite to jelleks sjuosja narkelit. 

(Suonga Padne) 
Sä tuostote teile mo maikit 
Monnon usjoteme puolkab. 
Ja, jus le nau muonam, 
Atte monno kalka aktain sjaddet. 

(Suonga Neita) 
Ja, jus i ai nau sjadde, 
Sä samma kätijkum 
Tuostote taite pästoit. 



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(Suonga Padne) 
Ja vuoidna kuit, kuktel mingelin 
Ai mijen keresvuoten räcko; 
Men usjotaT likan, nejtakuts! 
Mah' munjin vukin sjesjalah, 
Ai muoskotallet tal mo jelleks sjuosjeb. 

(Suonga Neita) 
Adne takko p&dn slektatjeh, 
Anje tan palen! 
Kässe ai adtjo usjotet, 
Mingellen. 

Werbungs-lied. 

Der freier, welcher gaben darbietet: 
Bist du bereit, o mädchen, dies zu nehmen 
Als einen anfang unserer liebe? 
Unsere eitern sind uns gewogen. 

Das mädchen: 
Willkommen! wenn es mir bestimmt ist, 
Dass ich deine wege wandern soll 
Und deine rennthierheerden hüten. 

Der freier: 
So nimm hier meine gäbe 
Als zeichen unserer Übereinkunft, 
Wenn es so beschlossen ist, 
Dass wir sollen vereinigt werden. 

Das mädchen: 
Und wenn wir nicht vereinigt werden, 
So nimm mit derselben hand 
Diese gaben zurück. 

Der freier: 
Lass mal sehen, wie lange 
Unsere liebe dauert. • 



134 



Bedenke doch, mägdelein, 

Ob du mir helfen wirst 

Diese meine rennthiere zu pflegen. 

Das mädchen (zu den umstehenden): 
Nehmet meinen dank, ihr verwandten 
Des junglings, noch dies mal! 
Wenn ich mich entschlossen habe, 

Dann wieder und zuletzt (werden wir die hochzeit feiern). 



22. 

Tuonen touhki. 

Nach der erzahlung von dem alten läppen Sü Nilsson, 
in Sorsele. 

„Vuoige, vuoige, danna olman 
Kuolmasaci riüdim muora, 
Svacce, svacces rehpen raigem. 
Te pe äskan." — 

Tuonen touhki, 
Kuöllevuojelem muoracca, 
Punka, pörsaht skünja raigem. 1 

Dummer thor! 

Ein rennthierlappe kommt zu einem fischerlappen, des- 
sen geräthschaften er nie vorher gesehen. 
Er sagt: 

Ha, ha, dieses menschen 

1. Nach einer version in Grönlands MSS gibt ?. Düben, Lapp- 
land 8. 346, den folgenden text: 

Vuoige, vuoige! Dauga älman 
Kftolmasan njudelem rauoran, 
Svatje, svatje rehpen raigem. 
De pe eskan. — 

Dnonen daske, 
Kiiollevuojelem muoratja, 
Bahko bersahf skonjo raigem. 



185 

Stampfholz ist zu lang, 

Wenn es bewegt wird, geht es durch die rauchöffnung der 

htitte. 

Noch nie hab ich so etwas gesehen. — 

Dummer thor, 

Es ist ja das fisch-scheuchen-holz, 

Es macht geräusch, es braust durch die öftnung des zugnetzes. 



23. 

Kuökten aiken. 

Kallen aiken sodnu skille 
Soittaladda fija paikin? — 
Kolman aiken. 

Kallen aiken pappo parge 
Tihpardasta Üa paikin? — 
Kuokten aiken? 

Zwei mal. 

Avis Sorsele. 

Wie viele mal klingt die sontagsglocke 
In euren gegenden? — 
Drei mal. 

Wie viele mal schwatzt 

Der arme prediger in euren gegenden? — 

Zwei mal. 



1. Eine Variante hat auch hier: kolman drei mal. 



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24. 



Castros Handschrift 

Pahas olmuk ciurvuk 
Fastes jenai sjurvuk 
Jenait adnibetet inijD paikkiin 
Eppet galga ollu laukiid jottet 
Tai fj^Huid pagjel. 
Adnam teeirik forga 
Kaikit tijn sait roggat 
Ja maetsi pädok tolvot tijn 
Ko tii riemabettet 
10. Miin kotinämek uvsait läkkotet. 
Tiktet orrot kidda 
Amas olmai viesok 
Mi läp tarn adnam assek 
Tii läpped ramsjas arrok 
Kibbel ädnam vadjolädjek. 
Vasse mist lä tijn ala-ttet 
Tii kaikkobet-ttet ja pidgibet 
Miin pivdo sajamek. 
Orrop utsan katvuin 
20. Tiin pivtoi titi 

Tiist lä ädnak suola maanak 
Miist lä ollo oiTom sajit. 
Mon dat aigom vulget jottilet 
Tii maita vulget jottilet 
Nubbe sadjai ko sii poattebetat 
Vuogases ketke kuorast 
Nokkastet kalkabettet 
Te monje oidnom 
Ko tii läppet oaddemen 
30. Firrek kelkek mo oudast 
Ruttak goddek mo mangest. 



ÄUet likko oudal 
Ko dak ketket 

Kuskek tm niiga (pro niikkui) 
Likket talle kätsastet. 



Mon läm jo ollo koddijt puktam 
ja pidjani julkit kidda 
Eige sii koasta äneb jottet 
Tiin oudast eriti. 
40. Valdet vedset stuoras ketke 
ja velges ketke 
Guotsak puktujek tijn lusadek 
Radjebettet tij tait ereti. 



Anep joukko mii läp oinam 

Jo tak toppuk mijn Jubmeli lut 

Huodduit rudait 

Kollijt ja silbait 

Son adda taiki jetsäidi 

Mii läp su palvalam aive 
50. Eike tak lä takkam sunje 

Maidengen puurcjtes 

Mii sjokkip sunje (sjokkip) 

Kodde tjorvijt (sjorviit) ja guoktsa tavtiit 

Ja son tait kousi 

Mii taal taitep 

lbmelämek ala sullat 

Ko son niiin padjel-kätsa 

Ja valdet eriti tjorvitämek 

Mii läp tu vuittani 
60. Guovtsa puitiguoim 

Ja godde puitiguoim. 



Kukkas mannap mii eriti 

Ja otsop altsemek sjega Ibmel 

Te mii gaunop valias (ja arvos) Ibmel 

Ko mii mattep su palvalet 



Ko mii raattep su kudnettet 
Assop tal ja kätsop 
Muttim ketke altsimek 
Tast orrop onekes aike 
70. Ja nokkap taal kätselet 
Maggar paikke tat lä 
Jus mii tarn made fidnip 
Ko mii puktik tast altsenak 
Ibmel raakkadet. 
Nokkop onekes aige 
Te tak kalle poattek 
Tasa miin lusa 

Te valdop ketkiit kiedaitassamek 
Ko mii oinep dam poattemen laakku 
80. Te mii pidjap tabba taujiin 
Ja vuorga nuolaiu patsop 
Jes kuttek mait son happet 
Ja vuidup altsemek taal pivdo saji. 



Nach Utsjoki dialekt: 

Pahas olbmuk cirguk, 
Fastis jienaiu curvuk. 
Jienait adnibättit min paikkin, 
Äppit kalga ollu laukit jottit 
Tai fiellui padjil. 
Ädnam tiurrik farga 
Kelgik tin säjit (celmitV) roggat, 
Ja mätsi peäduk tolvuk tin, 
Ko ti riebmabättit 
10. Min köditämik uvsait läkkut (läkkutit). 
Tiktit orrut kidda, 
Amas olmai, viesuit (viesuk), 
Mi läp tarn ädnam ässik, 
Ti läppit V orruk, 



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? ädnam vadjulädjik. 
Vassi mist lä tin ala, 
Ti kaikkupättit ja pidgipättit 
Min pivddu sadjämek. 
Orrup utsan kalvuiii 

20. Tin pivtui titti. 

Tist Iii iidnak suola mänak, 

Mist lä oll u orrum sajik. 

Mon tal aiguni vnölgit jottit, 

Ti maita vnölgit jottit 

Nuppi sadjai ko ti poattipättit 

Vuogas keädgi kuoräst, 

Nokkastit kalgapättet, 

Te mon oäinani, 

Ko ti läppit öaddiniin. 

30. Hrrik keädgik niu oudast, 
• Ruttik koddik mu mangist. 
Allit likku oudal ? 
Ko tak keädgik 
Kuskik tin njäigga, 
Likkit tälli keäcastit. 



Mon läm jo ollu koddit pnktam 
Ja piddjam jülkit kidda, 
Äige si koasta änip jottit 
Tin on (last eriti. 
40. Valdit V stuorräs keädki 
Ja vilgis keädki. 
Kuouöak puktnjik tin lusadek, 
. Radjapättit ti tait eriti. 



Eänip joaukku mi läp oäidnam 

Ja tak töppnk min Ibmih* lut 

Hnödduit, rudait, 

Kollit ja silpait, 

Son adda tait jießaidi. 

Mi läp su palvalam äivi, 



140 

50. fge tat läk takkäm sudni 

Maidigen püridis. 

Mi cokkip sudni 

Koddi corvlt ja kuouca täutit, 

Ja son tait? 

Mi tal taitip (täidip) 

Ibmilämik ala suttat, 

Ko son min paddjil käcca, 

Ja valdip eriti corvitämik. 

Mi läp su vuöittam 
60. Kuouca puitiguin 

Ja koddi puitiguin. 



Kukkas mannap rai eriti. 
Ja otsäp ältsimek siega Ibmil, 
Te nn kaudnap valljas Ibmil, 
Ko mi mättip su palvalit, 
Ko mi mättip su kudiüattit. 
Assup tal ja kaßCup (keäßcup) 
Muttom keädki ältsimek (älcisämik) 
Tast orrup oanikis aiki (äiki) 
70. Ja nokkap tal käccalit, 
Maggar paikki tat lä, 
Juös mi tarn madi fidnip, 
Ko mi puktip tast ältsimik (ältsisämik) 
Ibmil räkkadit. 
Nokkup oänikis aiki (äiki), 
Te tak kelli pöttik 
Tasa min lusa, 

Te valdup keädkit kiedaidassamek (kiedaidassasämik), 
• Ko ml oäidnip tarn pöattimin lakka, 
80. Te mi pidjap cäppa taukin (täukin) 
Ja vuörggu nuolain päcip (päöip), 
Jies kuttik mait son happit (häppit), 
Ja vu6itup ältsimek täl pivddu saji. 



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Übersetzung. 



Böse leute lärmen, 

Rufen mit hässiicher stimme. 

Seid still an unserem orte, 

Ihr dürfet nicht viele tritte gehen 

Über diese bretter. 

Die würmer der erde 

Werden bald eure platze (äugen?) ausgraben, 

Und die waldthiere bringen euch fort, 

Wenn ihr beginnt 
10. Unsere hüttenthür zu öffnen. 

Lass zugeschlossen sein, 

0 freradling, die ziinmer. 

Wir sind bewohner dieses landes, 

Ihr seid einwohner des ? 

Wanderer in ? 

Hass hegen wir gegen euch: 

Ihr zerstöret und verderbet 

Unsere jagdplätze, 

Und wir haben wenig beute 
20. Wegen eures fanges. 

Ihr habt viele gestohlene kinder, 

Wir haben viele wohnplätze. 

Jetzt will ich wandern gehen, 

Gehet euch ihr 

Nach einem anderen platze. Wenn ihr kommt 
In die nähe eines passenden Steines, 
Leget euch schlafen. 
Dann werde ich sehen, 
Wenn ihr schlafet, 
30. Wie die steine vor mir rollen, 

Wie die rennthiere nach mir laufen. 
Bewegt euch nicht früher, 
Als diese steine 
Euch berühren, 

Dann bewegt euch um zu sehen. 



142 



Schon hab' ich viel rennthiere gebracht 
Und die flisse fest gebunden, 
Nicht können sie mehr laufen 
Weg vor euch. 
40. Nehmet einen grossen stein 
Und einen weissen stein. 
Bären bringt man zu euch, 
Tödtet diese. 



Einen grösseren häufen (menschen) haben wir gesehen, 
Und jetzt nimmt man unseren göttern: 
Naturprodukte, geld, 
Gold und silber. 
Er gibt davon anderen; 
Wir aber haben ihn (den gott) verehrt, 
50. Und es hat ihm keinen nutzen gebracht. 
Wir sammeln 

Rennthierhörner und bärenknochen, 
Und er ? sie. 
Jetzt können wir 
Auf unseren gott zürnen, 
Da er uns verachtet; 
Wir nehmen die hörner fort. 
Wir haben ihn geschinieret 
00. Mit bären-fett, 

Mit des rennthiers fett, 



Weithin ziehen wir fort 
Und suchen uns einen guten gott, 
Bis wir einen fang-gebenden gott finden. 
Dem wir dienen können, 
Den wir verehren können. 
Lasst uns dort wohnen und aussuchen . 
Einen stein (zu unserem gott). 
Da bleiben wir eine weile, 
70. Und schlafen um zu prüfen, 
Wie beschaffen der platz ist, 



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143 



Ob wir uns da 
Einen gott errichten können. 
Lasst uns eine weile schlafen; 
Wenn sie uns da wieder nahen, 
So nehmen wir steine in die hände. 
Wenn wir sie sich nähern sehen, 
So zielen wir mit dem guten bogen 
80. Und schiessen mit dem knochen-pfeile, 
Ein jeder so eilig er kann, 
Und so gewinnen wir uns einen jagdplatz. 



Die drei folgenden lieder, das von der butte, dem lachs 
und dem wolf, wurden von J. Fellman während seines aufent- 
halts in Utsjoki 18 19 -—1833 aufgezeichnet. 

85. 

Palda juoigam. 

Pältis vuäddja 

Mära podmmielt, 

Ja son lä tiuräs knälli 

Stuöris ja kieurra. 

Ko vuggi toppi, 

lila su väddja 

Väkka (? kieuras) olmai 

Vadnasi keässit. 

Von der butte. 

Die butte schwimmt 

Längs dem grund des meeres; 

Es ist ein werthvoller fisch, 

Gross und kräftig. 

Wenn sie die angel anfasst, 

Vermag sie kaum 

Ein starker mann 

In den kahn zu ziehen. 



Luossa juoigam. 



Luossa vuäddja 
Öäci podmmielt, 
Tat kieuras kuälli 
Ja tiuräs kuälii, 
Mi manna juäs livöi 
Cada ädnam tadnu. 
Te oppit son manna 
Kitta keäcai, 
Ja öäpput nu sakka 
Ja de sadda nu, 
Atti i ämbu 
Porage sat, 
I hädistke. 
Ja macca sön 
Fast vuälas, 
Kost lä poattain, 

Äpi vidudagasist, 

Kost lä manga (? ollu) luosak. 

Ja fast sadda 

Sämma salgad 

Mo oudal läi 

Ko äppasist fast poatta, 

Ko sildit oa£$ü porrat, 

Te fast puäiddu 

Ja sadda sämaläkai, 

Mo oudal läi. 

Vom lachs. 

Der lachs schwimmt. 
Längs dem grund des wassers, 
Der kräftige fisch, 
Der werth volle fisch, 
Welcher vorwärts sich begibt, 



Wenn der fluss auch ginge 

Durch die erde. 

So begibt er sich immer 

Zur spitze (quelle) des flusses; 

Er wird so schwarz 

Und so verändert, 

Dass er nicht mehr 

Einmal isst, 

Nicht einmal in der noth. 

Er kehrt wieder um 

Stromabwärts, 

Wo er hergekommen ist, 

Aus dem weiten meere, 

Wo es viele lachse gibt. 

Und wieder wird er 

Eben so weiss, 

Wie er vorher gewesen. 

Wenn er nun aus dem meere kommt, 

Wenn er beringe zu essen bekommt, 

Dann wird er wieder fett. 

Und gerade so 

Wie er vorher gewesen. 



27. 

Kumppi juoigas. 

Vuoi vuoi vuoi la la la lu lu lu, 
Fam fam fam, huo huo huo: 
Tälli son nu lätti ko kallan. 
Huö huö huö 
Vuoä vuoä vuoä: 

Tälli son nu lätti ko potsu porra. 
Te go kärga te lättiskoatta: 
Vuoä 

Te go keärga nu lättimist te nolkit 



146 

Vuömi niie Kl. 

Ja rieban fast tait kumppi 

Luottait kuorät ja porra 

Ja saji mield manna. 

Te go kärga porramist, 

Te riolkit eri fast 

Ja de lättigkoatta: 

Uvä uyä uvä. 

Te lä su nuattas, 

Ko lä kallanam porramist; 

Te lä su kittalus, 

Ko vuovdas tiewam lä 

Passi vieljas vaivist. 

Nalla mait kuor&t 
Sämmaläkkai kumppi luottait 
Jallavuodastis jallasit. 
Nälast mast ealnrik lä paskik, 

Nalbmi kam ja porra maita sämmaläkkai ; 
Te nolkast songi eri, 
Ja de koarju. 

Ja sust lä säibi keäcci öappad, 
Ja kuotsa, tastko son sakka luC6u. 
Fälli maita lä muttum vasalaä 
Mi riuvsak(it) tolkit porhaidatta, 
Sisa takka ja te son kodda 
Ja te porra ja te kirdil 
Ja lätti: pir pir pir. — 

Kudnu loddi (Idjaloddi) muttum vasalas 

Uca fuödduöi alt, 

Mi keädki loami vuölt lätti: 

Tsir tsir tsir. 

Tat lä koddi-Bäppanit, 

Mait kudüu loddi 

Kas^u ädnam alt, 

Ja hängu soäkki sürkidi 



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147 



. Ja lätti (jiädnad) jies soäkki kecin; 
Mast lä calinik jorbas. 

Koasskim maita muttum vasalas, 
Mi toappü raisit labbait noammilit 
Ja caci-loddi i mkait maita, 
Ja kirtas jies ja lätti: 
Harm barm härm. 

Kätki maita lä tat, 
Mi kuärra kumppi luötait; 
Son lä nut kuotsa ja cappat. 
Ja poattam porram sattjai, 
Täuda vuovtas ja mälga vässit 
Te go kalbma t䣣a ja fe jussu 
Ja lättiSkoatta: irrü, irrü. 



Wolfslied. 

Wenn der tcolf gesättigt ist, so singt er: voi voi, la la, 
lu lu, fam fam, huo huo. 

Wenn er frisst am rennthierfleisch, so schreit er: 

Huö huö, vuoä vuoä. 

Wieder ledig, fängt er an zu singen: 

Vuoä, vuoä, 

Und wenn er damit fertig ist, beginnt er zu laufen 

Die Wälder entlang. 

Der fuchs folgt den spuren des wolfes 

Und frisst was er findet. 

Wenn er sein essen beendigt, 

Läuft er wieder fort 

Und beginnt zu singen: 

Uvä, uvä. 

Dieses ist seine melodie, 
Wenn er genug gegessen hat; 
Dies sein dank, 



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148 



Wenn er den magen gefüllt 

Durch die mühe seines heiligen bruders. 

Auch der eisfuefts folgt 

In ähnlicher weise den spuren des wolfes, 

Der sehr dumme. 

Der eisfuchs hat kleine äugen 

Und breiten mund; auch er frisst wie der vorige. 

Darauf läuft er fort 

Und legt sich schlafen. 

Des Schweifes ende ist schwarz 

Und widerlich stinkt er. 

Auch der habicht ist ein feind, 

Welcher die flaumfedern des Schneehuhnes zerstreut. 

Er ergreift und tödtet es, 

Isst und beginnt dann zu fliegen, 

Schreiend: pir pir. 

Die nachtetde ist ein feind 
Der kleinen thiere; 

Zwischen den spalten der steine ruft sie: 
tsir tsir tsir. 
Lemminge sind es, 

Welche die nachteule ergreift auf der erde. 
Sie hängt sie auf an die zweige der birke 
Und schreit von dem gipfel, 
Die eule mit den runden äugen. 

Auch der adler ist ein feind, 

Welcher wegnimmt rennthierkälber, lämmer nnd haseu, 
Ja auch die jungen der wasservögel. 
Selbst fliegt er rufend: 
Harm bann härm. 

An cli der iwlfrass ist ein solcher, 
Der den spuren des wolfes folgt; 



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149 



Er gibt einen üblen geruch und ist schwarz. 

Zum aase gekommen, 

Füllt er den magen und geht wandern, 

Wie ein erfrorner Norwege. 

Dann gibt er wind und fängt an zu schreien: 

Irru, irru. 



28. 

Vaimucam päkae. 

Von J. Fellman in Utsjoki Lappmark aufgezeichnet 

Outas ton jodak, 
Marias tu jurdagak: 
Konnas lä pacam, 
Konnas lä päcara 
Mu moarssi? 
Kokkas lä joaudam 
Vaimucam päkas! 

Mein brennendes herz. 

Vorwärts du wandelst, 

Rückwärts deine gedanken: 

Wo ist geblieben, 

Wo ist geblieben 

Meine braut? 

Weithin hat sich entfernt 

Mein brennendes herz! 



29. 

Kaskias raukki juoigam. 

Torajas stuorra noaiddi, 
Torajas tat kullum noaiddi, 
Kutti toalvui valfji min ädnamist, 



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150 

Ja sätti midjidf nälki rialbmai, 

Atti (etti) mist i läk piebmu, 

Ige mikkigen valTjit, 

Ja toalvui puok min vairji, 

Ja atti kitteli ädnami, 

Ja kitteli min vairji puok. 

10. Äpke oi$$u kulit caein. 
Äpke kottit vuvtin, 
Äpke maidigen vaTTjit; 
Kuörüs lä tuoddarak, 
Kuörüs lä vuövtik, 
Kuörüs IS cacik. 
Nauris olmai sätti 
Mija (mm) rialbmai nälki, 
Ja te läi tagkar nauris olmai, 
Kutti sätti puok valTji 

20. Mija (nun) ädnamist eriti. 



Igo läk tat olmai saddam, 

w 

Saddam vela ädnami, 
Kutti pukta fast ruöktut 
Vairji min (mija) ädnami? — 
Jope tat pukta 

Ibmil fast vairji ruöktut pukta, 
Sikki cacin etti ädnamin. 
Kitti läkkus iidnam haldai, 
Kittu ädnam saddadädjai, 
30. Ja haldai kittu läkkus 
Ädnag tufat karti, 
Ko Ibmil lä ärmu takkam, 
Atti (etti) pütti fast vairji ruöktut. 
Kudni ja cäppa kittu läkkus 
Tudüi, cäppa Ibmil, 
Ki cäcai ja ädnami 
Puktik vairji fast ruöktut. 



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151 



Väikki näuris olmai 
Toalvui keHi vallji, 
40. Nu cappa Ibrail 
Toalvui faßt ruöktut. 

Siega Ibmiii läkkus kfttu 

Ädnag (ufat kärritai, 

Kutti mu valTji toalvui. 

Näuris olmai tarn tagai, 

Sikki cacist etti Sdnamist, 

Ki valTji toalvui eriti. 

Torajas tat pahas näuris olmai, 

Kutti vallji min ädnamißt toalvui 
50. Ja nälki midjidi pntti, 

Torajas tat kulukas (kullum) olmai, 

Te satti midjidi nälki, 

Te ceski mu jabman (jamas), 

Toaivui mu jabmam lämin. 

Fal imbe mon telligen jabmam, 

Muttu mon viesum telligen (älam tetitken). 

Im mon jabmam, 

Mon viesost läm telligen, 

Ibmilist mon velagen viesutam. 
60. Ibmilist lä mu ällim, 

Ibmilist mon viesutam, 

Väikki toaivui tat näuris olmai, 

Etti mon jabmam lädjim; 

Ja mu välti ja ceski ?äcai, 

Pälkisti mu joki. 

Haugga fast mu välti, 

Ja haugga mu nielai, 

Tälli mon lädjim ribri vuält (vuoivas). 

Haugga välti suodjalussas, 
70. Ja pijai mu ribris vuällai, 

Tanni mon viessum jagi pirra. 

Muttu te pijai sitta (fast) 

Tat näuris olmai firmidis caccai, 



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152 



Ja son välti mu pajas, 
Ja te pessim viesusit (assat vistist), 
Ja ellim kolbma jagi viesüsist. 
Ja le mennim ustukäidnui (koddipiudui), 
Oiium vaisit tobpen (fuädduit). 
Tego ustu käinust pöttim koattai, 
80. Te ceski tat näuris oluiai rau jabman (jamas). 
Ja te tagai munji ärkku, 
Ja pijai mu arku sisa, 
Tobpi mon orrum tästu, 
Ärkusist kolbma jagi. 
Ja sitta (tast mangil) vulki 
Kirkku ädnami mu toalvut, 
Ja kaik (puok) si pötti, 
Pappa raaita tasa läi (poattam), 
Te teajim: alht mu vuolkät, 
90. Im mon läk velä jäbmam, 

Vaikki jabmim lä munji toaaivutuvvum. 
Te puok olbmuk celkki, 
Ja pappage tajai: 
Männi viessu (älli) olbmu 
Ärku sisa lä pidjam? 
Mon tedjim: im läk jabmam, 
Vaikki mon läm toaivutuvvum jäbmin. 
Näuris olmai illusi, 
Mu jäbmam lämin, 
100. Muttu vaikki son toaivui, 
Etti mon livöim jäbmam, 
Nut im mon läm jäbmam, 
Muttu mon älam velä talgen, 
Velä talgen, velä talgen. 

Aha mu pardni teikki poadasi, 
Mon im väji tabpi lät! 
Te pardni tallan pödi, 
Ja kirtti tegu öuköa. 
Nubpik livci poattam 



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153 



110. Ja vuossam pärni cukcan. 

Muttu pardni tajai: 

Juös mon liv&m vussum valsarina (?), 

Im mon livöi jäbmam. 

Ja poadna sutai sagka, 

Ja pardni manai mubpi olraucin. 

Poadna celki: 

Pardnam, menni poadak 

Taina hamin mu lusa? 

Pardni tajai: 
120. Juös ton vasuk, 

Juös mon läm tu vasastallam (vasastattam), 

Te mon vuölkam 

Fast kirddit käidnui. 

Pardni vülki kirddit käidnusis, 

Te poädna öoadki hämist 

Kirdi (kirdili) pärni mannai, 

Ja viefcai pardnis ruöktut, 

Ja te soai seivuiga ädnami- 

A&i: 

130. Ali pöadi lotti kovain mu oudi. 

Pardni * 
X al Ulli • 

Im mon, afcöam, tiettam tarn, 
Etti liv&k mu vuossam. 
Ja tegu soai tanne (tarn) halaiga, 
Te suttaiga soai kaskanäska, 
Ja Sattai riddu. 

Ja go soai toaruiga kaskanäska, 
Pardni cokkai(-ni) muorra oaksai, 
Ja te tajai tobpin: 
140. Jogo (juögo) ton, accam, munji läk vassaraV 
Tegu ton läk munji nu sagka vassam, 
Te im mon änip poadi tu lusad, 
Im poadi änip tu lusad (lusa). 
A85: 

• 

Mi tu saji täuta, 
Pardnam, ko vuölkak? 



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154 

Pardni: 

Täudus kutti sitta (ikkinässi). 
Im mon änip poatti, 
150. Im koässige, 
Im almi vuölt 
Mon änip poarti tu lusat. 

Te tat kullasa (päkkalm) noaiti pardni. 

Te gu kirti, te vülki 

Te aö£i paci eriti. 

Te poädna suttai nubpi poadnai, 

Te na uns olmai 

Sätti vairjik (valFjU) puok tokku, 
Äpke ml oa.f£u kuäli cacin, 
160. Äpke lotüt vümin, 

Äpke mäunak8an (mangelftgas) vallji. 

Des kläglichen Kaskias Med. 

Torajas der grosse zauberer, 
Torajas der bertthmte zauberer, 
Welcher die beute von unserem lande wegführte, 
Und uns den hunger brachte, 
So dass wir kein essen, 
Keine beute (jagd-beute und fischfang) haben, 
Er nahm all unsere beute 
Und brachte sie nach dem kitteli land, 1 
Nach kitteli unsere ganze beute. 
10. Jetzt bekommen wir keine fische aus den gewässern, 
Keine rennthiere aus den Wäldern, 
Gar keine beute mehr: 
Denn leer sind die berghöhen, 
Leer die wälder 
Und leer auch die gewässer. 
Der böse mann brachte 



1 Eine gegend im nördlichen Finland 



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Hunger in unseren mund, 
Und war so böse, 
Dass er all unsere beute 
20. Aus unserem lande fort nahm. 

Ist noch nicht der mann geboren, 

Geboren auf unserer erde, 

Welcher die beute zurück 

Nach unserem lande bringt? — 

Doch schon bringt er sie, 

Der gott bringt wieder beute zurück 

In die gewässer und Wälder. 

Dank sei dem httter der erde, 

Dank sei dem wachsthumförderer der erde, 
30. Dank sei dem schutzgeist 

Viel tausend mal, 

Da gott wieder gnade gethan 

Und die beute wieder gebracht. 

Verehrung und bester dank 

Sei dir, herrlicher gott, 

Der du hVs wasser, aufs land 

Beute wieder gebracht hast. 

Obwohl der böse mann 

Die beute nahm, 
40. So brachte der herrliche gott 

Sie wieder zurück; 

Dem guten gott sei dank 

Viel tausend mal, 

Der mir beute brachte. 

Der böse mann that es. 

Der aus den gewässem, aus dem lande 

Die beute wegführte. 

Torajas, der böse nutzlose manu, 

Welcher die beute aus unserem lande führte 

Und uns hunger brachte, 
50. Torajas, der berühmte mann, 

Er brachte uns hunger, 



156 



Er schlug mich todt 

Er hoffte ich sei todt. 

Ich starb aber doch nicht, 

Sondern bin noch am leben, 

Nicht starb ich, 

Sondern lebe dennoch, 

In gott lebe ich noch. 
60. In gott ist mein leben, 

In gott wohne ich, 

Obwohl der böse mann es hoffte, 

Dass ich gestorben sei; 

Er schleuderte mich ins wasser, 

Er warf mich in den fluss. 

Der hecht fand mich, 

Ich lag aber unter seiner leber. 

Der hecht nahm mich in seinen schütz, 
70. Er legte mich unter seine leber, 

Wo ich ein jähr lang wohnte. 

Darauf legte aber 

Der böse mann seine netze ins wasser, 
Er nahm mich auf, 

So dass ich in einem hause wohnen konnte, 
Und dort im hause lebte ich drei jähre. 
Darauf begab ich mich nach V, 
Ich bekam dort ? 
Als ich nach hause gekommen war, 
80. Schlug der böse mann mich todt. 
Darauf machte er mir einen sarg, 
Er legte mich hinein, 
Wo ich dann blieb 
Im sarge drei jähre. 
Man fing dann an 

Mich nach dem todtenacker zu führen, 
Und alle kamen herbei, 
Auch der geistliche war zugegen, 
Ich aber sprach: „bringet mich nicht, 
90. Ich bin noch nicht todt, 



157 



Obwohl man mir den tod gewünscht hat." 
Und alle die leute sagten, 
Sowie auch der geistliche: 
Warum ist ein lebendiger mensch 
In den sarg gelegt? 

Ich antwortete: nicht bin ich gestorben, 
Obwohl man mich todt gewünscht hat. 
Der böse mann freute sich darüber, 
Dass ich gestorben sei, 
100. Aber obwohl er hoffte, 
Dass ich gestorben sei, 
Bin ich es doch nicht, 
Sondern ich lebe dennoch, 
Dennoch, dennoch. 

Ach, wenn mein söhn hierher käme, 
Hier kann ich nicht bleiben! 
Und der söhn kam sogleich, 
Kam fliegend wie ein auerhahn. 
Andere würden gekommen sein 
110. Und hätten den söhn als auerhahn gekocht, 
Er aber sprach: 

Wenn ich als ? gekocht werden würde, 
So wäre ich nicht gestorben. 
Und der vater ärgerte sich sehr. 
Der söhn aber verwandelte sich in einen anderen men- 
schen. 

Der vater (eig. der alte) sprach: 
Mein söhn, warum kommst du 
In dieser gestalt zu mir? 
Der söhn erwiederte: 
120. Wenn du böse bist, 

Wenn ich dich geärgert habe, 

So gehe ich wieder 

Meines weges wegzufliegen. 

Er begann seines weges zu fliegen, 

Der vater aber flog sogleich 



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158 



In entengestalt ihm nach, 

Brachte seinen söhn zurllck, 

Und so sassen sie beide zusammen auf der erde. 

Der vater: 

130. Komm nicht in vogelgestalt vor mich. 
Der söhn: 

Ich wusste es nicht, mein vater, 
Dass du mich gekocht hättest. 
Und als sie so mit einander redeten, 
Ärgerten sie sich gegenseitig, 
Und ein Zwiespalt entstand. 
Als sie nun so mit einander stritten, 
Setzte sich der söhn auf einen baumast, 
Und sprach von dort: 
140. Hast du dich über mich geärgert, vater? 
Da du so sehr erbittert gegen mich bist, 
So komme ich nicht mehr zu dir, 
Wahrlich, ich komme nicht zu dir mehr. 

» 

Der vater: 

Wer erfüllt deine stelle, 
Mein söhn, wenn du gehst? 

Der söhn: 

Möge sie erfüllen, wer es auch sei, 
Ich komme nicht mehr, 
150. Niemals, 

Nicht in dieser weit 
Komme ich mehr zu dir. 

Und so flog der berühmte söhn des Zauberers 

Und begab sich fort, 

Und der vater blieb allein. 

Daher ärgerte er sich über den anderen mann, 

Und der böse mann 

Brachte alle beute dorthin, 



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159 



So dass wir keine fische aus den gewässern, 
160. Keine rennthiere aus den Wäldern, 

Keinen fang irgend welcher art bekommen. 



Das folgende lied, welches ich nur im auszug mittheile, 
da die 160 verse von keinem besonderen interesse sind, be- 
zieht sich nach Fellman's ansieht auf einen streit zwischen 
ansiedlern, welche einen landstrich in besitz nehmen wollen, 
und dem alten besitzer, dem zauberer. Die heidnischen Vor- 
stellungen sind wie im vqrigen Hede noch ganz obwaltend. 
Um ein wahrer zauberer zu sein, muss man vor allem die 
kraft besitzen, sich in eine thiergestalt verwandeln zu können. 

30. 

Suola. 

lbmilam lä tal vä^asämin. 
Mon läm valldam ädnam sattuit 
Räsit, mürjit, Eoäggam läm, 
Muorait kedkit adnam läm; 
Im läk valldam orruömIC, 
Ädnam sattuit ain läm valldam. 
Olmus väji diu lusa, 
Celki mu suolan lämin. 

Noaiddi. 

lk ton touta ädnam lägi, 
Ikkos tiedi mu lämin. 
KäEa sattuit ja valtti vära, 
Vuätti muorain märkait, 
Käsit maita kaca nubpi läkkai. 

Suola. 

Kippes läk ton olmai, 
Läkko don olmai olmus? 
Tego läk ton Rudi, 



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160 

Tonko läk räsi takkam, 
Tonko läk maita muorait takkam V 
Ikkos läk ton ädnam kudna. 
Tiurrin jodak nutko monge 
Rasik ai läk tu, 

Muorak, kädkik maita ai läk min, 

Isit läge ominat. 

Puärri lä maita mi puärri lä, 

Monge tiedam maita lämin tuge, 

Öappis noaiti, ädnam alt. 

Oru tonge sajistat 

Ani räsilat, mait ton §addatäcak. 

Noaiddi. 



Suola, noaiddi rosatäba, 
Mangimusta mätkustäba, 
Jogait, jäurril jottaläba, 
Muorait, kedkTt koucataba. 
Poärrasin 11 juigujuvvum 
Moaiti fidnu (noidudak) abmaslta. 
Aiggi poatta, aiggi manna, 

Noaitik läk kivssidadjik, 

Kästatis nkait kättastallik, 

Fastis mänuidäsikuin vaibataddik, 

Aikilassi orruk javutaga; 

Jiednadalla maita jenadam aiki. 

Läge, läge tonke lagapustat. 

Tokku manna toppipoatta 

I noaiddi puvti maidin (maidigen) takkat 

Pöagustuvvu fangavuoda tilist 

Suormak orruk nualgga roakkutkätta. — 

Läge, läge isit ton, 

Suola, läk ton herran pässam 

Tai mürji, kedkf, räsi ala; 

Ani, ani jiecat eriti; 



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1G1 



Kost ton poadak, toppi (tokku) manak. 
Läm, läm mon tü padjeli 
Manam, raanam, vältam, pijam, 
Suppim ja täuöastam tu eriti. 

Suola. 

Te ton nogak tussin, noaiddi parggi. 

Der dieb. 

Mein gott ist jetzt im wandern begriffen. 

Ich habe fruchte der erde genommen, 

Gras und beeren haV ich gesammelt, 

Holz und steine hab' ich behalten; 

Nicht hab' ich genommen was anderen gehört, 

Nur von den fruchten der erde hab' ich immer genommen. 

Ein mann kam zu mir 

Und sagte ich sei ein dieb. 

Der zauberer. 

Nicht kennst du die sitte des landes, 
Nicht weisst du dass ich da bin. 
Betrachte die gewächse und gib acht, 
Merke die zeichen an den bäumen, 
Sieh' auch das gras in anderer weise an. 

Der dieb. 

Welch sonderbarer mensch bist du, 

Bist du nicht wie andre männer? 

Oder bist du wohl ein gott, 

Hast du das gras geschaffen, 

Hast die bäume gemacht? 

Bist du nicht staub der erde? 

Ein wurm kriechst du wie auch ich. 

Das gras ist nicht dein, 

Die bäume, die steine sind nicht unser, 

Sei ein herr über dein eigenes. 

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162 

Gut ist was gut ist, 
Und ich weiss dass auch du bist, 
Schwarzer zauberer, auf der erde. 
Sei auch du auf deinem gebiete, 
Behalte dein gras, das du gepflanzt hast. 

Nachdem der zauberer seinen wünsch ausgesprochen, 
in ruhe dort auf seinem gebiete wohnen zu dürfen, und noch 
gedroht hat: er sei ein zauberer, dem selbst die krankheit 
gehorche, hält ihm der dieb eine lange rede. Er sagt unter 
anderem: armer zauberer, mache die schwachen schwächer, 
nicht mich. In gestalt eines eichhörnchens kann ich in den 
bäumen herumlaufen, ohne dass du mich zu tödten vermagst. 
Ich fälle einen bäum über dich, und du der zauberer ge- 
räthst in gefangenschaft, während ich der dieb ein herrscher 
über das gras und die bäume werde. Armer mensch, mache 
dich nicht selbst zu gott auf der erde, man stellt dich in 
gesängen als falschen gott dar. Du hältst mich für einen 
dieb, der dieb wird dich, den zauberer, in rauch (?) brin- 
gen. Das lied fährt dann fort in folgenden, formell wohl 
gebildeten versen: 

Der dieb und der zauberer kämpfen, 

Zuletzt ziehen sie fort 

Über flüsse und seen, 

Sie klettern Uber bäume und steine. 

Die alten haben besungen 

Des zauberers sonderbare thaten. 

Die zeit kommt, die zeit vergeht, 

Die zauberer sind Versucher, 

Nicht getaufte reiche knüpfen sie zusammen (?), 

Mit ihren bösen thaten ermüden sie, 

Zu passender zeit schweigen sie; 

Zur zeit des redens spricht der eine: 

Sei du auch nahe. 

Der andere geht hin, kommt zurück, 
Vermag aber nichts zu thun, 
Er wird als gefangener ausgelacht, 
Seine finger sind gerade, unbeweglich. 



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163 

Der dieb ruft ihm höhnend zu: jetzt möge er das gras, 
die bäume und steine in besitz nehmen, da er sich als ei- 
genthumer ausgegeben hat; der zauberer aber erwiedert: 

Sei, sei du selbst herrscher, 

O dieb, da du herr geworden bist 

Über diese bäume, steine und gräser; 

Halte dich aber selbst fern. 

Woher du gekommen bist, dorthin gehe. 



Ich bin, ich bin wohl über dich, 
Ich gehe, ich nehme, ich lege, 
Ich werfe, ich drücke dich fort. 

Der dieb. 

Dann endest du vergeblich, armer zauberer. 



31. 

Noaidi kovdas. 

Tarn leüik suongatam, 
Ko kottit jüovsatam läk, 
Tolus vuorrasak, 
Adjak omikasak. 
Te kukkin kottit si 
Tarn kaisai keäsütäddji 
Ja pötti caskukak, 
Vel spirtta föppukak. 
Tast leüik ruoukatam 
Ja kottit kiddutam, 
Olbmak mielkastallam, 
Pissü jiedne paukkam. 
Tast paö£i stuorakit 
Ja ronuit puoitakit, 
Tast puitid vussi nai 
Ja märfit täkki mait. 



164 



Die zanber-trommel. 

Vgl. oben s. 28. 

Diese (trommel) mögen die ehemaligen beiden, 

Die verstorbenen väter, 

Einst geschlagen haben, 

Als sie die rennthiere scheuchten. 

Weit aus der ferne brachten sie 

Rennthiere zu diesem hügel, 

Und es kamen weisse rennthiere, 

Ja sogar noch pechschwarze. 

Hier mögen die rennthiere geblökt, 

Hier geschnauft haben, 

Die männer sich niedergebückt (um zu melken), 

Die stimme des gewehres getönt haben. 

Hier schoss man grosse 

Und fette rennthierweibchen, 

Hier kochte man das fett 

Und machte auch wurste davon. 



Corrigenda. 

Seite 25 z. 10 v. u. steht samim, lies: samin. 

„ 63 v. 95 „ kävehtüvac" „ kürcht 0 . 

„ 85 v. 187 „ äpaken „ äpaken. 

„ 106 v. 32 „ denkt „ deckt. 

„ 128 z. 2 von oben und 1 von unten steht: nan, 
lies: nau. 



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